Tennis

Wawrinka besiegt Federer und holt sich den Turniersieg in Monte Carlo

Stanislas Wawrinka gewinnt am Masters-1000-Turnier von Monte Carlo den Schweizer Final gegen Roger Federer. Der Romand setzt sich eindrücklich mit 4:6, 7:6 (7:5), 6:2 durch.

134 Minuten dauerte das Endspiel, in dem Stanislas Wawrinka einen Steigerungslauf hinlegte. Der 29-jährige Waadtländer war verhalten in "diesen Traumfinal fürs Schweizer Tennis und die Schweizer Fans" (Zitat Roger Federer) gestartet. Bis zum Final hatte er im Fürstentum gegen Marin Cilic (2. Runde), Nicolas Almagro (Forfaitsieg/Achtelfinal), Milos Raonic (Viertelfinal) und David Ferrer (Halbfinal) kein einziges Aufschlagspiel abgegeben.

Gegen Roger Federer aber sah sich Wawrinka schon nach zwei Minuten mit einem ersten Breakball konfrontiert, nach 20 Minuten brachte er zum 2:3 im ersten Satz erstmals ein Aufschlagspiel nicht durch, und im Verlauf der ersten Stunde wurde Wawrinka sogar zweimal gebreakt.

Aber "Stan the man" liess sich nicht aus der Ruhe bringen. Er steigerte sich beträchtlich. Nach dem zweiten Aufschlagverlust gewährte er bis zum Matchball Roger Federer keine Breakmöglichkeit mehr. Auch im Tiebreak des zweiten Satzes, in welchem Wawrinka sofort auf 2:0 und 4:1 davonzog, gewann er bei eigenem Aufschlag sämtliche Punkte. Im Entscheidungssatz vermochte Federer dann mit der Wucht und der Präzision des Gegners nicht mehr mitzuhalten. Schon in den ersten zwölf Minuten des dritten Satzes realisierte Wawrinka die mehr als vorentscheidenden Breaks zum 1:0 und 3:0.

Der Vormarsch von Stan Wawrinka geht so ungebremst weiter. Von den Schwierigkeiten, die Wawrinka vor zwei Wochen beim Davis Cup in Genf gegen Kasachstan begleitet hatten, war im Fürstentum nichts mehr zu sehen. Im vierten grossen Turnier der Saison (nach dem Australian Open, Indian Wells und Key Biscayne) feierte Wawrinka bereits den zweiten Triumph. Als erster Profi überhaupt gewann er ein drittes Turnier in dieser Saison (nach Chennai und Melbourne). In der Weltrangliste bleibt Wawrinka vor Federer und hinter Nadal (1) und Djokovic (2) für den Moment die Nummer 3. Andererseits eroberte Stan in der Jahreswertung mit 3535 Punkten von Novak Djokovic (3050) die Führung zurück.

Und Wawrinka hievte sich für das in einem Monat beginnende French Open in Roland-Garros in die Favoritenrolle. Wer in Monte Carlo brilliert, der spielt in der Regel auch in Paris in der ersten Geige. Das war natürlich in den letzten Jahren der Fall, in denen Rafael Nadal, der Seriensieger am French Open, von 2005 bis 2012 acht Mal hintereinander in Monte Carlo triumphierte. Aber auch früher, zu den Zeiten von Björn Borg, Ivan Lendl, Thomas Muster, Sergi Bruguera und Gustavo Kuerten, galt ein Turniersieg beim grossen europäischen Sandplatzauftakt als gutes Omen für das French Open.

Wawrinka etablierte sich letzte Woche weiter unter den ganz Grossen. Vor dem Turnier in Monte Carlo hatte Wawrinka an Masters-1000-Turnieren zwei Finals erreicht und diese vor sechs Jahren in Rom gegen Djokovic und vor einem Jahr in Madrid gegen Nadal klar verloren. Mit dem Finalsieg über Federer spielte er sich wie schon im Januar in Australien in einen exklusiven Zirkel.

Wie schwierig es ist, Turniere der Grössenordnung von Monte Carlo zu gewinnen, beweist der Blick zurück: In den letzten vier Jahren setzten sich an 34 von 37 Masters-1000-Turnieren stets entweder Rafael Nadal, Novak Djokovic, Roger Federer oder Andy Murray durch. Für die Ausnahmen sorgten einzig Robin Söderling (2010) und David Ferrer (2012) jeweils im Spätherbst der Saison in Paris-Bercy. Und nun eben Wawrinka.

Die langjährige Nummer 2 der Schweiz steigt primär in den engsten Favoritenkreis für Roland-Garros auf, weil er in Monte Carlo vorzüglich spielte. Im Halbfinal gegen David Ferrer, der zuvor Rafael Nadal ausgeschaltet hatte, drängte der Romand seinen Widersacher permanent in die Defenisve. Im Final schoss er Roger Federer im dritten Satz regelrecht vom Platz.

Wawrinka setzte sich im 15. Duell erst zum zweiten Mal gegen Federer durch. Bezeichnenderweise errang er den ersten Sieg gegen sein grosses Vorbild vor fünf Jahren ebenfalls in Monte Carlo, als Mirka Federer ebenfalls schwanger war.

Für Wawrinka spricht an den nächsten Turnieren aber nicht nur die eigene Topform, sondern auch die Probleme der Gegner. Rafael Nadal wirkte in Monaco nicht annähernd so dominant wie in den Vorjahren. Aus Spanien verlautete, Nadals Vorbereitung auf die Sandplatzsaison sei problematisch verlaufen, der Superstar aus Mallorca habe nicht annähernd so viel wie geplant spielen können.

Vieles deutete darauf hin, dass Novak Djokovic diesen Frühling Nadal an der Weltranglistenspitze wieder ablösen könnte. Der Serbe wurde aber in Monaco im Halbfinal gegen Federer (5:7, 2:6) von Handgelenkproblemen geplagt. Djokovic kündigte noch in Monaco eine Pause auf vorerst unbestimmte Zeit an. Und auch Roger Federer deklarierte, dass es möglich ist, dass er wegen neuerlicher Vaterfreuden Turniere auslassen wird, wenn nötig sogar das French Open.

Auch Federer überzeugte leistungsmässig in Monte Carlo, auch wenn dem Basler im Final gegen den Landsmann aus Lausanne permanent mehr Eigenfehler als Winner unterliefen. Federer stand dem Sieg beim Skore von 6:4, 4:4 relativ nahe, als Wawrinka nach einem Doppelfehler plötzlich Schwierigkeiten bekundete, sein Aufschlagspiel durchzubringen. Aber einen Breakball vermochte sich Federer in dieser Phase des Spiels nicht mehr zu erspielen. Federer verpasste es, eine der wenigen Lücken in seinem Palmarès zu schliessen. Turniersiege auf diesem Level fehlen Federer nur noch in Monte Carlo und Rom.

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