Den Grundstein legt Federer, der bei den Australian Open seinen 20. Grand-Slam-Titel anpeilt, wo anders. In Dubai und auf schmucklosen Plätzen in der Schweiz, so anonym wie möglich und von der Öffentlichkeit unbeobachtet. Dabei hat es sich Federer zur Aufgabe gemacht, immer wieder mit Junioren aus aller Welt zu trainieren.

«Auch für mich aufregend»

Neue Gesichter, neue Impulse – das alles hilft ihm, auch in der 20. Saison als Profi die kindliche Freude am Spiel zu bewahren. Für ihn sind es Bäder im Jungbrunnen. «Es ist schön, mit jemandem zu, trainieren, der so aufgeregt ist und für den das alles eine grosse Sache ist», sagt Federer. «Auch für mich ist das sehr aufregend. Als Junior hätte ich auch gerne mit den Besten trainiert.»

Auch deswegen stand Federer in den vergangenen Monaten mit Jakub Paul (18), Raphael Baltensperger (20) und Yannik Steinegger (17) mit drei Talenten aus der Swiss-Tennis-Schmiede auf dem Platz. Gewinnt Federer die Australian Open, dürfen aber auch sie sich ein bisschen wie Sieger fühlen. Denn ohne Bäder im Jungbrunnen wäre Federer vielleicht längst zurückgetreten.

Jakub: «Habe das Tiebreak gewonnen»

«Ich konnte bisher einmal mit Roger trainieren, das war vergangenes Jahr kurz nach den US Open. Es war ein lockeres Schlagtraining. Der Kontakt kam via Severin Lüthi zu meinem Coach Sven Swinnen von Swiss Tennis zustande. Die Anfrage kam einen Tag vorher und es war natürlich sofort klar, dass ich das machen würde. Am Anfang konnte ich es gar nicht glauben, und ich war natürlich sehr nervös, ich habe ihn dort auch das erste Mal getroffen.
Im Vorfeld habe ich nur der Familie davon erzählt, sonst niemandem. Begleitet hat mich ebenfalls niemand und Rogers Coach Severin Lüthi war auch nicht dort, wir waren also wirklich nur zu zweit. Roger kam sofort auf mich zu, hat mich begrüsst und mir auch erzählt, dass er versucht, mitzuverfolgen, wie sich die Schweizer Junioren an den Grand-Slam-Turnieren schlagen.

Jakub Paul hat gegen Roger Federer das Tiebreak gewonnen.

Jakub Paul hat gegen Roger Federer das Tiebreak gewonnen.

Das Training dauerte zirka anderthalb Stunden. Mich hat beeindruckt, wie ruhig Roger spielt, wie leicht bei ihm alles aussieht. Er ist unglaublich nett und sympathisch. Zwar habe ich recht gut gespielt, aber wenn ich einen Fehler gemacht habe, dachte ich innerlich: ‹Oh nein, das war jetzt nicht gut.› Am Schluss haben wir dann ein Tiebreak gespielt, das habe ich sogar gewonnen. Ich habe einfach ausgeblendet, dass Roger auf der anderen Seite steht. Einer der wertvollen Tipps, die mir geblieben sind, ist: Man soll versuchen, von den Besten zu lernen. Für mich war das ein sehr spezielles Erlebnis.»

Raphael: «Habe es niemandem gesagt»

«Severin Lüthi hat Yves Allegro, den Headcoach von Swiss Tennis, angerufen, und dieser hat mich dann gefragt. Wir haben ein paar Mal für zwei bis drei Stunden am Stück trainiert. Wenn wir kürzere Einheiten gespielt haben, war es dafür auch mal zwei Mal am Tag. Das waren jeweils drei, vier Tage am Stück. Als ich das erste Mal gefragt wurde, war ich richtig nervös, denn Roger war schon immer mein Vorbild. Mein Coach Sven Swinnen war jeweils dabei, dann Federers Coach Severin, manchmal auch Ivan Ljubicic.

Beeindruckt hat mich, wie locker Roger immer drauf war. Er macht viele Spässe. Besonders bemerkenswert ist für mich, wie locker er in den Pausen ist – und wie komplett konzentriert er ist, sobald er wieder auf dem Platz steht. Natürlich war ich beim ersten Mal sehr nervös, das hat sich dann aber schnell gelegt. Wenn du mit Roger trainierst, bist du wohl noch etwas mehr fokussiert als sonst. Deshalb bin ich auch zufrieden, wie ich jeweils gespielt habe. Während der Ballwechsel überlegst du nicht gross, ob du jetzt den Punkt gegen Roger gemacht hast, und blendest aus, wer gegenübersteht.

Raphael Baltensperger posiert mit Roger Federer.

Raphael Baltensperger posiert mit Roger Federer.

Wenn ich jetzt darüber nachdenke, ist es ein sehr spezielles Gefühl. Vor dem Training habe ich es nie jemandem gesagt, das sollten nicht zu viele Leute wissen. Erst nach ein paar Tagen habe ich ein Bild gepostet. Roger hat mir einige Tipps gegeben und sich am Schluss jeweils bedankt. Ich hoffe, es war nicht das letzte Mal.»

Yannik: «Mit vier Bodyguards zum Platz»

«Am Abend vor dem Basel-Final hat mich Marco Chiudinelli per WhatsApp gefragt, ob ich am nächsten Tag mit Roger einspielen möchte. Natürlich musste ich nicht lange überlegen. In der Nacht zuvor habe ich dann nicht gut geschlafen und war sehr nervös. Das hat sich dann aber schnell gelegt, weil Roger als Person sehr locker drauf ist und einem so die Nervosität nimmt.

Ich hatte Roger zuvor schon einmal getroffen, und als ich ihn dann in Basel traf, sagte er: ‹So sieht man sich wieder.› Dass er sich an mich erinnert, hätte ich niemals erwartet, denn er sieht und trifft ja so viele Leute. Es zeigt aber auch, wie bodenständig er ist. Wir haben etwa eine halbe Stunde auf einem Nebenplatz eingespielt. Vorher mussten wir durch alle Leute hindurch zum Platz, da wurden wir von vier Bodyguards begleitet, das war sehr speziell.

Yannik und Roger Federer.

Yannik und Roger Federer.

Am meisten hat mich überrascht, wie entspannt Roger vor dem Final war. Er hat mich gefragt, was ich so mache, mit Severin Lüthi gesprochen und schien überhaupt nicht angespannt zu sein. Roger merkt man an, wie viel Freude ihm das Tennis macht. Mir ist klar, welches Glück ich hatte, dass ich mit ihm einspielen durfte. Sollte er mich wieder einmal brauchen, bin ich sofort dabei und bereit, weit dafür zu reisen. Ich bin zufrieden, wie ich gespielt habe, Roger hat ja nachher auch den Final gewonnen. Ich werde nie im Leben vergessen, dass ich mit dem besten Tennisspieler aller Zeiten einspielen durfte.»