Schweizer Meister
Warum sich YB erneut krönt und wie der Rivale aus Basel entscheidend dabei mithalf

Seit Samstagabend ist klar: YB ist erneut Meister. Die Titelverteidigung gelingt vor dem TV, weil der FC Basel gegen GC nur 0:0 spielt. Entscheidend war der Beginn der Saison, während der FCB ins Chaos stürzte, führte der neue YB-Trainer Gerardo Seoane die Arbeit seines Vorgängers Adi Hütter in beeindruckender Manier fort.

Etienne Wuillemin
Etienne Wuillemin
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Mit einem 2:0 hat am 22. Juli alles angefangen: Guillaume Hoarau (l.) klatscht mit Kevin Mbabu (r.) nach dem ersten Sieg der Saison gegen GC ab
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Eine Woche später folgt ein weiteres 2:0 - diesmal gegen Lugano. Torschütze des zweiten Treffers: Guillaume Hoarau.
Es kommt noch besser: Das 4:0 gegen den FCZ lässt nicht nur Guillaume Hoarau jubeln.
Gegen Luzern kommt YB fast ins Straucheln. Kevin Mbabu (l.) und Gregory Wuethrich (r.) müssen sich den 3:2 Sieg wahrlich erkämpfen.
Im strömenden Regen erfolgt dann aber gegen Xamax ein Schützenfest: 5:2 - auch Jean-Pierre Nsame (r.) darf einen Treffer beisteuern.
Während Erzfeind Basel angeschlagen durch die Liga taumelt, kann YB einfach nicht verlieren. Beim 3:0 gegen Sion darf sich Christian Fassnacht auswärts über zwei Treffer freuen.
Kein Sieg aber konnte das denkwürdige 7:1 gegen Basel übertrumpfen. Christian Fassnacht und Miralem Sulejmani sind ausser sich vor Freude.
Auch der FC St. Gallen kann Steve von Bergen und seinen Verein nicht aufhalten: 2:0 im Stade de Suisse für YB.
Langsam zeichnet es sich ab: Diese Mannschaft ist einfach nicht zu schlagen. 4:1 gegen Thun!
Anfang Oktober kommt dann doch der erste Dämpfer. Der FCL bezwingt YB mit 2:3.
Und dann kann YB plötzlich auch gegen den FCZ nicht mehr überzeugen. Für Guillaume Hoarau und die Young Boys reicht es nur zu einem 3:3.
Doch YB kämpft sich zurück, Ulisses Garcia (M.) setzt sich gegen Sion durch: 3:2 für YB im heimischen Stadion.
Mit dem 3:0 gegen GC meldet sich YB dann definitv zurück. Hoarau, Fassnacht und Aebischer treffen für ihren Verein.
Auch St. Gallen muss daran glauben. 3:2 für YB!
Es ist zwar nur ein 1:0, die Luganesi stürzt es aber in ein regelrechtes Jammertal.
Auch im nächsten Duell laufen Sandro Lauper und YB dem FCB davon: Diesmal reicht es aber "nur" für ein 3:1.
Leo Seydoux zeigt Thun den Meister. Im Derby gewinnt YB wieder einmal, diesmal mit 3:2.
Auch Xamax wird mit einem 4:1 überrollt - der YB geht als Wintermeister in die Pause.
Zum Start der Rückrunde muss genau dieses Xamax wieder daran glauben: Diesmal reicht es YB nur zu einem 2:0.
1:1 - Thun kann diesmal Michel Aebischer (l.) und seinem YB einen Punkt abringen.
Dank Fassnacht und Ngamelu darf YB dann aber beim 2:0 gegen den FCZ wieder drei Punkte einfahren.
Gegen Lugano folgt Ende Februar ein 1:0. Den Torschützen Jean-Pierre Nsame (l.) und Roger Assale (r.) freuts.
Nach dem 1:0 gegen Sion hat nicht nur Ulisses Garcia gute Laune.
Auch gegen GC reichen Christian Fassnacht und YB ein Tor von Sow in der Nachspielzeit zum Sieg.
Mitte März kommt es zum nicht mehr allzu spannenden "Spitzenkamp". Gegen den FCB erreicht YB diesmal ein 2:2.
Gegen St. Gallen gelingt dank einem 3:2 wieder ein Sieg. Guillaume Hoarau (l.) erzielt alle drei Treffer im Alleingang und freut sich darüber mit Nicolas Moumi Ngamaleu (r.).
Gegen Thun darf es dann auch gerne wieder einmal ein klares 5:1 sein.
Dank einem 3:1 gegen den FCL hat YB 75 Punkte auf dem Konto.
Falls Basel nicht gegen GC gewinnen kann, ist YB heute schon Meister.
Die Mannschaft verfolgt das Spiel gebannt.
Ein bisschen Schadenfreude ist nach dem enttäuschenden 0:0 vorhanden.
Weil Basel gegen GC patzt, darf sich YB nun feiern lassen....
Die Young Boys sind zum zweiten Mal in Folge Schweizermeister!

Mit einem 2:0 hat am 22. Juli alles angefangen: Guillaume Hoarau (l.) klatscht mit Kevin Mbabu (r.) nach dem ersten Sieg der Saison gegen GC ab

freshfocus

Eines der schönsten Lieder von Züri West handelt vom Glück, das einen irgendwann findet. Als Kuno Lauener, begnadeter Sänger und passionierter YB-Fan, die Zeilen schrieb, da war der Berner Fussballklub noch gefangen in Melancholie und Hoffnung. 32 Jahre ohne Titel. Stets im Schatten des FC Basel. Nun sind diese Zeiten definitiv vorbei. Sie scheinen ewig zurückzuliegen.

Der Coup von Sportchef Spycher

Seit Samstagabend ist YB zum zweiten Mal hintereinander Schweizer Meister. Gekrönt ausgerechnet vom Rivalen aus Basel, der gegen GC nicht über ein 0:0 hinauskam. 22 Punkte Vorsprung sind bei sieben ausbleibenden FCB-Spielen genug. Das Glück ist also in Bern heimisch geworden. Wobei die Bezeichnung nur auf die emotionale Befindlichkeit zielt – und nicht auf die Art und Weise, wie der Titel der Berner zustande gekommen ist.

YB-Fans feiern den Meistertitel in der Hauptstadt.
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Gross ist der Jubel bei den YB-Spielern, nachdem Basel gegen GC nur 0:0 gespielt hat.
Guillaume Hoarau und Marco Wölfli haben es ein paar Zehntelsekunden vor Steve von Bergen realisiert.
Der Goalie und der Trainer freuen sich gemeinsam: David von Ballmoos und Gerardo Seoane.
Meisterliches FCB-GC schauen
Auch draussen wird gefeiert: Die YB-Fans ziehen in die Stadt ein.
Da lief das Spiel noch: Spieler und Staff schauen gebannt nach Basel.
Bange Blicke bei einer Chance von Basel.
Leichte Schadenfreude, als wieder ein Ball am Tor vorbeifliegt.
Wars das schon? Die Schadenfreude in Bern wird immer grösser.
Nein, noch nicht: Ein Schluck Wasser und weiter abwarten.
Und dann ist die Gewissheit da...
... YB ist zum zweiten Mal in Folge Schweizer Meister. Loris Benito, Christian Fassnacht und Sandro Lauper (von links) jubeln ausgelassen.

YB-Fans feiern den Meistertitel in der Hauptstadt.

STRINGER

Man darf nüchtern festhalten: Wie YB die Herausforderungen im letzten Sommer bewältigt hat, war beeindruckend. Sportchef Christoph Spycher ist es gelungen, nach den überschwänglichen Meisternächten das Aufwachen mit einem Kater zu verhindern. Fast alle Leistungsträger blieben bei YB. Nur Trainer Adi Hütter zog weiter. Doch die Verpflichtung von Gerardo Seoane als Nachfolger war nichts weniger als ein Coup. Seoane hat die Arbeit von Hütter klug fortgeführt. Er wusste: Diese Mannschaft funktioniert, sie braucht keine radikal neuen Ideen. Trotzdem gelang es ihm, YB sanft zu entwickeln. Das Team hat im Vergleich zur Vorsaison eher noch einmal an Stilsicherheit zugelegt. Alle ersten neun Liga-Spiele gewann YB mit Seoane gleich – es war schon mehr als eine Vorentscheidung im Titelrennen. Später wurden die Berner auch noch zu den Königen der Nachspielzeit, siegten immer wieder in letzter Sekunde – auch das eine Qualität, die jahrelang den FCB auszeichnete.

Der Blick auf die nächste Saison

Seoane schaffte es im Sommer auch, YB erstmals in die Champions League zu führen. Dass die Resultate in der Königsklasse gegen Manchester United, Juventus und Valencia mehrheitlich enttäuschend ausfielen, ist – zusammen mit dem Cup-Aus im Viertelfinal – der kleine Schönheitsfehler in dieser Saison. Aber es ist offensichtlich: Die Rädchen im YB-Gebilde greifen. Und vielleicht war darum die bedeutendste Meldung dieses Jahres aus Berner Sicht die Vertragsverlängerung von Sportchef Spycher. Er widerstand der Versuchung, Nati-Teammanager zu werden. Und ist bereits daran, die nächsten Retuschen im Kader zu bewältigen. Mit Fabian Lustenberger ist ein Schlüsseltransfer bereits getätigt. Die Frage ist nun, ob es ihm noch einmal gelingt, den Kern des Teams beisammenzuhalten. Oder, falls es zu einigen Abgängen kommt, diese adäquat zu kompensieren. Zuzutrauen ist es ihm zweifellos.

Die Fehler der FCB-Führung

Bei allem Lob für YB, dass auch das Meisterrennen in der Saison 2018/19 komplett spannungsfrei blieb, liegt in erster Linie am FC Basel. Wie sich der ehemalige Ligakrösus wieder und wieder ins Verderben reitet, erzeugt gleichermassen Faszination und Mitleid. Die Führungscrew um Präsident Bernhard Burgener und Sportchef Marco Streller tappt weiterhin von einer Falle in die nächste. Aussicht auf Besserung? Fraglich.

In der Winterpause der Saison 2017/18 entschieden Burgener/Streller mit ihren Eingriffen ins funktionierende FCB-Team die Meisterschaft. Ein halbes Jahr später wiesen sie YB erneut den Weg zum Glück. Sie verpassten es, ihre Gedanken auch in Taten umzusetzen, wollten Trainer Raphael Wicky trotz Zweifeln noch einmal eine Chance geben – und vermasselten gleichzeitig erneut eine Transferphase. So verkam der rotblaue Start in die Saison zum Chaos. Wicky musste schon nach zwei Spielen gehen, auch der Europacup wurde verpasst. Auch der neue Trainer Marcel Koller schaffte es nicht, eine echte Linie ins Basler Spiel zu bringen.

Eine Demütigung und eine Revolte

In Erinnerung bleibt von diesem FCB-Jahr also vor allem die Demütigung des 1:7 bei der neuen Macht YB am 23. September. Später die Spielerrevolte gegen Koller. Und dann vor allem die Expansionspläne in Richtung Indien. Es schien manchmal, als würde sich die Basler Führung um alles kümmern – ausser um den Fussball auf dem Rasen.

Wie weiter ist nun die Frage? Erneut droht die leichte Verblendung. Weil die FCB-Resultate in der Rückrunde etwas besser wurden, herrscht nun mancherorts die Überzeugung, YB sei bald wieder zu knacken. Entscheidend ist, wie sich die FCB-Führung Ende der Saison positioniert. Die Beziehung zwischen Sportchef Streller und Trainer Koller ist angespannt. Der Grundsatzentscheid, ob der FCB mit Koller oder einem neuen Trainer in die Saison steigen will, muss Ende Saison gefällt werden. Und Koller wird schlau genug sein, sich einige Transfers auszubedingen. Sie sind nötig. Ansonsten drohen die nächsten Enttäuschungen.

Das alles kümmert YB nur am Rande. Die Berner dürfen am Sonntag im Letzigrund zum grossen Meister-Spiel antreten. Dass sie den Titel auf dem Sofa gewonnen haben, wird sie kaum stören – wichtiger ist ihnen, dass das Glück sie endlich dauerhaft gefunden hat.

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