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YB profitiert von der Quarantäne, aber St. Gallen jammert nicht

Hat gut lachen beim 5:0 gegen den FC Zürich: YB-Torjäger Jean-Pierre Nsame.

Hat gut lachen beim 5:0 gegen den FC Zürich: YB-Torjäger Jean-Pierre Nsame.

Während St.Gallen in Thun Punkte liegen lässt, hat YB gegen einen angeschlagenen FC Zürich leichtes Spiel.

Wieder einmal ist es eine klare Sache. Wenn der FC Zürich und die Young Boys gegeneinander Fussball spielen, verliert der FCZ meistens deutlich. Zum vierten Mal im vierten Spiel siegen die Berner. Doch das 0:5 gegen die Young Boys am Samstagabend ist anders. Weil die Vorzeichen andere sind. Die Zürcher, deren U21-Mannschaft noch unter der Woche gegen Basel einsprang, musste direkt von der häuslichen Quarantäne auf den Platz. Und blieb ohne Chance. YB kommt im Schongang zum Sieg. Im Vorfeld hatte die Liga einen Antrag des FC Zürich auf Verschiebung des Spiels um einen Tag auf den Sonntag abgelehnt – ohne Begründung.

Auch so hätte der souveräne YB-Sieg eine Randnotiz sein können im Kampf um den Meistertitel. Weil aber St.Gallen mit seiner Niederlage am Sonntag die Leaderposition an die Berner abtrat, hat der etwas gar leichte YB-Sieg einen faden Beigeschmack. St.Gallen ist das Team mit den wenigsten Ruhetagen zwischen den Partien und nun auch das einzige Team aus dem Spitzentrio, das gegen den angeschlagen FCZ von der Liga kein Gratissieg erhielt. Fans fordern bereits, die Zürcher mögen am nächsten Wochenende mit der U21 antreten. Beim FCSG selber beklagt sich aber niemand. Präsident Matthias Hüppi gibt die Devise vor: «Es bringt nichts, Skandal zu schreien. Ich habe alle im Verein eingeschworen, nicht zu jammern, weil dies viel Energie kosten würde. Wir blenden das aus.»

«Das hat nicht viel mit Gerechtigkeit zu tun»

Kritik an der Liga wird derweil von anderen Vereinen geäussert. Beim direkt betroffenen FC Zürich schlug Trainer Ludovic Magnin vor der Partie klare Worte an. Magnin sprach von einem «unbegreiflichen Entscheid», dass die Partie am Samstag stattfand. Nach dem Klassenunterschied im Spiel zeigte er sich danach ein bisschen versöhnlicher. Anders Zürichs Mittelfeldspieler Hekuran Kryeziu, der gegenüber SRF meinte: «Der Entscheid von der Liga hat nicht viel mit Gerechtigkeit zu tun. Wir haben nach Basel eine sehr junge Mannschaft geschickt, damit die Meisterschaft irgendwie weitergeführt werden kann. Und dann verlangen wir lediglich einen Tag mehr Pause, damit wir immerhin noch ein Abschlusstraining machen können.»

Schon unter der Woche hatten sich Spieler öffentlich gegen die Entscheide der Liga aufgelehnt. Sion-Profi Pajtim Kasami twitterte: «Skandal, was hier in dieser Liga passiert. Eine absolute Frechheit!» Teamkollege Ermir Lenjani twitterte: «Hauptsache alles dafür tun, dass die Liga zu Ende gespielt wird und auf die eigene Kasse schauen.» Derweil forderte Xamax-Topskorer Raphael Nuzzolo mehr Coronatests, damit die Gesundheit der Spieler und deren Umfeld besser gewahrt werden können.

Auch wenn die St.Galler von der Zürcher Quarantäneregel benachteiligt wurden, hätten sie es am Sonntag in den eigenen Füssen gehabt, wieder auf den Leaderthron zurückzukehren. Doch statt des erwarteten Vollerfolgs bei Thun folgte die Ernüchterung. St.Gallen verlor 1:2, den ersten Rang und ist vor dem Schlussspurt der Meisterschaft wieder in der schlechteren Ausgangslage als Konkurrent YB. Gut möglich, dass die Entscheidung erst am letzten Spieltag im Direktduell fällt.

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