Eishockey

Wer sichert sich die WM-Tickets? Die Schweizer gewinnen gegen Lettland mit 4:1 - gehen dabei aber nicht ans Limit

Die Schweiz besiegt in ihrem vorletzten WM-Test Lettland mit 4:1 – ohne sich dabei zu verausgaben. Vor allem am Anfang wirken die Schweizer fahrig, bis ein Powerplay den Knoten löst und den Weg zum Ausgleich ebnet. Erst dann fällt Tor um Tor für die Schweiz.

Die letzten Testspiele vor einer WM sind immer ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite stehen die Spieler, die ihr Ticket für die Titelkämpfe bereits auf sicher haben. Für sie geht es in erster Linie darum, noch etwas an den Automatismen zu feilen und vor allem, sich kurz vor dem Turnier nicht noch zu verletzen.

Oder, wie im Falle der erst kürzlich zum Team gestossenen Finalisten aus Bern und Zug sowie den NHL-Cracks Roman Josi und Yannick Weber, nach einer längeren Pause wieder in die Gänge zu kommen.

Auf der anderen Seite stehen diejenigen Cracks, die sich noch für einen Platz an der (WM-) Sonne aufdrängen müssen und mit der entsprechenden Verbissenheit ans Werk gehen.
Diese Kombination erzeugt mitunter einen etwas seltsamen Mix.

So wirkte auch der Auftritt der Schweizer im vorletzten Testspiel vor den Titelkämpfen in Bratislava (ab 11. Mai) lange Zeit wirr, pomadig und wenig homogen. Im mit 3722 Zuschauern restlos ausverkauften Sportzentrum in Herisau mussten sich die Anhänger der Schweizer entsprechend bis weit nach Spielhälfte gedulden, ehe sie Grund zur Freude hatten.

Die Mühen des Paradesturms

Bis zu jenem Zeitpunkt war aufseiten der Equipe von Nationaltrainer Patrick Fischer sehr vieles Stückwerk geblieben. Gegen die eingespielten, physisch robusten und routinierten Letten, bei denen der ehemalige ZSC-Meistertrainer Bob Hartley an der Bande steht, konnten sich die Schweizer nur selten wie gewünscht in Szene setzen.

Stellvertretend für die Mühen stand die nominell erste Sturmlinie mit Nico Hischier, Kevin Fiala und Vincent Praplan, die sich immer wieder im Geflecht der lettischen Defensive festlief. Bei diesem Trio war die fehlende, letzte Entschlossenheit am besten zu spüren.

Es war deshalb auch keine Überraschung, dass der Schweizer Paradesturm beim Führungstreffer der Letten durch Indrasis (9.) auf dem Eis stand. Es brauchte schliesslich ein Powerplay, um den Knoten im Spiel der Schweiz zu lösen.

Chance eiskalt verwertet

Grégory Hofmann traf nach einem präzisen Pass von Gaetan Hass mit einem gekonnten Ablenker zum 1:1 (33.). Knapp vier Minuten später nutzten die Schweizer einen schlechten Wechsel der Letten zum Führungstreffer.

Verteidiger Joel Genazzi bediente den freistehenden Noah Rod, der seine Chance kaltblütig verwertete. Am Ende reichte den Schweizern dieser Zwischenspurt im Mitteldrittel zum Sieg. Sie hatten die Letten im restlichen Verlauf der Partie mehrheitlich im Griff und überstanden dabei sogar eine 70-sekündige, doppelte Unterzahl.

Auf der anderen Seite verpasste man es, den Vorsprung trotz deutlich mehr Spielanteilen auszubauen, weil im Abschluss die letzte Entschlossenheit fehlte. So vergaben die Schweizer ihrerseits eine längere, doppelte Überzahl und mussten deshalb bis zum dritten Treffer durch Frick ins leere Tor der Letten (59.) zittern, ehe der Erfolg gegen den zweiten WM-Gegner (Sonntag, 12. Mai) feststand.

Das Sahnehäubchen

Das schöne 4:1 des lange Zeit diskreten Vincent Praplan war dann quasi noch das Sahnehäubchen und sorgte bei den Schweizer Fans endgültig für Entzückung.
Am Sonntagnachmittag wird Patrick Fischer sein WM-Kader benennen.

Heute Abend bietet sich den Wackelkandidaten der Schweizer die letzte Chance, sich noch einen Platz in der 25 Mann (14 Stürmer, 8 Verteidiger und 3 Goalies) umfassenden Slowakei-Delegation zu sichern.

Um 18 Uhr treffen die Eisgenossen in Weinfelden (das Stadion ist ausverkauft) erneut auf die Letten. Man darf gespannt sein, ob etwa ein langjähriger, verdienter Nationalspieler wie Dennis Hollenstein (Sechs WM-Teilnahmen) zu Hause bleiben muss.

Oder ob die beiden Teenager Janis Moser, 18, und Philipp Kuraschew, 19, die gestern in Herisau weder auf- noch abfielen, die Chance erhalten, erstmals WM-Luft zu schnuppern. Noch vier Spieler werden aus dem Kader gestrichen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1