Jahr der Genossenschaften

Nach 50 Jahren Miete einen Monat gratis wohnen

Diesen Vierfamilienhäusern beim Gymnasium wurde im Zuge der Sanierung der Dachstock ausgebaut. sat

Diesen Vierfamilienhäusern beim Gymnasium wurde im Zuge der Sanierung der Dachstock ausgebaut. sat

Mit ihrer Wohnbauaktivität mache die Baugenossenschaft genau das, was der Dachverband als Vorteil des genossenschaftlichen Wohnens preist. Wohnbaugenossenschaften entzögen Bauland langfristig der Spekulation und versorgten die Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum.

In ihrer Blütezeit besass sie 83 Einfamilienhäuser, 4 Zweifamilienhäuser, 1 Dreifamilienhaus und 19 Mehrfamilienhäuser. Das waren total 218 Wohnungen. Heute gehören der Wohnbaugenossenschaft Freiland noch 124 Wohnungen, alle in Mehrfamilienhäusern. «Die Einfamilienhäuser wurden in der Zwischenzeitalle von ihren Mietern gekauft», weiss Präsident Bruno Habegger. Er, Verwalterin Irène Egger und Vizepräsident Martin Beutler nutzen das Internationale Jahr der Genossenschaften, um auf ihre Baugenossenschaft Freiland aufmerksam zu machen.

Mit ihrer Wohnbauaktivität mache die Baugenossenschaft genau das, was der Dachverband als Vorteil des genossenschaftlichen Wohnens preist. Wohnbaugenossenschaften entzögen Bauland langfristig der Spekulation und versorgten die Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum. Mit etwa 1250 Franken müsse man für eine Vierzimmerwohnung rechnen, sagt Verwalterin Egger. Interessenten habe es immer genügend. «Wir haben aber bewusst auch einfachere Wohnungen in unserem Portefeuille», ergänzt Präsident Habegger. Dort zahlen die Mieter für die Vierzimmerwohnung ab 600 Franken.

Vor 69 Jahren gegründet

Am 8. Juli 1943 verfasste der Schweizerische Metall- und Uhrenarbeiter-Verband (SMUV) Sektion Langenthal zuhanden des Gewerkschaftskartells Langenthal eine Eingabe. Man solle doch möglichst rasch bei den politischen Behörden vorstellig werden und den Bau von billigen Wohnhäusern fordern. «Zwei Gründe wurden angeführt: Einerseits das Fehlen von anständigem Wohnraum, andererseits war nicht absehbar,
wie lange der 2. Weltkrieg noch dauern wird. Man befürchtete wirtschaftliche Schwierigkeiten und
verlangt ein Impulsprogramm», so Bruno Habegger.

Die Gründungsversammlung der Baugenossenschaft fand bereits Mitte Dezember 1943 statt. 31 interessierte Personen wurden Genossenschafter. Schon vor der Gründungsversammlung wurden die Vorarbeiten für Landkäufe und Bauprojekte an die Hand genommen. Zwei Monate nach der Gründung wurden die ersten Baugesuche eingereicht. Gebaut wurden 10 Einfamilienhäuser am Brunnbachweg und ein Zweifamilienhaus am Geissbergweg. In den nächsten Jahren folgten 22 weitere Bauetappen, die letzte Mitte 1994. «Damals verlangte Parlamentsmitglied Heinz Stuker (SP) in einer Motion, dass die Stadt im sozialen Wohnungsbau aktiv werden soll. Der Vorstoss wurde erheblich erklärt. Der Gemeinderat wollte aber nicht die Stadt selber zum Bauherren machen, sondern bestehenden Baugenossenschaften Land im Baurecht abgeben und den Bau von Wohnungen mit Darlehen unterstützen», erzählt Bruno Habegger. In den Genuss dieser Unterstützung kamen die Baugenossenschaft Freiland und die Wohnbaugesellschaft Langeten AG, die beide am Steinackerweg bauten.

In den letzten Jahren sanierte die Baugenossenschaft Freiland vor allem die bestehen Wohnhäuser und sorgte damit für die Werterhaltung der Liegenschaften. Neue Bauten waren weniger ein Thema. Heute haben die Verantwortlichen der Baugenossenschaft wieder etwas Luft. Der wesentliche Teil des Liegenschaftsbestandes sei saniert und die Genossenschaft wirtschaftlich gesund.

Dies können die aktuell 189 Genossenschafterinnen und Genossenschafter in der Jahresrechnung, die am kommenden Freitag an der Generalversammlung vorgestellt wird, lesen. Der Gebäudeversicherungswert liegt bei 32,6 Millionen Franken. Demgegenüber steht das Fremdkapital mit 11,1 Millionen zu Buche. Und das Eigenkapital ist auf 1,6 Millionen angewachsen. Von den Einnahmen von 1,54 Millionen musste die Genossenschaft zirka 40 Prozent oder 0,62 Millionen für die Zinszahlungen aufwenden.

Die anwesenden Mieterinnen und Mieter, die je mindestens vier Anteilsscheine zu 150 Franken kaufen mussten, um der Genossenschaft beizutreten, werden nach der Generalversammlung einen Imbiss zu sich nehmen können. Dies ist die einzige «Gewinnausschüttung». Mit einer Ausnahme: Mieter, die bereits seit 50 Jahren Genossenschafter sind, erhalten eine Monatsmiete geschenkt. «Dies war bisher zweimal der Fall», weiss Vizepräsident Martin Beutler.

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