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Martin Fuchs: «Das waren die längsten Minuten meines Lebens»

Er gilt nicht mehr «nur» als Nachwuchstalent, wie das bis zu diesem Jahr oft der Fall war. An den Gucci Masters in Paris gewann der Martin Fuchs (22) auf PSG Future seinen dritten 5-Sterne-Grand-Prix - und hat den Durchbruch nun definitiv geschafft.

Gina Kern
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Martin Fuchs holte in Paris seinen dritten 5-Sterne-Grand-Prix-Sieg.

Martin Fuchs holte in Paris seinen dritten 5-Sterne-Grand-Prix-Sieg.

Otto Lüscher

Martin Fuchs, wie erlebten Sie Ihren Ritt am Sonntag?

Martin Fuchs: Es ist mir die ganze Woche in Paris schon sehr gut gelaufen. Schon nach dem Normalparcours spürte ich, dass ein gutes Resultat möglich ist. Dann kamen aber mehr starke Reiter ins Stechen als erwartet. So dachte ich, komm, ich probiere einfach, was möglich ist, und gab Vollgas. Aber ich habe nie an einen Sieg gedacht.

Nach dem Ritt verfolgten Sie auf dem Podium die Runden der restlichen Konkurrenten. Herzklopfen?

Ja, es war schon ein sehr spezielles Gefühl. Als nur noch zehn am Start waren, wurden die Minuten immer länger, ich zählte rückwärts. Ich konnte es kaum fassen. Es waren die längsten zwanzig Minuten meines Lebens.

Was geht einem da durch den Kopf?

Es war wie in einem Film. Ich schaute nur auf die Zeitmessung. Dann die unbeschreibliche Freude. Die Siegerehrung. Die Emotionen. Es war genial.

Nun haben Sie mit diesem Sieg 115 000 Euro gewonnen. Sie hatten eine super Saison. Was macht ein 22-Jähriger mit so viel Geld?

Das ist ein schöner Batzen. Aber es gibt auch viele Turniere, wo man nichts verdient und hohe Auslagen hat. Dazu kommt, dass ich nicht selbstständig, sondern bei meinen Eltern angestellt bin. Das Preisgeld gehört auch dem Pferdebesitzer.

Im Sommer war Ihr Pferd, PSG Future, drei Monate weg aus Ihrem Stall, kam dann wieder zurück. Hat Sie diese Zeit mental weitergebracht?

Mich persönlich nicht extrem, aber meine Nachwuchspferde kamen etwas mehr zum Zug, das ist für die Zukunft sehr wichtig. Als PSG Future zurückkam, konnte ich ihn wieder länger reiten. Mit ihm bin ich fünfmal im GP gestartet und war viermal unter den besten sechs.

Hand aufs Herz: Paris ist Ihr erster ganz grosser Sieg. Kaufen Sie sich mit dem verdienten Geld nicht eine kleine Erinnerung?

Ich werde dieses Jahr sicherlich mit grosser Freude Weihnachtsgeschenke kaufen. Ich selber habe mir in Paris ein Paar Gucci-Turnschuhe gönnen wollen ...

...und? Haben Sie es nicht gewagt?

Doch. Ich hätte sie mir gekauft. Aber ein Pferdebesitzer wollte mir die Schuhe schenken. Eine tolle Erinnerung an ein tolles Turnier.

Am Donnerstag geht’s los mit dem CHI Genf. Ihre Erwartungen?

Mir wäre es recht, wenn es so weitergehen würde (lacht).