Young Boys

«Wenn ihr gegen uns spielen wollt, müsst ihr Männer aufs Feld schicken! Da genügen Young Boys nicht!»

Sollen mit YB gegen die Glasgow Rangers punkten: Guillaume Hoarau (r.) und Christian Fassnacht treffen in der Europa League auf den Gast aus Schottland.

Die Young Boys erwarten in der Europa League einen Gast der unangenehmeren Sorte. Die Fans der Glasgow Rangers verkörpern vieles, was den Klischees über Hooligans entspricht. Tut es für mich - warum YB unbedingt einen Sieg einfahren muss.

Wenn die Berner Young Boys heute Abend die Glasgow Rangers empfangen, wünsche ich mir als Fan einen möglichst deutlichen Heimsieg.

Ibrox ist ein hässlicher Stadtteil der ohnehin nicht ausgesprochen schönen Industriestadt Glasgow. Vor 14 Jahren hatte ich im Rahmen eines Literaturstipendiums in ebendiesem Ibrox-Quartier einen Arbeitsplatz, den mir die Kulturabteilung Glasgows in einer städtischen Bibliothek zugewiesen hatte.

Vom Bürofenster aus sah ich aufs Ibrox-Stadion der Rangers. Sechs Monate fuhr ich fast täglich mit der U-Bahn in besagte Bibliothek, um zu schreiben. Doch auch wenn Glasgow ansonsten eine Stadt der Gastfreundschaft ist, spürte ich im Ibrox-Quartier in all den Wochen nichts als Borniertheit und Aggression.

Einmal wollte sich ein Quartierbewohner mit mir prügeln, weil ich ein grünes T-Shirt trug und er nicht vom Gedanken abzubringen war, die grüne Farbe sei ein provokatives Statement gegen seine Rangers. Ein anderes Mal wurde ich im Quartier aus einem Pub geworfen, weil ich auf Anfrage zugeben musste, katholisch getauft worden zu sein.

Unvergessen bleibt mir auch der Abend, als mich eine Horde Jugendlicher vor der Bibliothek zwingen wollte, mein YB-Fan-Shirt auszuziehen, weil sie behaupteten, ein erwachsener Mann, der mit einem T-Shirt herumlaufe, auf dem die Worte Young Boys aufgedruckt sind, müsse pervers veranlagt sein.

Erst als ich die Bande davon überzeugen konnte, dass der BSC Young Boys ein Schweizer Traditionsklub mit vielen Meistertiteln sei, liessen die Schläger von mir ab. «Wenn ihr einmal gegen uns spielen wollt», spotteten sie noch, «müsst ihr Männer aufs Feld schicken! Da genügen Young Boys nicht!»

Die Fans der Glasgow Rangers verkörpern ungefähr alles, was den Klischees über gewaltbereite, rassistische und unbelehrbare Hooligans entspricht. Eine dieser skurrilen Figuren, ein zahnloser Mittzwanziger mit tätowierter Lippe, wollte mir einst seine besondere Nähe zu den Rangers damit erklären, dass er eine Cousine habe, die im Klubrestaurant arbeite und schon mit mindestens einem halben Dutzend Spielern der ersten Mannschaft geschlafen habe.

Bitte, liebe Young Boys, schenkt diesen Leuten heute eine unvergessliche Packung ein! Tut es für mich!

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