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YB ist schon fast im Ziel

Jean-Pierre Nsame schiesst das entscheidende Tor gegen den FC Luzern.

Jean-Pierre Nsame schiesst das entscheidende Tor gegen den FC Luzern.

Die 34. Runde hat die Tabelle akzentuiert. Den Berner Young Boys fehlt ein Punkt zum Meistertitel, Xamax steigt wohl ab.

In der 72. Minute konnte auch Marius Müller nichts mehr machen. Michel Aebischer flankte und Jean-Pierre Nsame schoss am Luzerner Torwart, der mit seinem schwarzen Dress und den vielen formidablen Paraden an die sowjetische Goalielegende Lev Yashin erinnerte, vorbei ins Tor. Natürlich war es Nsame, der traf. Es war das 30. Saisontor des Kameruners, der damit den Torrekord in der Super League egalisierte. 30 Saisontore gelangen auch Seydou Doumbia einmal, ebenfalls für Gelbschwarz.

Der FC St.Gallen verhinderte am Samstagabend, dass Nsames Tor schon zur Meisterschaft gereicht hätte. Die Ostschweizer siegten gegen den FC Zürich mit 3:1. Nach den Niederlagen gegen Thun und Basel schien es, als sei der FCSG wieder zur vermeintlichen Normalgrösse geschrumpft. Fachkundige oder solche, die sich für fachkundig halten, rechneten nicht mit einem Vollerfolg der St.Galler in Zürich. Doch diesen gab es. Auch, weil Trainer Peter Zeidler in der Pause gleich viermal wechselte. Der FCSG wahrte mit diesem Sieg nicht nur die Chance, weiterhin Meister werden zu können. Er vergrösserte damit auch sein Polster auf den FC Basel, der in einem spektakulären Match gegen Lugano 4:4 spielte. Fünf Punkte trennen nun Basel und St.Gallen, das gegen hinten abgesichert zu sein scheint.

Die Ostschweiz unterstützt Sion

Will St.Gallen Meister werden, muss es auf eine Niederlage der Young Boys am Freitagabend hoffen. Denn im Grunde reicht YB in Sion ein Remis, um zum dritten Mal in Folge den Titel zu holen. Die Berner haben fünf Punkte Vorsprung auf St.Gallen und überdies ein um 17 Tore besseres Torverhältnis. Doch der FC Sion belegt gegenwärtig den Barrageplatz. Er liegt drei Punkte hinter dem FC Thun und ist angewiesen auf weitere Punkte, um diese beiden ultimativen Spiele gegen den Challenge-League-Zweiten nicht bestreiten zu müssen. Das wohl einzig Berechenbare beim FC Sion ist seine Unberechenbarkeit. Die Walliser stehen mit Pajtim Kasami und dem Portemonnaie von Christian Constantin für ein bisschen Genie und viel Wahnsinn. Mindestens die Ostschweiz hofft am Freitag im Spiel gegen YB auf etwas mehr Genie als Wahnsinn. Zuvor steht für den FC Sion das Nachtragsspiel der 30. Runde gegen Zürich an.

Sollte denn aber Sion am Freitag gegen YB gewinnen und St.Gallen gleichzeitig Xamax schlagen, kommt es in einer Woche zur Finalissima, diesem Wort, das es im Duden nicht gibt und doch jedem Schweizer Fussballfan ein Begriff ist. Die Swiss Football League (SFL) hat den Spielplan in den letzten Jahren jeweils so konstruiert, dass YB in der letzten Runde nicht auf Basel traf, dass also die Meisterschaft nicht bei einem direkten Aufeinandertreffen in der letzten Runde entschieden werden konnte. Niemand dachte ernsthaft daran, dass der FC St.Gallen um den Titel mitspielen würde.

Saison des Undenkbaren

Und dann wurde es eine Saison des Undenkbaren. Mit dem wohl denkbaren Ausgang. Auch der Ausgang am anderen Ende der Tabelle war erwartbar, wenngleich die Thuner Überlebenskünstler lange Zeit Letzte waren. In diesem eigenartigen Jahr sammelten jedoch nur YB und St.Gallen mehr Punkte als der FC Thun, der deswegen momentan Rang acht belegt. Weil Neuchâtel Xamax gegen Servette Genf mit 1:4 verlor, steigt es nach zwei Jahren in der Super League aller Voraussicht nach wieder ab. Der Rückstand auf den Barrageplatz beträgt sechs Punkte, die Neuenburger haben ein um elf Tore schlechteres Torverhältnis. Zudem hat Sion noch ein Spiel weniger ausgetragen.

Die 34. Runde hat das Tableau akzentuiert, aber noch nicht besiegelt. Oben und unten gibt es noch keine Endgültigkeit, weil St.Gallen und die Mathematik etwas dagegen hatten. In einer Woche wird die 36. und damit finale Runde gespielt. Anfang August, verrückt. Ob es auch ein verrücktes Ende gibt?

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