U21-Europameisterschaft
Unorganisiert unterlegen: Das Schweizer U21-Team ist gegen Portugal chancenlos und scheidet aus der EM aus

Das Schweizer U21-Nationalteam unterliegt Portugal mit 0:3. Der Slogan «Mission 21» ist damit Geschichte, bevor er vom Schweizer Nachwuchs veredelt werden konnte.

Raphael Gutzwiller
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Jérémy Guillemenot: Schwer enttäuscht verdeckt der Schweizer sein Gesicht.

Jérémy Guillemenot: Schwer enttäuscht verdeckt der Schweizer sein Gesicht.

Peter Klaunzer

Manchmal kann man ein Fussballspiel schon vor dem Anpfiff verlieren. Zumindest mutig ist es, was U21-Nationaltrainer Mauro Lustrinelli gegen Portugal auf den Platz schickt. Nicht weniger als sieben Wechsel vollzieht der Tessiner im Vergleich zur letzten Partie gegen Kroatien. Mit Goalie Anthony Racioppi, Jordan Lotomba und Toni Domgjoni sind somit nur drei Akteure in allein drei Partien in der Startformation der Schweizer gestanden. «Ich wollte jene Spieler aufstellen, die genug Frische im Kopf und in den Beinen hatten», begründet Lustrinelli seinen ungewohnten Entscheid.

Der Matchplan ist gründlich schief gegangen. Durch die vielen Wechsel wirkt das Team vor allem im Kopf wenig frisch. Es startet verunsichert und ist vor allem in den ersten zehn Minuten unorganisiert. Es dauert nur gerade drei Minuten, ehe Portugal durch Diogo Queiros die Schweizer Unaufmerksamkeit ausnutzt und zum 1:0 einnetzt.

Waren die Rotationen zu viel? Trainer Mauro Lustrinelli mit fragendem Blick.

Waren die Rotationen zu viel? Trainer Mauro Lustrinelli mit fragendem Blick.

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Die Grenzen aufgezeigt bekommen

Eigentlich ist die Partie ab dann entschieden. Auch wenn sich die Schweizer in der Folge mehr in die Partie kämpfen können: Den Klassenunterschied zwischen dem Schweizer und dem portugiesischen Nachwuchs ist augenscheinlich. Symbolisch steht dafür das Tor zum 2:0. Fabio Viera zaubert mit einem Zuckerpässchen, Tiago Tomas legt ab und Barcelona-Talent Trincao muss nur noch einschieben. Danach wechselt Portugal das wirblige Offensiv-Trio zur Schonung aus, ohne, dass die Schweiz dadurch besser mithalten könnte. Nur fünf Minuten nach dem 2:0 unterläuft Jasper van der Werff ein haarsträubender Fehler, Francisco Conceicao schiesst zum 3:0 ein. Und wenig später muss mit dem St. Galler Verteidiger Miro Muheim auch noch ein Defensivspieler mit der gelb-roten Karte vorzeitig vom Platz. Lustrinelli bilanziert:

«Wir haben gegen die stärkste Mannschaft gespielt – und haben die Grenzen aufgezeigt bekommen.»

Für das Schweizer U21-Team bleibt die Erkenntnis, dass es am Tag X im Kopf nicht bereit war. Im Nachhinein wissen wir: Hätte die Schweiz am Sonntag gegen Kroatien remisiert statt mit 2:3 verloren, stünde sie jetzt im Viertelfinal. In jener Partie haben sich die Schweizer mit einem Torhüterfehler und fünf schlafenden Minuten die Tore selber eingeschenkt.

Alles eine Frage der Klasse

Der Schweizer Felix Mambimbi (links) strauchelt gegen den Portugiesen Thierry Correia.

Der Schweizer Felix Mambimbi (links) strauchelt gegen den Portugiesen Thierry Correia.

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Eine Frage der Klasse, findet Mauro Lustrinelli. «Wir haben Spieler, die in der Super League spielen oder im Ausland zu wenig Spielpraxis kommen. Hier sind sie auf Spieler von Topklubs getroffen. Leider haben wir gesehen, dass dies ein Niveauunterschied ist – auch in Sachen Mentalität. Wir konnten nur ein Spiel auf diesem Niveau mithalten», so Lustrinelli.

Tatsächlich hat die Schweiz mit dem Startsieg gegen England Hoffnungen geschürt, mit den schwachen Auftritten gegen Kroatien und Portugal aber enttäuscht. Somit ist der Slogan «Mission 21» Geschichte, bevor er vom Schweizer U21-Team veredelt werden konnte.

Resultate & Telegramm

U21 Euro, Gruppe D


3. Runde: Schweiz – Portugal 0:3. Kroatien – England 1:2 (0:1).

Schlussrangliste: 1. Portugal 3/9 (6:0). 2. Kroatien 3/3 (4:5). 3. Schweiz 3/3 (3:6). 4. England 3/3 (2:4).

Schweiz - Portugal 0:3 (0:1)

Tore: 3. Queiros 0:1. 60. Trincao 0:2. 65. Conceicao 0:3

Schweiz: Racioppi; Rüegg, Bamert, van der Werff, Muheim; Lotomba (61. Toma), Jankewitz (68. Rieder), Domgjoni, Imeri (68. Guillemenot); Ndoye (74. Stergiou), Mambimbi (61. Zeqiri).

Portugal: Costa; Correira, Queiros, Leite, Dalot; Vitinha (73. Soares), Braganca, Pedro Goncalves (71. Gedson Fernandes); Viera (62. Mario), Tomas (62. Ramos), Trincao (62. Conceicao).

Bemerkung: Gelb-rote Karte 72. Muheim.