In dieser Woche kämpfen in der Basler St. Jakobshalle die weltbesten Badmintonspieler um den Titel der Swiss Open. In einer Stadt, in der vor allem Fussball und Tennis im Rampenlicht stehen, wird für einmal auch über Badminton gesprochen.

Doch schon zwei Tage vor dem Final sind alle Schweizer ausgeschieden. Das Turnier wird von asiatischen Athleten dominiert, die Schweizer sind – oder besser waren – die Underdogs. Warum eigentlich? Und wird sich das in Zukunft ändern?

Schweizer Meister scheitert an Legende

Robert de Kock ist Präsident von Swiss Badminton. Er sitzt Anfang dieser Woche in der Panorama-Lounge auf der Bergstation vom Titlis und nimmt sich Zeit für ein allgemeineres Gespräch über seinen Sport. «Spitzenbadminton in der Schweiz hat sich in den letzten fünf Jahren deutlich verbessert», sagt de Kock. «Wir haben heute viel bessere Resultate als noch vor ein paar Jahren. Auch wenn es hauptsächlich B-Turniere sind, an denen die Schweizer erfolgreich sind, zeigt es doch: ‹Hey, wir kommen.›»

Einer der besten Schweizer ist der Baselbieter Christian Kirchmayr. Der 25-Jährige aus Therwil ist Schweizer Meister 2018 und die Nummer 156 der Welt. An den Swiss Open ist er am Mittwochabend gegen Lin Dan mit 11:21 und 6:21 ausgeschieden. Der Chinese ist eine Legende, hat so gut wie alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. «Ich bin nicht mit allzu hohen Erwartungen ins Spiel, aber natürlich bin ich enttäuscht. Ich finde, dass ich nicht alles gezeigt habe, was ich kann», sagt er.

Uni Basel spielt nicht mehr NLA

Letzte Saison stand Kirchmayr noch bei Uni Basel unter Vertrag, seinem Heimatverein. Doch im Februar zog sich der Klub aus der NLA zurück. «Das ist für mich auf emotionaler Ebene schade», sagt Kirchmayr.

«Spielerisch macht es aber keinen grossen Unterschied. Ich muss NLA spielen und werde das auch in der nächsten Saison tun.» Schlimmer sei es für die Basler Junioren. Sie verlieren ohne lokales NLA-Team ihren Leuchtturm und Uni Basel könnte Talente an andere Regionen verlieren. Darum hofft Kirchmayr, dass es mit dem Verein bald wieder aufwärtsgeht.

Das Hoffen auf einen Star

Während es für Basel abwärts geht, geht es gesamtschweizerisch aufwärts. Aber so richtig viel Beachtung erhalten die Badminton-Profis trotzdem nicht. «Es ist kurios», sagt Kirchmayr. «Extrem viele Leute spielen Badminton als Hobby, aber Spitzenbadminton wird hier noch immer nicht so richtig wahrgenommen.»

Konkret gibt es über 250 000 Leute in der Schweiz, die regelmässig Badminton spielen. Das belegt eine Studie vom Bund. Was also ist nötig, um Badminton auch als Spitzensport auf den Schirm der Öffentlichkeit zu bringen?

«Es braucht den Roger-Federer-Effekt», glaubt Robert De Kock. Es braucht einen Weltklasse-Spieler, der mit den Besten der Welt auf Augenhöhe ist und so die Begeisterung der Schweizer entfacht – einen wie Federer eben.

Nur: So jemanden hervorzubringen, ist einfacher gesagt als getan. «Es sind zwei Dinge nötig», sagt de Kock. «Einerseits muss ein professionelles Umfeld bestehen. Ich denke, das haben wir in der Schweiz. Andererseits braucht es ein Ausnahmetalent, das zudem den nötigen Willen mitbringt.»

Denn Talent allein reicht nicht. Das bestätigt auch Kirchmayr: «Man kann sich nicht einfach durch das System treiben lassen und erwarten, dass man so an die Spitze kommt. Es braucht grossen Einsatz.»

Wenn es gelingt, so jemanden hervorzubringen, wird das Ansehen des Sports steigen. Dessen sind sich de Kock und Kirchmayr sicher. Letzterer wird das wohl nicht mehr erreichen. «Da muss ich realistisch sein. Wenn, dann wird das in den Generationen nach mir passieren. Ich bin ein Glied in einer Kette.»

Ob irgendein zukünftiges Glied dieser Kette ein Badminton-Federer ist, bleibt ungewiss. Doch de Kock ist sich sicher: «Möglich ist das allemal.»