2013 hat der Berner Matthias Sempach das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Burgdorf gewonnen. Ein Jahr danach siegte er auch beim Kilchberger Schwinget. Der einzige bedeutende nationale Event, den der Alchenstorfer in seiner Karriere nicht gewinnen konnte, ist das Unspunnenfest. Am Sonntag unternimmt der 31-Jährige den letzten Versuch, das zu ändern – trotz alles andere als guten Voraussetzungen. Viele Spitzenschwinger verpassen in diesem Jahr verletzungsbedingt wichtige Feste. Am Sonntag beim Unspunnenfest werden fast alle wieder dabei sein – auch Matthias Sempach. Der 36-fache Berner Kranzfestsieger ist guten Mutes, trotz der Zwangspause ein Wort um den Festsieg mitreden zu können. Das nur alle sechs Jahre stattfindende Unspunnenfest am 27. August zu gewinnen, ist sein Ziel und zugleich wohl seine letzte Chance.

Matthias Sempach, noch wenige Tage bis zum Saisonhöhepunkt. Ist der Sieg in Interlaken das ganz grosse Ziel?

Matthias Sempach: Ja. Aber es wird ein steiler Weg zu diesem Ziel.

Das einzige grosse Fest, das Sie in Ihrer Karriere bisher nicht gewinnen konnten. Was würde Ihnen die Komplettierung des «Schwinger-Grand-Slams» bedeuten?

Für alle Berner ist das Unspunnen ein spezielles Fest. Es hat bei uns im Kanton einen hohen Stellenwert. Zweimal war ich in Interlaken dabei. Zweimal konnte ich eine gute Leistung zeigen. Es ist der Sieg, der mir noch fehlt. Den möchte ich schon gerne. Darauf habe ich in den letzten Monaten hingearbeitet. Wenn es nicht klappt, geht aber die Welt nicht unter.

Die Vorbereitung verlief nicht nach Wunsch. Beim Berner Kantonalen zogen Sie sich im zweiten Gang eine Knieverletzung zu. Seither sind Sie nicht mehr angetreten.


Natürlich war das nicht optimal. In den letzten Wochen habe ich aber hart gearbeitet. Wenn ich schmerzfrei schwingen kann, traue ich mir einiges zu. Ich denke schon, dass ich am Sonntag bereit sein werde.

Es ist seit dem Gewinn des «Eidgenössischen» in Burgdorf 2013 nicht Ihre erste Verletzung. Hilft diese Routine, um das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren?

Richtig oft war ich nicht verletzt. 2014 war meine erste gravierende Blessur. Gleichzeitig war es das erste Mal, dass ich ein Kranzfest vorzeitig beenden musste. Danach gab es immer wieder kleinere Verletzungen. Nun hat es mich am Knie erwischt. Das ist ärgerlich, klar. Eine Verletzung wünscht sich niemand. Solche Dinge gehören aber leider auch zum Sport.

Ärgerlich auch, weil Sie zuvor eine fast perfekte Saison hingelegt hatten. Den Schwarzsee-Schwinget und das «Oberaargauische» konnten Sie sogar gewinnen.

Schon in der Vorbereitung lief es nach Plan. Die ersten fünf Kranzfeste konnte ich beschwerdefrei absolvieren. Die Resultate und Leistungen stimmten. Es lief gut. Natürlich hätte ich vor dem Unspunnen gerne noch ein Fest bestritten. Das ging nicht. Was soll ich klagen? Es nützt nichts. Mein Fokus liegt voll beim Unspunnenfest. Daran hat sich nichts geändert. Wenn ich zum Beispiel am Sonntag auf der Schwägalp angetreten wäre, hätte ich mich gezielt darauf vorbereiten müssen. Darum habe ich es sein lassen.

Dafür absolvierten Sie mit Ihrem Klubkollegen Remo Käser einige Intensiv-Trainingstage an der Lenk. Hat sich das ausgezahlt?

Ich denke schon, ja. Das Wichtigste ist, dass ich schmerzfrei bin. Nur so bin ich im Kopf frei. Ich bin überzeugt, dass auch ohne grosses Schwingtraining in Interlaken eine gute Leistung möglich sein wird. Ich habe in diesem Jahr viel trainiert und bin oft im Sägemehl gestanden, sodass die letzten Wochen nicht entscheidend sind. Die Zeit vorher war wichtiger, davon bin ich überzeugt. Die Basis stimmt. Mir ist es wichtig, dass ich mir nie vorwerfen muss, nicht alles getan zu haben. Wenn ich am Abend sagen kann, dass ich alles probiert habe, dann kann ich das Resultat akzeptieren – egal, wie es aussieht.

Von den noch aktiven «Königen» fällt Matthias Glarner verletzungsbedingt aus. Der Toggenburger Arnold Forrer verzichtet freiwillig auf die Teilnahme. Sie sind angeschlagen, bleibt noch Kilian Wenger. Ist er am Sonntag der grosse Favorit?

Er hat das Berner Kantonale und das «Oberländische» gewonnen. Zudem ist Kilian mehrmals in einem Schlussgang gestanden. Er ist «zwäg». Das sind andere aber auch.

Meistgenannter Favorit in Interlaken ist der Seeländer Christian Stucki.

Er ist der Topfavorit, keine Frage. Samuel Giger und Armon Orlik sind beide auch stark. Giger ist ein unglaubliches Talent. Das sah man schon bei den Jungen. Bei Orlik war der Leistungssprung von 2015 zu 2016 gewaltig. Er ist fokussiert, das macht ihn stark. Auch Joel Wicki zeigte eine starke Saison.

Hat der Ausgang des Fests Einfluss auf Ihre sportliche Zukunft?

Nein, es ist meine letzte Chance, dieses Fest zu gewinnen. Das ist mir bewusst. Also werde ich es versuchen. Bis Zug 2019 schwinge ich danach mit Sicherheit weiter. Was dann ist, wird sich zeigen. Ich bin nicht der Typ, der sich mit mittleren Leistungen zufriedengibt. Solange ich schwinge, möchte ich vorne dabei sein. Ist das plötzlich nicht mehr der Fall, höre ich auf. Das können Sie mir glauben.