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Warten auf den nächsten ersten Abschlag

An eine Golfidylle ist in der Schweiz in diesen Wochen nicht zu denken

An eine Golfidylle ist in der Schweiz in diesen Wochen nicht zu denken

Golf gehört zu den wenigen Sportarten, die sich mit Einschränkungen - auch in der Zeit des Coronavirus ausüben liessen. Dennoch sind die 98 Klubs von Swiss Golf geschlossen.

Alle grossen Golfturniere wie das US Masters in Augusta sind abgesagt oder in den Herbst verschoben. Aber Golf ist allgemein nicht in erster Linie ein Publikumssport, sondern ein Sport, den Aktive betreiben. Die Klubs von Swiss Golf und zwei Organisationen klubunabhängiger Golfer zählen zusammen gegen 100'000 Spielerinnen und Spieler. Diese könnten auf den Plätzen ihrem Hobby nachgehen und dabei alle Vorsichtsmassnahmen einhalten - da Golf weder ein Mannschaftssport noch ein Zweikampfsport ist. Keystone-SDA sprach mit Reto Bieler, dem Präsidenten von Swiss Golf.

Reto Bieler, Swiss Golf hat den Spielbetrieb und den Trainingsbetrieb auf allen Plätzen einstellen lassen. Wäre es nicht möglich gewesen, unter besonderen Auflagen weiterzuspielen?

Reto Bieler: "Nein. Es ist leider verboten. Wenn wir den Golfbetrieb weiter ermöglicht hätten, wäre dies zudem moralisch nicht vertretbar gewesen. Wir sind immer stolz auf unsere Fairness. Solidarität ist die Zwillingsschwester der Fairness. Die Solidarität mit den anderen Sportarten ist uns sehr wichtig. Wenn wir unsere Sportart in dieser Zeit, in der alles stillsteht, weiter betreiben würden, gäbe dies einen Shitstorm. Wir müssen mit unserem Image vorsichtig sein. Wir wollen keine Extrawurst haben. Wir wollten in dieser Solidarität schon in der ersten Welle dabei sein. Wir haben übrigens den Spielbetrieb auf den Plätzen nicht selber einstellen lassen, das haben die Behörden so bestimmt, und unsere Clubs haben sich natürlich an die Vorgaben gehalten."

Gab es nach dem Stopp Reaktionen?

"Wir bekamen Reaktionen sowohl von Klubs als auch von Privatpersonen. Viele zeigten ihr Verständnis, einige wollten den Entscheid überhaupt nicht verstehen."

Man könnte Golf gefahrlos spielen, zu zweit, zu dritt oder sogar zu viert. Werden Sie das Verbot aufheben, wenn den Bundesrat die Massnahmen lockert?

"Wir sind in der Lage, uns so zu organisieren, dass wir alle nicht erlaubten Ansammlungen von Personen unterbinden. Im Golf können wir die Distanz von zwei Metern problemlos einhalten. Wir können erwirken, dass alle Spieler sich vor der Runde anmelden, nur einige Minuten vor der Startzeit im Club erscheinen und sich unmittelbar nach der Runde abmelden und wieder gehen müssen. Auch alle Hygiene-Massnahmen können wir einhalten."

Sind Sie auf einen solchen Wiederbeginn vorbereitet?

"Ja, die Exit-Strategie ist vorbereitet und mit Swiss Olympic abgestimmt. Wir warten auf den Entscheid des Bundesrats. Wie viele andere Outdoor- Sportarten erhoffen wir uns, bei der ersten dabei zu sein. Die Strategie wird danach rasch angepasst und kommuniziert. Wir raten den Spielerinnen und Spielern schon jetzt, ein Fläschchen Desinfektionsmittel zu kaufen. Weil sie es benötigen werden."

Glauben Sie, dass sich die Golferinnen und Golfer an die Vorsichtsmassnahmen halten werden?

" Wenn wieder gespielt werden kann, wird es Disziplin brauchen. Die Disziplin fängt bei den Spielern an. Die Solidarität, die wir jetzt erleben, und die gegenseitige Rücksicht müssen im ersten Schritt nach der Erleichterung ganz strikt eingehalten werden. Wenn es uns nicht gelingt, die Vorgaben des Bundesrats einzuhalten, kann es sein, dass uns die Polizei hier oder dort eine Anlage schliesst."

In einem Menschenknäuel an einer Seepromenade beispielsweise bleiben die fehlbaren Personen oftmals unerkannt und anonym. Die Personen aber, die irgendwo Golf spielen, sind mit Personalien erfasst. Also könnten sie belangt werden, wenn sie sich nicht an die Vorgaben halten.

"Wir sehen vor, dass Spieler, die sich nicht an die Regeln halten, sofort von der Anlage gewiesen werden. Was danach die Polizei macht, wissen wir nicht. Die Überwachung des Betriebs werden die Klubs übernehmen, aufgrund der Instruktionen. Jeder Spieler muss unsere Vorgaben akzeptieren in dem Moment, wenn er sich auf dem Platz anmeldet. Wir haben Flyers vorbereitet mit allen Regeln, an die sich die Golfer halten müssen."

Golf wird im Allgemeinen als reicher Sport angesehen. Dennoch gibt es unter den Schweizer Klubs nicht wenige, die zu einem grossen Teil auf Gästespieler angewiesen sind, auf Einnahmen durch Tageskarten, sogenannte Greenfees. Solche Einnahmen fallen in dieser Zeit weg. Könnte es Klubs geben, die die in Aussicht gestellte Bundeshilfe werden beanspruchen müssen, damit sie weiter existieren können?

"Das hängt sehr stark von der Dauer der Corona-Krise ab und wann wir wieder spielen dürfen. Aber es könnte tatsächlich sein, dass Klubs in eine Existenznot kommen. Wir haben die Klubs ausführlich darüber informiert, wie sie gegebenenfalls vorgehen müssen. Sie wissen, dass der Bund nur im Fall von Liquiditätsschwierigkeiten helfen würde. Wir hoffen auch für alle Golflehrer, dass sie bald wieder arbeiten dürfen."

Wie wird es Ihrer Meinung nach mit dem Sport im Allgemeinen weitergehen?

"Ich befürchte, dass es in diesem Jahr keine Grossveranstaltungen mit Publikum mehr geben wird. Es bräuchte eine Herdenimmunität, und es bräuchte einen Impfstoff."

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