Die Familie ist etwas Wunderbares. Sie gibt Kraft. Sie ist treu. Sie unterstützt. Oder sie spendet Trost. Jedenfalls ist sie immer für einen da.

Im rauen Fussballbusiness ist die Familie längst Stammspieler geworden. Ob Präsident, Trainer, Sportchef oder Spieler, gefühlt neun Zehntel aller Beziehungen sind mittlerweile «wie in einer Familie».

Auch Vladimir Petkovic spricht an diesem Montag viel von der Familie. Es geht, natürlich, um seinen Vertrag. Noch ist er nicht verlängert, aber es kommt Bewegung in die Sache. Vor einem Monat, unmittelbar nach der EM-Qualifikation, sagte Petkovic noch: «Es braucht immer zwei Seiten, um einen Vertrag zu verlängern.» Es tönte nicht gerade so, als wäre er sich des Rückhalts im Verband sicher. Nun hat sich seine Sichtweise etwas geändert. Erstmals sagt er öffentlich: «Ja, ich will Nationaltrainer bleiben.» Dann dankt er allen im Staff, die mitgeholfen haben, um an die EM-Endrunde nach Frankreich zu kommen. Eine wunderbare, rot-weisse Familie.

Von einem Sinneswandel einen Monat nach der EM-Qualifikation möchte Petkovic zwar nichts wissen. Aber es wird offensichtlich, dass er in den Gesprächen mit dem Verband die nötige Anerkennung für seine Arbeit spürt. Er sagt: «Ich möchte dieses Team weiterentwickeln. Es ist noch vieles möglich.» Aber in welchem Zeitrahmen man mit der Vertragsverlängerung bis 2018 rechnen kann, das bleibt dann doch lieber – genau – «in der Familie».

«Zu müde oder zu wenig müde»

Petkovic hat schon jetzt die EM im Fokus. In der Slowakei (am Freitag) und Österreich (17.11.) stehen die nächsten Testspiele an. Im März testet die Schweiz dann gegen Irland.

Ob die Spiele eine grosse Aussagekraft haben, sei nun einmal dahingestellt. Innert Kürze musste Petkovic die Absagen von drei Teamstützen verkraften. Xhaka, Rodriguez und Embolo sagten allesamt wegen Blessuren ab. Widmer, Zuffi und Steffen ersetzen sie. Die Absagewelle verleitet Petkovic, zu sagen: «Die Spieler müssten ja nicht immer während der Länderspielpausen regenerieren. Ich erwarte, dass die Klubs mehr Interesse an der Gesundheit der Spieler zeigen. Ich spüre das nicht überall.»

Xhaka spielt trotz eines Bänderrisses (den er mit der Schweiz in Estland erlitt) seit Wochen fast pausenlos. Rodriguez hat Rückenbeschwerden und bei Embolo hat sich die Patella-Sehne entzündet. In dieser Phase der Saison sehen es die Klubs natürlich gerne, wenn ihre Schüsselspieler eine Pause erhalten. Petkovic ist erstmals als Nationaltrainer mit diesen Konflikten konfrontiert und nun Leidtragender davon. Kämpferisch sagt er: «Ich erwarte, dass mein Team auch in Freundschaftsspielen genügend Herausforderungen sieht.»

Doch es sind nicht nur die Abwesenden, die ihm Sorgen bereiten. Sondern auch einige Schlüsselspieler, die in ihren Klubs nicht mehr spielen. «Einige sind etwas zu sehr müde, einige etwas zu wenig müde», sagt Petkovic mit einem Lächeln. Er hat dieser Tage auch die Funktion eines Therapeuten, der seine Patienten aufbauen sollte.

Vor allem Captain Gökhan Inler durchlebt im Klub bei Leicester City eine schwierige Zeit, sechs Ligaspiele in Serie musste er bereits zuschauen. Aber auch Behrami, Drmic und Schär sind in die Reservisten-Rolle gerutscht. «Es sind derzeit zu viele Spieler», sagt Petkovic. Und er stellt klar: «Jene Akteure, die in den Monaten vor der Euro keine Einsatzzeit bekommen, werden es schwer haben, nach Frankreich fahren zu dürfen.»