Swiss Indoors

Wawrinka gewinnt irren Nervenkrimi gegen Tiafoe und gibt anschliessend auf

Stan Wawrinka tritt nicht gegen Roger Federer an.

Stan Wawrinka tritt nicht gegen Roger Federer an.

Der Schweizer Viertelfinal an den Swiss Indoors in Basel zwischen Roger Federer und Stan Wawrinka ist geplatzt. 45 Minuten nach seinem Dreisatzsieg gegen Frances Tiafoe erklärt Wawrinka, dass es für den Viertelfinal von Freitag forfait gibt. Der Grund sollen Rückenprobleme sein.

Es ist Viertel nach Zehn, die Matchuhr auf dem Center Court in der St. Jakobshalle zeigt 2:30 Stunden. Die Shirts von Stan Wawrinka und Frances Tiafoe sind schweissgetränkt. Das Aufschlagspiel des 21-jährigen Amerikaners dauert bereits über elf Minuten. Wieder einmal dauert es sehr lange, bis das Servicerecht wechselt. Doch jetzt könnte das nervenaufreibende Spektakel endlich ein Ende haben. Denn Stan Wawrinka hat seinen zweiten Matchball. Den ersten hatte Tiafoe mit einem Ass abgewehrt, doch diesmal kommt Wawrinka in den Ballwechsel. Tiafoe rückt ans Netz, spielt einen Volley, doch Wawrinka kommt noch an den Ball und knallt eine letzte Rückhand die Linie runter. Tiafoe berührt die Filzkugel zwar noch mit seinem Schläger, doch der Punkt und damit auch das Match gehen an den Schweizer.

Mit 6:3, 3:6 und 7:5 zieht Wawrinka in den Viertelfinal ein, wo er eigentlich auf Roger Federer treffen sollte. Doch rund eine Stunde später gibt Wawrinka an der Pressekonferenz bekannt, dass er aufgrund von Rückenproblemen, die er sich im letzten Game zugezogen hat, nicht antreten wird. «Ich weiss, dass ich es nicht schaffe, rechtzeitig zu regenerieren», sagte ein sichtlich enttäuschter Wawrinka.

Vier Stunden zuvor, als der Schweizer den Platz betrat, war von der Verletzung noch nichts zu spüren. Wawrinka verneinte, als er gefragt wurde, ob er und sein Kollege Federer sich ein Wettrennen liefern würden, wer schneller in den Viertelfinal einzieht. Federer war dies mit zwei überzeugenden Auftritten in nur 1:54 Stunden gelungen. Allein gestern stand Wawrinka aber mehr als eine halbe Stunde länger auf dem Platz. Der Romand warnte zurecht vor dem 21-jährigen Tiafoe, gegen den Wawrinka auf der ATP-Tour zuvor noch nie gespielt hatte und sah sich nach dem Spiel bestätigt: «Es war schwierig. Das Niveau war sehr gut. Ein paar wenige Punkte haben heute den Unterschied gemacht.»

Tatsächlich war das Spiel zwar gut, aber keinesfalls frei von Fehlern. Die Souveränität, die Wawrinka noch in seiner Erstrundenpartie gegen Pablo Cuevas an den Tag gelegt hatte, war verflogen. Die Symptome von Wawrinkas Basel-Fluch plötzlich wieder sichtbar. Unerzwungene Fehler, vor allem beim Volley oder beim Return entlockten dem Heimpublikum mal für mal ein Raunen.

Zwölf ungenutzte Breakchancen bei Stan Wawrinka

Zwölf Breakchancen lässt Wawrinka im Verlaufe des Matches ungenutzt. Weil auch Tiafoe viele unerzwungene Fehler produziert, spiegelt sich die fehlende Kaltschnäuzigkeit zu Beginn noch nicht im Resultat wieder. Wawrinka holt sich erst das Break zum 3:1 und wenig später den ersten Satz mit 6:3. Doch in der Folge spannt er die Zuschauer mit ihrer Geduld auf die Probe. Der Amerikaner nutzt dies und breakt Wawrinka zum 1:3. Anschliessend spielt er den Vorsprung wegen der zahlreichen ausgelassenen Breakchancen Wawrinkas nach Hause und holt sich Satz 2.

Es geht in den Entscheidungssatz. Auch hier geht Wawrinkas Breakchancenwucher zunächst weiter. Als Tiafoe dann beim Stand von 5:5 seinerseits zwei Breakchancen bekommt, fühlt sich das Basler Publikum an die Vergangenheit erinnert, wo der Romand schon mehrfach gegen Underdogs ausgeschieden war. Doch diesmal sollte es anders kommen. «Bei so einer Ambiance hat man Lust, sein letztes Hemd auf dem Platz zu lassen», gab Wawrinka nach dem Spiel zu Protokoll. «Die Fans waren auf einer Skala von 1 bis 10 heute bei 100.» Am Freitag werden die Basler Fans Wawrinka leider nicht mehr sehen.

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