Kommentar
Vladimir Petkovic im Kampf gegen die Geister von Bern

Mit einem Sieg gegen die Färöer am Sonntag könnte Nati-Coach Petkovic ein weiteres Mal beweisen, dass er in seinem Amt angekommen ist. Doch das Spiel bietet ihm auch die Möglichkeit, ein altes Laster, dass er seit seiner Zeit bei YB mit sich trägt, endgültig loszuwerden: Seinen Ruf als «ewiger Verlierer».

Etienne Wuillemin
Etienne Wuillemin
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Petkovic während des Nationalmannschafts-Trainings.

Petkovic während des Nationalmannschafts-Trainings.

Keystone

Ein Sieg fehlt noch. Dann darf sich die Schweiz über einen historisch guten Start ihrer Fussball-Nationalmannschaft freuen. Vier Siege zu Beginn einer WM-Qualifikation? Das gab es noch nie. 1994 siegte das Team von Roy Hodgson zu Beginn dreimal, ehe es in Ungarn 2:2 spielte. Gewinnt die Schweiz heute also gegen die Färöer-Inseln, dann verbessert das Team von Vladimir Petkovic den 22 Jahre alten Rekord.

Roy Hodgson.

Roy Hodgson.

Keystone

Der perfekte Start in die WM-Qualifikation wäre ein weiterer Beweis dafür, dass Petkovic im Amt angekommen ist. Angekommen nach 20 schwierigen Monaten zu Beginn. Monaten, in denen er die Spieler von seiner sanften Revolution mit mehr Fokus auf das Spielerische überzeugen musste. Monate, in denen er sich gleichzeitig noch zu wenig offen gab. Monate, in denen er interne Konflikte wie den Balkan-Graben moderieren musste. All dies ist ihm viel besser gelungen, als manche ihm das zugetraut hätten.

Wie aber geht es weiter nach diesem hoffentlich perfekten Abschluss des Länderspieljahres 2016? Klar ist: Die Herausforderungen bleiben. Wer den Europameister Portugal zum Auftakt besiegt, der möchte auch am Ende der WM-Qualifikation, im Oktober 2017, zuvorderst in der Tabelle klassiert sein. Alles andere wäre eine Enttäuschung. Ein Sieg gegen die Färöer-Inseln ist sowieso Pflicht.

Womit wir wieder bei Petkovic wären. Er kann im nächsten Jahr viel gewinnen. Er hat die grosse Gelegenheit, seinen Ruf als «ewiger Verlierer» abzustreifen. Den Ruf, der ihn seit seiner Zeit bei YB verfolgt. Unvergessen, wie die Berner in der Saison 2009/10 den herbstlichen 13-Punkte-Vorsprung auf den FC Basel doch noch verspielten.

Vladimir Petkovic noch während seiner Zeit bei dern Young Boys.

Vladimir Petkovic noch während seiner Zeit bei dern Young Boys.

Keystone

Auch jetzt ist es erst Herbst. Auch jetzt ist die Schweiz noch nicht für die WM qualifiziert. Noch sind die Geister von Bern nicht vertrieben. Und darum birgt diese Ausgangslage auch Gefahren. Nun muss Petkovic beweisen, dass er die gute Ausgangslage zu nutzen weiss. Und ihm die Beute nicht doch noch entgleitet. Es könnten wegweisende Monate in seiner Trainer-Karriere werden. Vielleicht die wichtigsten überhaupt.

Wie ein Bär soll seine Mannschaft sein, hat Petkovic diese Woche gesagt. Möglichst viel im Magen haben – also noch drei Punkte heute! – damit dann der Winterschlaf unbeschwert und beständig wird, ohne frühzeitiges Erwachen.

Vielleicht vertreibt der Bär im nächsten Jahr Petkovics böse Geister aus Bern. Indizien dafür gibt es schon mal. Damals bei YB litt Petkovic auch unter dem Fall Yapi. Sein damals wichtigster Spieler unterschrieb frühzeitig bei Konkurrent Basel. Danach mischte sich das YB-Management ein, es gab ein Hin und Her, ob Yapi nun noch spielen durfte oder nicht. Und endete im Drama.

Nun hat Petkovic mit der Schweizer Nationalmannschaft einen ähnlichen Fall mit ziemlich viel Geschick gelöst. Er hat den ehemaligen Captain Gökhan Inler sanft in den Nati-Ruhestand entlassen – und Granit Xhaka endlich zum Kopf dieses Teams gemacht. Damit hat er einen potenziellen Konflikt frühzeitig gelöscht.

Petkovic setzte Inler ziemlich schnell als Captain ab.

Petkovic setzte Inler ziemlich schnell als Captain ab.

Keystone

Eine Erfolgs-Garantie ist das alleine natürlich noch lange nicht. Und doch würde es nicht überraschen, wenn die Schweiz in einem Jahr für die WM in Russland qualifiziert ist.