Dies hat seine Tücken. Da Hug einerseits in Einsiedeln wohnt und in Rapperswil Erneuerbare Energien und Umwelttechnik studiert, die Norweger andererseits in der Vorbereitung aus Spargründen Trainingslager in Mitteleuropa gestrichen haben, ist der Weg in die Saison für den dreifachen Olympiateilnehmer mit weiten Reisen und ganz neuen Herausforderungen gepflastert.

Der Kombinierer hat eine dritte Disziplin entdeckt, ist quasi sein eigener Organisator. «Flüge buchen, Trainingsfenster auf einer Schanze finden, mich selber coachen – es ist alles ein wenig schwieriger geworden», sagt Tim Hug. Letztlich sei er in der Vorbereitung «sehr viel alleine unterwegs gewesen».

Neue Inputs fürs Training

Dem Krauskopf liegt es jedoch fern, zu klagen. Er streicht die positiven Folgen seines norwegischen Exils hervor. Die Skandinavier setzen im Trainingsaufbau andere Reize. Zudem sind die Trainer bei einer Analyse mit Hug zum Schluss gekommen, einen Schwerpunkt bei der Langlauftechnik des Solothurners zu setzen. «Rein körperlich kann ich mit den besten Norwegern mithalten», sagt Hug. Nur sprachlich hinkt er hinterher. Er sei zwar in den Team-Chat auf WhatsApp integriert und verstehe auch rudimentär, was gemeint sei. Den Finessen der gegenseitigen Sprüche aber kann er nicht folgen.

Dafür habe er so viele neue Inputs fürs Training erhalten wie seit Jahren nicht mehr, sagt Hug. «Aus der Not geboren ist so etwas Positives entstanden. Ich habe im Langlaufbereich extrem profitiert.» Anstatt den Blues auf seiner Abschiedstour will er noch einmal voll angreifen und möglichst die erste Geige spielen. Dabei steht die WM in Seefeld ganz im Mittelpunkt. Einen Rang im einstelligen Bereich strebt er an. Um sich auf den Saisonhöhepunkt zu fokussieren, lassen Hug und das norwegische Team im Vorfeld zwei Weltcup-Stationen aus und bauen stattdessen Anfang Januar ein Trainingslager im WM-Ort ein.

Rückschlag im vergangenen Jahr

Nachdem er sich im vorletzten Winter den Top 10 angenähert hatte, bezeichnet Hug die letzte Saison als Rückschlag. Verschiedene Faktoren spielten mit, dass er vor allem auf der Schanze nicht auf Touren kam. Zweimal kam das Gepäck nicht an, einmal wurde er wegen zu grosser Sprungschuhe disqualifiziert und wartete danach den halben Winter lang auf passenden Ersatz.

Und vor Olympia musste sich Hug eiligst auch noch einen neuen Sprunganzug beschaffen. «Alles, was schieflaufen konnte, lief schief. Mir wurde wieder einmal aufgezeigt, wie wenig es beim Springen braucht, damit es auf die andere Seite kippt.» Zwar hat er auch vor dem Saisonstart «auf der Schanze noch nicht das beste Gefühl», aber Hug ist optimistisch, dass dieses im Verlauf der nächsten Wochen zurückkehrt. «Läuferisch habe ich aber definitiv einen Schritt gemacht», glaubt der 31-Jährige. Vor allem aber ist er extrem motiviert.

Lichterlöschen?

Und Ende Saison, wenn er seinen derzeitigen Plan umsetzt und zurücktritt, erlebt er dann quasi die eigene Beerdigung? Nach seinem Rücktritt droht der Sportart in der Schweiz nämlich das Lichterlöschen. Es gibt zwar mit Pascal Müller einen jungen Kombinierer mit Potenzial. Der Junior mit Jahrgang 2001 hat im Alpencup gute Ansätze gezeigt. «Mit den derzeitigen Rahmenbedingungen ohne Coach ist aber zu bezweifeln, ob ein junger Athlet den Weg an die Spitze wirklich findet. Es bräuchte einen enormen Aufwand.» Tim Hug weiss, wovon er spricht.