Ski alpin

Wer spielt richtig und wer falsch? Fünf Fragen an die beiden Streithähne im Lauberhorn-Drama

Urs Näpflin ist seit 2014 OK-Präsident der Lauberhornrennen in Wengen.

Urs Näpflin ist seit 2014 OK-Präsident der Lauberhornrennen in Wengen.

Wengens OK-Chef Urs Näpflin fühlt sich vom nationalen Verband Swiss Ski hintergangen. Dessen CEO Bernhard Aregger fordert, dass sich auch die Lauberhorn-Organisatoren bewegen.

Hat Swiss-Ski gegenüber dem Lauberhorn-OK mit falschen Karten gespielt?

Urs Näpflin ist seit 2014 OK-Präsident der Lauberhornrennen in Wengen.

Urs Näpflin ist seit 2014 OK-Präsident der Lauberhornrennen in Wengen.

Urs Näpflin: Wir fühlen uns tatsächlich hintergangen. Wir hatten im Hinblick auf die FIS-Sitzung null Kontakt mit Swiss-Ski. Wir hatten vom Verband auch keine Informationen über seine Absicht, uns aus dem Kalender zu streichen. Ich habe zwei Tage vor der Sitzung durch FIS-Präsident Gian-Franco Kasper persönlich von diesem Vorhaben erfahren – mit der Anmerkung, man solle dies dem Lauberhorn-OK nicht mitteilen. Kasper fragte mich, was für ein Spielchen hier laufe! Ich begreife dieses Vorgehen einfach nicht. Ohne je einmal mit uns gemeinsam an den Tisch zu sitzen und eine Lösung zu finden.

Bernhard Aregger ist seit 2019 CEO Von Swiss Ski.

Bernhard Aregger ist seit 2019 CEO Von Swiss Ski.

Bernhard Aregger: Wir haben immer mit gültigen Karten gespielt. Es gab den offiziellen Termin des technischen Komitees der FIS, bei dem Swiss-Ski beantragte, im provi­sorischen Rennkalender ab 2022 anstatt Wengen den Platzhalter Suisse einzusetzen. Vorgängig sprachen wir bereits mit den wichtigsten Exponenten der FIS über unser Vorhaben. Wir haben dabei nie gesagt, dass die FIS nicht mit Wengen in Kontakt treten dürfe. Es kommt für Wengen nicht überraschend, weil Swiss-Ski diese Option im Rahmen des rechtlichen Verfahrens und unseres Austauschs mehrmals in Aussicht gestellt hatte, falls es nicht zu einer Lösung kommt. Dies, um unsere finanziellen Risiken zu minimieren.

Schöpfen die Organisatoren in Wengen das Vermarktungspotenzial ungenügend aus?

Urs Näpflin: Die Diskussion dreht sich um den Torbogen am Hundschopf. Sie ist nicht neu und es war auch nie klar, in welche Kasse diese Mehreinnahmen fliessen. Im Zwischenurteil des CAS ist definiert, dass wir die Bereitschaft für eine kommerzielle Ausreizung des Anlasses zeigen müssen. Wir werden uns nicht mehr gegen diesen Werbebogen wehren, wenn sich Swiss-Ski nicht weiter weigert, gemeinsam Kompromisse zu suchen. Wir mussten ans CAS gelangen, weil sich Swiss-Ski um keinen Millimeter bewegt hat.

Bernhard Aregger: Swiss-Ski kommuniziert diese Haltung den Veranstaltern seit längerer Zeit. Wir sehen hier Potenzial, wenn das OK seine Hausaufgaben macht. Die Vermarktung hat sich in den letzten Jahren verändert. Es gibt gute Beispiele, was möglich ist, wenn man einen innovativen Weg wählt.

Die Fronten scheinen verhärtet. Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit zwischen den Parteien über einen Kompromiss diskutiert werden kann?

Urs Näpflin: Keine! Wir müssen nur endlich zusammensitzen und diskutieren. Wir haben Swiss-Ski mehrmals aufgefordert, mit uns in Verhandlungen zu steigen. Ich kann das Vorgehen von Swiss-Ski nur auf zwei Arten interpretieren. Entweder wollen sie uns erpressen, indem sie uns das Messer vor die Brust setzen. Oder sie realisieren, dass das Zwischenurteil aus Lausanne für sie ein hohes Risiko birgt und versuchen dieses Risiko zu minimieren, indem sie sich über das Recht hinwegsetzen. Indem man uns den Kopf abschlägt, wird das Problem aber nicht gelöst.

Bernhard Aregger: Das Thema ist sehr emotional. Ich möchte unterstreichen, dass wir immer gesprächsbereit waren. Mit dem Gang des Lauberhorn-OK’s vor den Sportgerichtshof hat sich die Kommunikation in Richtung juristische Terminologie verändert. In einem Verfahren repräsentiert man auf einmal eine andere Partei. Wir bleiben aber konstruktiv. Wir sind sehr an einer Lösung interessiert, unser Hauptziel ist es, gemeinsam mit Wengen in eine langfristige Zukunft zu schauen und nicht nur punktuelle Lösungen zu finden. Deshalb gibt es mit dem OK am nächsten Donnerstag eine gemeinsame Sitzung. Urs Näpflin und Urs Lehmann werden in Bern auch Bundesrätin Viola Amherd treffen.

Wie könnte ein solcher Kompromiss denn aussehen?

Urs Näpflin: Ich bin überzeugt, dass es eine Lösung gibt. Der öffentliche Druck ist dermassen gross. Wir sind kompromissbereit, aber Swiss-Ski muss sich auch bewegen und eingestehen, dass bei den Geldern aus dem TV-Vermarktungstopf ein fairer Verteilschlüssel gefunden werden muss. Der Zwischenbericht des CAS bildet die Basis für den Kompromiss. Jeder muss jetzt Federn lassen. Aber ich versichere: Wir wollen Swiss-Ski nicht ruinieren, wir wollen nur den Anlass für die Zukunft sicherstellen. Ich warte auf den Telefonanruf von Swiss-Ski!

Bernhard Aregger: Wir wollen Lösungen erarbeiten, mit denen Swiss-Ski und Wengen gemeinsam und nachhaltig das nächste Jahrzehnt in Angriff nehmen können. Auf dem Weg dorthin muss ein Prozess beginnen, der nicht von Emotionalität geleitet ist. Gegen aussen erscheinen die Fronten verhärtet, aber beide Parteien wissen, um was es jetzt geht und sind gewillt, sich im direkten Kontakt und mit offenen Karten anzunähern. Ich bin überzeugt, dies wird geschehen.

Der Blick in die Glaskugel: Wird es die Lauberhorn-Abfahrt 2022 noch geben?

Urs Näpflin: Ja, ja, das steht absolut ausser Frage. Wir erleben derzeit ein reines Säbelrasseln, das leider publik geworden ist. Wenn jetzt nichts passiert, dann versteht es die ganze Welt nicht mehr.

Bernhard Aregger: Ich habe keine Glaskugel und kann deshalb auch nicht daraus lesen. Doch genau so, wie es noch vor kurzem undenkbar war, dass es zur aktuellen Lage kommen könnte, kann diese neutralisierte Situation auch Hoffnung geben, dass wir daraus die nächsten 90 Jahre Lauberhorn in Angriff nehmen.


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