Champions League
Verdankt Barcelona Schiri Aytekin den Sieg? Diese 7 Entscheide sorgen für rote Köpfe

6:1! Barcelona schafft tatsächlich das grosse Champions-League-Wunder und macht das 0:4 aus dem Achtelfinal-Hinspiel gegen Paris St-Germain wett. Allerdings nicht ohne fremde Hilfe.

Philipp Reich
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Die Pariser beschweren sich, zum Teil auch zurecht, beim Schiedsrichtergespann.

Die Pariser beschweren sich, zum Teil auch zurecht, beim Schiedsrichtergespann.

Keystone

Am Tag nach dem «Wunder vom Camp Nou» staunt die ganze Welt über den Barcelona. Mit einem 6:1-Heimsieg machen Messi und Co. das 0:4 aus dem Hinspiel wett und qualifizieren sich doch noch für den Champions-League-Viertelfinal.

So gross die Freude in Barcelona, so gross der Frust beim PSG. Und der Sündenbock ist schnell gefunden: Der deutsche Schiedsrichter Deniz Aytekin. Gleich mehrmals entscheidet er bei strittigen Szenen zu Gunsten von Barcelona und gegen die Franzosen. Zu Recht? Wir haben nochmals genau hingeschaut.

11. Minute: Penalty für PSG?

Barcelona führt seit der 3. Minute 1:0, als der PSG sich in der 11. Minute zum ersten Mal nach vorne wagt. Julian Draxler geht auf dem linken Flügel ins 1:1 gegen Javier Mascherano. Als der PSG-Flügel den Ball zur Mitte spielen will, rutscht der Barça-Verteidiger dazwischen und blockt ihn mit dem ausgestreckten Arm ab. Schiedsrichter Aytekin gibt keinen Penalty.

Fazit:

Knifflig! Absicht kann Mascherano nicht unterstellt werden, allerdings hat seine Hand da draussen nichts zu suchen. Darum: Fehlentscheid. Heutzutage werden solche Elfmeter gepfiffen.

23. Minute: Rot gegen Piqué?

In der 23. Minute mäht Barças Innenverteidiger Gerard Piqué an der Seitenlinie PSG-Stürmer Edinson Cavani um. Von hinten grätscht er ihm in die Beine. Aytekin zeigt Gelb.

Fazit:

Hier hätte Aytekin durchaus auch Rot zeigen können. Piqué hat keine Chance auf den Ball und riskiert eine üble Verletzung bei Cavani.

49. Minute: Penalty für Barça?

Kurz nach der Pause, Barça führt bereits 2:0. Nach einem herrlichen Pass von Andres Iniesta zieht Neymar in den Strafraum. Thomas Meunier verfolgt ihn, rutscht aber im dümmsten Moment aus, fliegt stolpert vor Neymars Füsse und bringt diesen zu Fall. Aytekin gibt den Elfmeter zunächst nicht, zeigt wenig später nach Absprache mit dem Torrichter aber doch auf den Punkt. Lionel Messi verwandelt souverän zum 3:0.

Fazit:

Ein klarer Elfmeter. Da gibt's nichts zu diskutieren.

64. Minute: Rot gegen Neymar?

In der 62. Minute erzielt Edinson Cavani das wichtige Auswärtstor für den PSG. Bei Barça sitzt der Frust tief. Statt einem, brauchen sie nun drei Tore um weiterzukommen. Bei Neymar entlädt sich dieser Frust in einer fiesen Attacke gegen Marquinhos. Von hinten säbelt er ihn um. Aytekin zeigt die Gelbe Karte.

Fazit:

Hier hätte Aytekin zwingend Rot zeigen müssen. Neymars Attacke gilt nur dem Mann, eine klare Tätlichkeit. Der Mann, der später das 4:1 und das 5:1 erzielte, hätte also gar nicht mehr auf dem Feld sein dürfen. Barça-Fans monierten, dass Angel Di Maria in der 76. Minute ein ähnliches Foul begangen habe. Dieses ist allerdings deutlich harmloser.

85. Minute: Penalty für PSG?

In der 85. Minute macht sich der eingewechselte Angel Di Maria auf, das 2:3 für den PSG zu erzielen. Bei einem Konter kann er alleine auf Barça-Keeper Marc-André ter Stegen ziehen. Im letzten Moment stört ihn aber Javier Mascherano beim Abschluss. Regelwidrig oder nicht? Schiedsrichter Aytekin gibt keinen Elfmeter.

Fazit:

Eine Slow Motion gibt es von der Szene leider nicht. Mascherano gibt nach der Partie aber zu, Di Maria berührt zu haben. Deshalb: Elfmeter. Kein Vorwurf aber an Aytekin, das war sehr schwierig zu sehen.

90. Minute: Penalty für Barça?

Es läuft bereits die 90. Minute, als sich Luis Suarez und Marquinhos nach einem weiten Ball in den PSG-Strafraum ein Laufduell liefern. Der PSG-Verteidiger berührt Suarez dabei leicht an der Schulter und mit dem Knie an der Wade, worauf der Barça-Stürmer zu Boden geht. Aytekin pfeift sofort Elfmeter. Nemyar verwandelt sicher zum 5:1.

Fazit:

Ein Fehlentscheid. Suarez, der zuvor schon wegen einer Schwalbe im Strafraum verwarnt wurde, lässt sich nach der kurzen Berührung äusserst theatralisch fallen. Gelb-Rot für den Uruguayer wäre die bessere Entscheidung gewesen. Immerhin: Aytekin bleibt seiner Linie treu. Ein ähnliches Foul von Suarez an Marquinhos pfeift er in der 72. Minute ebenfalls ab.

95. Minute: Fünf Minuten Nachspielzeit?

Der alles entscheidende sechste Treffer für Barcelona durch Sergi Roberto fällt in der 95. Minute. Die PSG-Spieler beschwerten sich nach der Partie über die lange Nachspielzeit, schliesslich habe es in der zweiten Halbzeit kaum Unterbrüche gegeben.

Fazit:

Fünf Minuten Nachspielzeit gehen in Ordnung. Alleine für die sechs Auswechslungen muss Aytekin drei Minuten nachspielen lassen. Ausserdem gibt es immer wieder längere Diskussionen, nicht nur beim Penalty in der 90. Minute.

Die grössten Comebacks der Champions League Geschichte:

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epa/efe