1:4 liegt Roger Federer im dritten Satz des Madrid-Achtelfinals gegen den Franzosen Gaël Monfils (32, ATP 18) schon hinten. Bei 5:6 und eigenem Aufschlag wehrt er zwei Matchbälle ab. Und setzt sich im Tiebreak nach etwas mehr als zwei Stunden Spielzeit mit 6:0, 4:6, 7:6 (7:3) durch. Es ist das 18. Mal, dass Federer eine Partie nach Matchball gegen sich gewinnt. In den Viertelfinals trifft Federer auf den Österreicher Dominic Thiem (25, ATP 5), gegen den er eine 2:3-Bilanz vorweist und der zuletzt in Barcelona Rafael Nadal besiegte. 

Roger Federer, lief es im ersten Satz fast zu einfach? 

Es konnte ja nicht so weitergehen. Du kannst von einem 6:0, 6:0 träumen, aber das passiert fast nie (lacht). Das ist das Schöne an der Zählweise im Tennis: Auch wenn du den ersten Satz gewonnen hast, beginnt es im zweiten wieder von vorne. Gaël hat eine Reaktion gezeigt. Ich hatte meine Chancen zum 5:4, konnte sie aber nicht nutzen. Dann lag ich im dritten Satz mit 1:4 hinten, er war besser von der Grundlinie, es war windig. Es war eine Kombination aus allem. Aber ich habe einfach weiter an mich geglaubt und gekämpft. 

Ziehen Sie Selbstvertrauen daraus, dass sie zwei Matchbälle abgewehrt haben?

Ich fühle vor allem Erleichterung! Es gibt mir mehr Vertrauen, weil Siege Probleme lösen. Ich sehe die Dinge dann von einer sonnigeren Seite. Ich gewinne ja nicht jeden Tag Spiele, in denen ich Matchbälle abwehren musste. Solche Siege sind einzigartig. 

Sie spielten bei einem Matchball Serve-and-Volley, weshalb?

Ich fühlte mich von der Grundlinie nicht so wohl, also sagte ich mir: Panik-Modus einschalten und nach vorne stürmen (lacht). Egal, was passiert, keine Taktik, einfach nur zur Vorhand aufschlagen und möglichst schnell ans Netz gehen. Zum Glück habe ich den Volley versenkt.  

Sie treffen nun auf Dominic Thiem, der zuletzt in Barcelona Rafael Nadal besiegt hat und das Turnier gewinnen konnte. Für viele gilt er als Favorit. Auch für Sie?

Rafa in Barcelona zu schlagen ist eine grossartige Leistung, keine Frage. Trotzdem glaube ich, dass Rafa der Massstab ist und nicht Dominic. Wie das Spiel gegen Monfils wird der Viertelfinal gegen Thiem für michein grosser Test, obschon ich weiss, dass es nicht wie in Paris ist. 

Thiem sagte, man unterschätze Sie in dieser Woche. Sehen Sie das auch so?

Da bin ich mir nicht so sicher. Es ist ja nicht so, dass ich aus einer Verletzung komme. Ich hatte einen guten Start in die Saison, der Belag hier ist schnell und ich habe hier auch schon gewonnen. Ich glaube nicht, dass mich jemand unterschätzt. Vielleicht habe ich in den letzten Jahren weniger Sandplatztennis gespielt, aber um ehrlich zu sein: das macht mich nicht weniger gefährlich. Ich sehe es eher so: Alles ist möglich, im Guten wie im Schlechten.