Novak Djokovic fuhr nach zwei Stunden und drei Minuten mit 6:7 (10:12), 6:0, 6:2 doch noch den erwarteten Pflichtsieg ein. Nach 69 Minuten und dem Ende des ersten Satzes hatte es für den 29-jährigen Serben nicht gut ausgesehen. Dominic Thiem, der Sieger des Gstaader Turniers von 2015, zeigte eine sensationelle Leistung. Auf dem schnellen Hallenbelag traute kaum einer dem 23-jährigen Österreicher zu, Djokovic auch nur bedrängen zu können. Aber Thiem sicherte sich mit 12:10 im Tiebreak den ersten Satz, obwohl er die ersten sechs Satzbälle nicht nutzte, und obwohl ihm im Tiebreak die drei einzigen Doppelfehler der gesamten Partie unterliefen.

Im ersten Moment nahm Djokovic den Satzverlust alles andere als gelassen hin. Er hämmerte einen Ball ins Publikum (und erst noch in Richtung seiner eigenen Betreuer) und kassierte dafür eine Verwarnung. Später schmunzelte er über seinen Ausraster. Djokovic: "Dominic (Thiem) gewann den ersten Satz verdientermassen. Er spielte die wichtigsten Ballwechsel besser als ich. Aber ich konnte mich nach dem ersten Satz sammeln und aufraffen. Ich fühlte mich trotz des Satzrückstandes gut. Der gute Start in den zweiten Satz half bei der Wende."

Schon im ersten Satz gewann Djokovic mehr Ballwechsel als Thiem (50:48). Im zweiten Satz nützte der Serbe dann auch seine Chancen. Der zweite Satz dauerte bloss 22 Minuten. Und auch im Entscheidungssatz gelang dem Serben zum 2:1 ein frühes Break; mit einem fünften Aufschlagdurchbruch zum 5:2 gelang Djokovic die Vorentscheidung.

Dank dem Sieg nach Satzrückstand kann Djokovic die Nummer 1 von Andy Murray weiter aus eigener Kraft zurückerobern. Wenn Djokovic eines der drei Vorrundenspiele verliert, reicht der Turniersieg in London nicht mehr in jedem Fall zur Rückeroberung der Nummer 1 aus. Gegen seine drei Vorrundengegner Thiem, Milos Raonic und Gaël Monfils hat Djokovic sämtliche 24 Direktbegegnungen gewonnen. Thiem holte erstmals einen Satz gegen Djokovic.

Novak Djokovic trifft am Dienstag im zweiten Gruppenspiel auf den Kanadier Milos Raonic, der das zweite Gruppenspiel gegen den Masters-Debütanten Gaël Monfils mit 6:3, 6:4 gewann.