WM-Qualifikation
Weiter ohne Punktverlust: Die Schweiz gewinnt gegen die Färöer-Inseln ungefährdet mit 2:0

Auch im hohen Norden konnte die Mannschaft von Vladimir Petkovic ihre weisse Weste wahren. Dank Treffern von Xhaka und Shaqiri erfüllt die Schweiz die Pflicht und bezwingt die Insel-Kicker souverän, aber ohne zu brillieren, mit 2:0. Es ist der sechste Sieg in sechs WM-Qualifikationsspielen.

Sebastian Wendel
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Xherdan Shaqiri (ganz rechts) erzielte das zweite Schweizer Tor.
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Die Fähringer Fans geben Gas.
Haris Seferovic wird von drei Färingern in die Zange genommen.
Färöer-Schweiz, 9. 6. 17
Die Schweizer hatten zu Beginn noch Mühe, die Färinger Abwehr zu durchbrechen.
Xherdan Shaqiri wirkt vor dem Spiel gut gelaunt.
Manuel Akanji (links) und Michael Lang. Akanji steht überraschend in der Startformation.
Die Schweizer Fans vor dem Stadion.
Der «Sau-Trupp» auf Tour.
Die Schweizer Fans sind schon in Hochform.
Können die Schweizer erneut jubeln?

Xherdan Shaqiri (ganz rechts) erzielte das zweite Schweizer Tor.

Keystone

Nach 25 Minuten geht der Blick zur Uhr. Und der Gedanke ist: Was? Erst 25 Minuten? Es ist ein ereignisarmer Start in die Partie, entsprechend langsam verrinnen die Minuten. Nicht, dass man den Schweizern Nonchalance vorwerfen muss. Laufbereitschaft, Einsatz und Konzentration stimmen, mehr als 70 Prozent ist der Ball in ihrem Besitz, die Färinger rennen nur hinterher. Aber bislang hat das von Lars Olsen, dem dänischen Coach der Inselkickern, errichtete Bollwerk gehalten.

Was, wenn es im Kollektiv nicht klappt? Dann müssen die Individualisten her. Davon hat die Schweiz bekanntlich genügend und vor allem hochwertige. Einer ist Granit Xhaka, der Arsenal vor einem Jahr knapp 50 Millionen Franken wert war. Zum Vergleich: Der Marktwert der Färöer beträgt rund 2 Millionen. Als die Schweizer nach dem gemächlichen Start den zweiten Gang einlegen, dauert es zehn Minuten, bis Xhaka vor dem Strafraum an den Ball kommt, zwei Färinger abschüttelt und präzise ins weite Eck trifft.

Das Tor weckt die rund 1000 Schweizer Fans, die sich die weite Reise auf den Archipel im Nordatlantik mit der faszinierenden Landschaft gegönnt haben. Sie stimmen sich in den Stunden vor dem Anpfiff im Hafengelände von Torshavn auf die Partie ein und verleihen der Hauptstadt mit ihren 12 000 Einwohnern einen rot-weissen Anstrich.

Wie bestellt zeigt sich das Wetter während des Aufenthalts der Schweizer auf dem Inselstaat von seiner besten Seite. Gute zehn Grad und ein mässiger Wind ergeben im hohen Norden fast hochsommerliche Bedingungen, wenn man bedenkt, dass es auf den Färöer-Inseln an 210 Tagen im Jahr regnet.

Gut ist das Wetterglück nicht nur für die Fans. Auch der Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic brauchte sich so nicht zu sorgen, dass der Zufall ein gewichtiges Wort mitreden könnte. Von Petkovics Spielern war einzig und alleine die richtige Einstellung gefordert, um die budgetierten drei Punkte einzufahren. Captain Stephan Lichtsteiner sagt es so: «Wer solche Spiele richtig angeht, gewinnt auch die grossen Partien.» Valon Behrami, der Chef im Mittelfeld, fügt an: «Wenn wir gewinnen, ist es ein kleiner Schritt zu etwas Grösserem.»

Bitteres Ende für Klose

Gemeint ist natürlich die Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Die Chancen, im nächsten Sommer als Gruppensieger gen Osten zu reisen, sind nach dem 2:0 auf den Färöern weiterhin intakt. Alles deutet auf einen Showdown am 10. Oktober mit Portugal hin, das gestern gegen Lettland 3:0 gewann und weiterhin drei Punkte hinter der Schweiz liegt. Erst in diesem Spiel entscheidet sich wohl, welche Mannschaft den mühsamen Umweg über Barrage gehen muss.

So oder so: Vladimir Petkovic hat angetönt, dass er nun neben der WM auch bereits an die Zeit danach denkt. Dies untermauert er gestern mit seiner Personalwahl im Abwehrzentrum: Statt neben Abwehrchef Johan Djourou den ebenfalls routinierten Timm Klose zu bringen, entscheidet er sich für den Debütanten Manuel Akanji. Nicht nur der Fakt, dass Doppelbürger Akanji somit per sofort nicht mehr für Nigeria spielen kann, hat dazu geführt. Seine Berufung ist ein Signal, dass Petkovic sein Team weiter verjüngen will.

Spätestens nach der WM in Russland dürfte Überflieger Akanji, macht er weiter so grosse Entwicklungsschritte, ein Fixstarter sein. Für Timm Klose hingegen endet die zweiwöchige Zeit im Kreis der Nationalmannschaft bitter. Dass er gegen die Färinger auf der Bank sitzt, ist ein klares Zeichen vom Trainer, dass er mit anderen Akteuren plant.

Welche Erkenntnisse lassen sich noch ziehen? Sicher die, dass man aus Schweizer Sicht nur hoffen kann, dass Ricardo Rodriguez bei seinem neuen Klub AC Milan schnell zur Hochform findet. Denn sein Stellvertreter auf der linken Abwehrseite, François Moubandje, lässt gegen die Färöer vieles vermissen, was einen guten Linksverteidiger ausmacht. Und das gegen eine Mannschaft, in der Halbprofis mitspielen.

Shaqiris 2:0 (59.) macht die Stärkeverhältnisse an diesem Abend auch auf der Resultattafel noch etwas deutlicher, ehe nach einer weiteren halben Stunde der Schlusspfiff ertönt und für die Nationalspieler die ersehnten Sommerferien beginnen, die sie sich mit diesem konzentrierten Auftritt und dem siebten Sieg in Serie auch verdient haben.

Telegramm:

Torsvöllur, Torshavn. – 4800 Zuschauer (ausverkauft). – SR Mazzoleni (ITA). – Tore: 36. Xhaka 0:1. 59. Shaqiri 0:2.

Einwechslungen. Färöer: 61. Joensen für Olsen. 66. Lökin für Hansson. 71. Färö für Johan Davidsen. – Schweiz: 62. Zuber für Mehmedi. 78. Derdiyok für Seferovic. 85. Freuler für Dzemaili.

Bemerkungen: Schweiz ohne Schär (gesperrt) sowie Rodriguez, Elvedi, Lacroix und Drmic (alle verletzt). Debüt im Nationalteam von Akanji. 31. Kopfball von Akanji an die Latte. – Verwarnungen: 40. Benjaminsen (Foul). 91. Sörensen (Spielverzögerung).

Der Liveticker des Spiels zum Nachlesen: