Langlauf

Warum ein Rücktritt für Dario Cologna kein Thema mehr ist – dafür die Olympischen Spiele 2022

Dario Cologna in Davos vor dem nationalen Leistungszentrum der Langläufer, das seinen Namen trägt.

Der Schweizer Langlauf-Star Dario Cologna sucht anstatt einer Pause lieber die nächste Herausforderung. Trotz einer eher enttäuschenden Saison lässt ihn der Gedanke an die Olympischen Spiele 2022 in Peking nicht los.

Trotz einer enttäuschenden Saison hat der vierfache Olympiasieger Dario Cologna im Frühling keine Gedanken an Rücktritt verschwendet. Auch die geplante mehrmonatige Auszeit ist kein Thema mehr, der 33-Jährige steckt mitten im knochenharten Sommertraining. Im Interview verrät Cologna seine Ziele für den nächsten Winter – und weiter darüber hinaus.

Wie sieht zurzeit Ihr Alltag aus?

Wie immer: trainieren. Der Sommer ist für uns Langläufer trainingsintensiver als der Winter. Wenn ich zu Hause in Davos bin, trainiere ich zweimal pro Tag. Monatlich einmal absolvieren wir ein Trainingslager mit dem Nationalteam. Wir sind immer mal ein bisschen unterwegs …

In der vergangenen Saison schafften Sie weder an der WM noch im Weltcup den Sprung aufs Podest. Was lief nicht wie geplant?

Das ist schwierig zu sagen. Ich kann keine ganz bestimmten Gründe nennen. Klar hatte ich selber ein bisschen mehr erwartet. An den Weltmeisterschaften in Seefeld zeigte ich keine schlechten Rennen. Während der ganzen Saison fehlte ein wenig. Ich hatte im letzten Sommer und Herbst gut trainiert. Nach dem Olympiajahr war es vielleicht etwas schwierig, den ganzen Fokus nochmals aufzubauen. Auch im Team fehlte etwas. Trainer Ivan Hudac war ausserhalb der Zusammenzüge nicht so oft bei uns. Ich glaube, man ging allgemein etwas viele Kompromisse ein, die nicht ideal waren. Im Spitzensport machen die Details den Unterschied aus.

Welche Konsequenzen wurden gezogen?

Ivan Hudac ist wieder immer bei uns, sodass eine bessere Betreuung gewährleistet ist. Generell wollen wir als Team wieder konsequenter sein. Es ist nicht so, als ob wir letztes Jahr nicht trainiert hätten. Stundenmässig befanden wir uns auf dem gleichen Etat. Doch wir versuchen, wieder fokussierter ans Werk zu gehen.

Sind Ihre härtesten Konkurrenten besser geworden, oder konnten Sie Ihr Potenzial nicht ausschöpfen?

Bei mir lief bestimmt nicht alles optimal. Stets auf dem höchsten Niveau zu laufen, ist schwierig. Die meisten harten Gegner aus meinen Anfangszeiten sind nicht mehr aktiv. Langlauf ist nun mal eine trainingsintensive Sportart, die viel abverlangt. Für jeden Sieg muss alles aufgehen. Letzte Saison passten ein paar Sachen nicht ideal zusammen. So waren wir auch bezüglich Material nicht immer zufrieden. Doch gerade in diesem Bereich, der nicht zuletzt eine Frage des Budgets ist, sind die Norweger und Russen sehr stark.

Schossen Ihnen im Frühling Rücktrittsgedanken durch den Kopf – zumal jetzt eine Saison ohne Olympische Spiele oder WM folgt?

Nein, nicht wirklich. Bereits während des Winters zeichnete sich ab, dass ich dem Spitzensport treu bleiben werde. Ich habe nach wie vor Freude an dem, was ich tue. Aus dieser Optik stellte sich die Rücktrittsfrage nie ernsthaft. Wie lange ich weitermachen werde, lasse ich offen. Aber es wird wohl kaum nur für die kommende Zwischensaison sein, wenn es die Gesundheit erlaubt. Bereits irgendwie in meinem Hinterkopf geistern die Olympischen Winterspiele in Peking 2022.

Bekunden Sie im Sommer nie Motivationsprobleme, wenn es noch Monate bis zu den ersten Langlaufrennen auf Schnee dauert?

Nein, wirklich nicht. Nach der Saison machte ich eine Pause, und ich ging in die Ferien. Da spürte ich schnell, dass die Motivation zurückkam und mir fast etwas fehlt, wenn ich nicht trainiere.

Haben Sie im Sommertraining etwas verändert?

Man versucht eigentlich stets, ein paar neue Sachen aufzunehmen. Dabei handelt es sich um Details, die Grundlagen bleiben gleich. Wir haben heuer etwas kürzere Hochintervall-Einheiten ins Training integriert. Im letzten Winter hatte ich das Gefühl, dass ich im Ausdauerbereich gut unterwegs war. Gegen Ende der Rennen fehlte mir hingegen im hohen, intensiven Bereich etwas. Da versuchen wir jetzt, den Hebel anzusetzen.

Mit welchen Zielen steigen Sie in die Saison, setzen Sie sich Ihren fünften Weltcup-Gesamtsieg zum Ziel?

Der Gesamtweltcup steht für mich nicht mehr im Vordergrund, auch wegen der Sprintwettkämpfe. Das sollen die Jungen machen (lacht). Ich möchte nach der etwas verkorksten letzten Saison in Weltcup-Rennen wieder aufs Podest zurückkehren.

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