Schwimmer

Goldfisch unter den Haien

Die WM-Limite unterbot David Karasek um über eine Sekunde. Nun will der 21-Jährige auch in Rom vom 26. Juli bis 2.August, möglichst schnell durchs Wasser gleiten.

Aline Toch, Tenero

Für seine Leidenschaft, das Schwimmen, hat David Karasek die Schweiz im letzten Jahr Richtung USA verlassen. Zu wenig Konkurrenz und Motivation waren die Hauptgründe für seine Ausreise. «In der Schweiz bist du im Klub schnell einmal der Beste, und dann schwimmst du nur noch gegen die Uhr», erzählt Karasek. Da das Training so wenig motivierend war, nahm sich Karasek ein Beispiel an Flavia Rigamonti und schrieb sich an der University of Virginia für das Wirtschaftsstudium ein. «Seit ich in den USA bin, habe ich einen grossen Schritt nach vorne gemacht», ist der Aargauer überzeugt.

Regelmässig wird er nun im Wasser zu Duellen angestachelt: «Die Trainings sind hart und es fällt auch mal ein böses Wort», doch genau das, so Karasek, treibe ihn an, noch schneller zu schwimmen. «Der Ärger über Kritik peitscht mich noch mehr an. Daran erkenne ich meine mentalen Fortschritte am besten.» Eindrücklich zeigt sich dieser mentale Fortschritt, wenn er nicht allen davonschwimmt, sondern um die vorderen Plätze kämpfen muss. «Früher gab ich in solchen Situationen oft auf und liess meine Gegner ziehen. Heute setze ich alles daran, sie wieder einzuholen.»

Vorzeichen für WM stehen gut

Seine Entwicklung stellte Karasek an den diesjährigen Schweizer Meisterschaften eindrücklich unter Beweis. Mehr als eine Sekunde schwamm der 21-Jährige schneller als die geforderte WM-Limite. «Das hat mir gezeigt: Ich bin auf dem richtigen Weg», sagt Karasek. Ein weiteres Highlight in dieser Saison war dann der gute sechste Platz an der Universiade in Belgrad, Karaseks bisher grösster Erfolg. Und als ob die Vorzeichen für die WM nicht schon gut genug stünden, verspricht auch der Name Karasek so einiges. Der tschechische Name bedeutet Goldfisch, wenn das kein gutes Omen ist. «Also für Gold reicht es sicher nicht, da muss ich realistisch sein», meint Karasek, «viel mehr will ich gute Zeiten schwimmen.» Der Rang, so David Karasek, stehe an zweiter Stelle.

Denn Karasek weiss, in Rom wird er mit so einigen Haien im selben Becken schwimmen. Genug Biss und Wille hat der Aargauer Goldfisch auf jeden Fall, um sich durchsetzen zu können. «Ich bin hartnäckig und kann mich so richtig festbeissen, um meine Ziele zu erreichen», erklärt Karasek. Starts über 200 Meter Freistil und in der Staffel sind für den Wirtschaftsstudenten nichts Neues, aber an den grössten Schwimm-Weltmeisterschaften aller Zeiten, wie es die Fina nennt, gehört Karasek zu den Neulingen. «Es ist meine erste WM, primär geht es darum, Erfahrung zu sammeln.»

Motto: «The best you can be»

Ob als Einzelschwimmer oder in der Staffel, Karasek will in Rom alles geben und startet auch als Erster zum Staffelwettkampf. Angst vor der grossen Aufgabe hat der Aargauer aber nicht: «Ich bin nervös und gespannt, aber es ist kein ungutes Gefühl.» Das grosse Stadion, Foro italico, für sich sei schon ein riesiger Motivationskick. «Grosse Tribünen und johlende Zuschauer peitschen dich noch mehr an», sagt Karasek.

Antreiben wird ihn auch sein Ehrgeiz und die amerikanische Lebensweise: «The best you can be, das ist mein Motto.» Was auf gut Deutsch heisst: Karasek will in Rom sein Bestes geben und den Kampf gegen die Uhr gewinnen.

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