Langlauf
Zwei Finalplätze für Schweizer Sprint-Team und zwei unterschiedliche Reaktionen

Teamleaderin Nadine Fähndrich wie erwartet und Nachwuchshoffnung Valerio Grond wie erträumt laufen beim Weltcup in Davos in die Top 6. Diese Leistung hat für die Zwei nicht die gleiche Bedeutung.

Rainer Sommerhalder
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Vorne jubelt Siegerin Rosie Brennan, rechts von ihr verliert Nadine Fähndrich den Fotofinish um Bronze.

Vorne jubelt Siegerin Rosie Brennan, rechts von ihr verliert Nadine Fähndrich den Fotofinish um Bronze.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Der grösste Erfolg sei für ihn die Leistung in der Qualifikation, sagte Valerio Grond nach seinem Finalauftritt beim Weltcup-Debüt. Der 20-jährige Davoser liebt im Langlauf den Kampf Mann gegen Mann und damit in erster Linie den Sprint. Dritter war er in dieser Disziplin an der Junioren-WM vor zwei Jahren, sogar Zweiter in diesem Frühjahr.

Bei seiner Feuertaufe im Weltcup auf heimischem Boden zeigte der Neo-Profi sein Potenzial und nutzte die Gunst der Stunde. Mit der Absenz der überragenden Läuferinnen und Läufer aus Finnland, Schweden und vor allem Norwegen öffnete sich der Vorhang für neue Namen - speziell für Valerio Grond.

Zwei zufriedene Gesichter in Davos: Finalsieger Federico Pellegrino (links) und Weltcup-Debütant Valerio Grond.

Zwei zufriedene Gesichter in Davos: Finalsieger Federico Pellegrino (links) und Weltcup-Debütant Valerio Grond.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Als grösste Hürde erschien ihm das Überstehen der Qualifikation. «Ich bin nicht bekannt als guter Prolog-Läufer. Rennen gegen die Uhr liegen mir weniger», sagt Grond. Doch sein Tag, den er ohne grosse Erwartungen in Angriff genommen hatte, war bereits vor seinen drei Auftritten in den K.o.-Läufen gerettet. Mit der viertschnellsten Zeit aller Athleten löste er die heikle Aufgabe meisterhaft.

Acht Schweizer und vier Schweizerinnen überstehen Qualifikation

Insgesamt acht Schweizer Männer klassierten sich in den Top 30. Einer war im Prolog noch schneller als Grond. Der 22-jährige Obwaldner Janik Riebli versetzte seinen Fanclub, der weit oben am Hang des Bolgen-Lifts den Innerschweizer Landwirt lautstark unterstützte, mit dem dritten Rang in Ekstase.

Im Viertelfinal verzeichnete der formstarke Riebli dann Pech mit einem Stockbruch. Ich wollte etwas riskieren und vorne laufen. «Trotz dieses Malheurs habe ich meine Erwartungen übertroffen», sagte der seit mehreren Jahren in Davos lebende Innerschweizer. Beim Distanzrennen am Sonntag wird der erfrischende junge Athlet zweifellos noch einmal Vollgas geben.

Janik Riebli aus Giswil überraschte mit einem sackstarken dritten Platz im Prolog.

Janik Riebli aus Giswil überraschte mit einem sackstarken dritten Platz im Prolog.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Zurück zu Valerio Grond. Dieser zeigte in Viertel- und Halbfinal erstaunliche Finisher-Qualitäten und hatte das Glück bei Fotofinish und Lucky-Looser-Zeit zweimal auf seiner Seite.

Im Final, den mit dem italienischen Spezialisten Federico Pellegrino vor dem russischen Gesamtweltcupsieger Alexander Bolschunow zwei Grosse des Langlaufs dominierten, fehlte dem Davoser Jungspund dann die Kraft zu mehr als Rang 6. Doch sein Glück war ja schliesslich bereits früh am Tag perfekt. Als Belohnung gibt es die Limite für die WM der Grossen dazu.

Fähndrich mit zwei Machtdemonstrationen

Höchst souverän gestaltete sich auch der Tag von Nadine Fähndrich. Die 25-jährige Luzernerin liess im Prolog als Vierte gar nichts anbrennen und führte das für die K.o.-Phase qualifizierte Schweizer Quartett souverän an. Und sie stieg nach zwei beeindruckenden Start-Ziel-Siegen im Viertel- wie im Halbfinal als heisser Tipp für den ersten Weltcuperfolg in den Final.

Auch dort sah es bis zur letzten Kurve sehr souverän aus. Doch dann, als die spätere Siegerin Rosie Brennan aus den USA unmittelbar vor dieser letzten Klippe an ihr vorbeizog, geriet Fähndrich einen kurzen Moment lang ins Grübeln. Das ärgerte sie am Ziel, «denn ich habe es ja selber zuvor zweimal genau so gemacht, wie man es machen muss. Den Speed auf die Zielgeraden mitnehmen.»

Doch der kurze Gedanke «rechts oder links vorbei» in der Kurve, direkt vor den Augen der Eltern oben auf dem Balkon des Hotels Bünda, verhinderte, dass sich Nadine Fähndrich auf die Bein- und Armarbeit zur Beschleunigung für den Finish fokussierte.

Ohne Speed musste sie auf den letzten Metern zwei weitere Konkurrentinnen an sich vorbeiziehen lassen, so dass ihr nur der undankbare vierte Platz blieb. «Die Enttäuschung überwiegt», sagte sie im Ziel. Ihre Ansprüche sind inzwischen mit einer Finalteilnahme nicht mehr erfüllt.

Ein US-Sieg auch im Distanzrennen?

Noch ein Wort zur Siegerin. Der erste Weltcuperfolg von Rosie Brennan ist kein Zufall. Die 32-Jährige aus Alaska brillierte vor zwei Wochen beim Auftakt in Ruka mit einem dritten Platz über 10 km Freistil und lief in Davos im morgendlichen Prolog bereits Bestzeit.

Damit gehört Brennan auch am Sonntag über 10 km Freistil neben den Russinnen zu den Topfavoritinnen. Nadine Fähndrich hingegen war auf der Loipe durchs Flüelatal noch nie besser als 27. Nach ihrer allerersten Finalteilnahme im Sprint in Davos ist eine zweite persönliche Bestmarke beim Heim-Weltcup auch im Distanzrennen eine realistische Vorgabe.