Auftaktspiel

Young Boys: Endlich etwas reissen in der Europa League

Die AS Roma beim Abschlusstraining im Wankdorf.

Die AS Roma beim Abschlusstraining im Wankdorf.

Die Berner sind fast schon ein Dauergast in diesem Wettbewerb, haben es aber noch nie wirklich weit gebracht. Heute spielen sie zum Auftakt der Gruppenphase 2020/21 im Wankdorf gegen die AS Roma.

Der Qualm hat sich verzogen. Auf dem Quartierplatz vor dem Wankdorfstadion herrscht am frühen Mittwochnachmittag wieder klare Sicht. Auch vor der PostFinance-Arena gleich über der Strasse sind die Schwaden weg. Nachdem am Sonntag der Entscheid der Berner Kantonsregierung, Grossanlässe ab 1000 Zuschauern zu verbieten, die Young Boys, den SC Bern und andere Profiklubs auf dem falschen Fuss erwischt hatte und die Köpfe kräftig rauchen liess, liegt der Fokus der Vereine vorerst wieder auf den sportlichen Herausforderungen.

Im Fall der YB-Fussballer ist diese gross genug. Zum Auftakt der Europa-League-Gruppenphase, in welche die Berner nach dem Out in den Playoffs zur Champions League gegen Midtjylland transferiert wurden, gastiert mit der AS Roma gleich der grosse Gruppenfavorit im Wankdorf. Die Meinungsverschiedenheiten mit den politischen Entscheidungsträgern sollen die Vorbereitung der Mannschaft nicht beeinflussen. «Es ist ja nicht so, dass sich die Grösse des Spielfeldes dadurch verändert hat», sagt YB-Trainer Gerardo Seoane nicht frei von Ironie.

Wichtig auch für das Uefa-Länderrangking

Seine Mannschaft ist die einzige aus der Super League, die im Europacup 20/21 noch nicht ausgeschieden ist und nun versuchen muss, zugunsten des Schweizer Uefa-Koeffizienten möglichst viele Punkte einzufahren und nach dem Absinken im Länderranking auf Rang 17 zu retten, was zu retten ist.

Aber auch für die Young Boys selbst ist es an der Zeit, in der Europa League mal etwas reissen. Sie bestreiten nun zum siebten Mal seit der Saison 2010/11 die Gruppenphase dieses Wettbewerbs. Diese haben sie bisher aber lediglich zwei Mal überstanden. 2011 schieden sie in den Sechzehntelfinals gegen Zenit St. Petersburg, 2015 gegen den FC Everton aus.

Neben der sportlichen ist aber auch die finanzielle Komponente wichtig. Selbst wenn die Berner in den letzten beiden Jahren bei einem Gewinn von 39 Millionen Franken hervorragend gewirtschaftet haben, sind die Einnahmen von Uefa-Prämien in Corona-Zeiten mit den leeren Stadien ein besonders willkommener Zustupf.

Gegen die Roma werden nach dem Entscheid der lokalen Behörden neben den Klub- und Medienvertretern lediglich noch 600 Zuschauer – 300 aus dem VIP-Bereich, 300 Fans – eingelassen. Die Uefa hatte 30 Prozent der Stadionkapazität erlaubt, was in Bern 9500 Fans die Möglichkeit geboten hätte, gegen die Roma dabei zu sein. Nun aber musste das Los entscheiden, welche der 8200 Ticketbesitzer ins Stadion dürfen.
Und weil es nicht danach aussieht, als würde sich an der Beschränkung etwas ändern, bleibt den YB-Fans nicht mal mehr die Gelegenheit, sich von der vertrauten Europa League zu verabschieden. Ab der nächsten Saison kann der Meister zwar noch via eine verpasste Qualifikation für die Champions League in diesen Wettbewerb kommen, die drei anderen Europacupteilnehmer aber müssen in der neuen, drittklassigen, Conference League antreten.

Roma: Defensiv homogen und vorne gute Stürmer

Was Seoanes Team Mut machen sollte, ist die Statistik gegen italienische Teams. 2012, 2014 und 2018 gewann Gelbschwarz in der Euro League und in der Champions League gegen Udinese, Napoli und Juventus alle Heimspiele und verlor bei vier Siegen nur zwei Mal. «Die Roma ist homogen und defensiv sehr solide. Sie hat drei gute Angreifer und mit Dzeko einen Goalgetter», ist für Seoane aber klar, wer der grosse Favorit dieser Gruppe A ist. «Dahinter befinden sich mit uns, Cluj und CSKA Sofia drei Mannschaften, die gute Chancen auf den zweiten Platz und das Weiterkommen haben», sagt Seoane.

Keine Angst vor grossen Tieren: Cédric Zesiger, YB-Verteidiger.

Keine Angst vor grossen Tieren: Cédric Zesiger, YB-Verteidiger.

Dass die Giallorossi mit eben diesem Edin Dzeko, mit Pedro sowie Henrikh Mkhitaryan über exzellente, wenn auch schon etwas in die Jahre gekommene, Stürmer verfügen, weiss auch Cédric Zesiger. «Wir haben einige Videos gesehen und wissen, was auf uns zukommt», sagt der Verteidiger.

Vielleicht wird es auch nicht so arg. Romas Trainer Paulo Fonseca sagt: «Ich werde mein Team im Vergleich zum letzten Serie-A-Spiel auf mindestens fünf Positionen verändern.» Denkbar, dass vom gefürchteten Sturmtrio nur einer in der Startformation steht.

Autor

Markus Brütsch

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