Wimbledon

Murray lässt Raonic keine Chance und gewinnt seinen dritten Grand-Slam-Titel

Andy Murray ist zum zweiten Mal nach 2013 Wimbledon-Champion. Er gewinnt im Final klar in drei Sätzen gegen Milos Raonic.

Nach einer dreijährigen Durststrecke und drei verlorenen Finals durfte Andy Murray wieder einmal am Ende eines Grand-Slam-Turniers jubeln. Der Schotte holte sich mit einem Dreisatz-Sieg gegen Milos Raonic seinen zweiten Wimbledontitel.

Der Druck auf Murray war nicht zu vergleichen mit dem Final von 2013. Als erster Brite seit Fred Perry 77 Jahre zuvor hatte er den wichtigsten Tennistitel der Welt ins Heimatland zurückgeholt. Dennoch konnte der 29-jährige Schotte am Ende die Tränen nicht ganz zurückhalten, als er auf seinem Stuhl sass und auf die Übergabe der Trophäe wartete. Danach hielt er den Pokal so zärtlich in den Armen wie sonst wohl nur seine im Februar geborene Tochter Sophia.

Immerhin war es auch diesmal für ihn um viel gegangen. Zum einen war er als Nummer 2 der Welt nach dem sensationellen Ausscheiden von Novak Djokovic in der 3. Runde der grosse Favorit. Zum andern hatte er seit jenem denkwürdigen Sonntag im Jahr 2013 drei Grand-Slam-Finals verloren, alle gegen Djokovic. Murray war also wieder einmal fällig für einen grossen Titel, nachdem er diesen zuletzt am Australian Open und in Paris jeweils im Final verpasst hatte. Er trat so auf, dass an seinem Sieg kaum je Zweifel aufkamen.

Der als Nummer 2 gesetzte Murray brauchte für das 6:4, 7:6 (7:3), 7:6 (7:2) gegen Raonic (ATP 7), der im Halbfinal Roger Federer in fünf Sätzen bezwungen hatte, 2:48 Stunden. Der Kanadier kam nur einmal - beim Stand von 2:2 im dritten Satz - zu zwei Breakchancen. Der Finaldebütant wirkte aber verkrampft und konnte seine gewaltige Schlagkraft kaum einsetzen. Murray spielte taktisch geschickt und war in den Grundlinienduellen klar besser. Raonic hingegen griff zu oft auf die bekannt starke Rückhand des Briten an und wurde prompt Mal um Mal passiert. Da hatte die umfangreiche Entourage von Raonic mit den drei Coaches John McEnroe, Carlos Moya und Riccardo Piatti keinen optimalen Job gemacht.

Insgesamt war der erste Wimbledonfinal seit 2002, an dem weder Roger Federer noch Rafael Nadal oder Novak Djokovic beteiligt war, eine enttäuschende Angelegenheit. Vor 14 Jahren hatte Lleyton Hewitt den Argentinier David Nalbandian in drei Sätzen deklassiert, diesmal geriet Murray nie in ernsthafte Schwierigkeiten. Die Partie war klarer, als es das Resultat am Ende aussagte.

Der Brite verschaffte sich sieben Breakchancen, konnte aber nur eine - im siebten Game des ersten Satzes - nutzen, als ein Volley Raonics im Netz landete. Dass der 1,96 m gross Kanadier von der Grundlinie nicht mit Murray mithalten konnte, war keine Überraschung. Dass dieser aber sogar beim Aufschlag Vorteile hatte, schon eher. Trotz Tempi bis zu 236 km/h gelangen dem gebürtigen Montenegriner nur 29 Punkte (8 Asse), dem Lokalmatadoren jedoch deren 34 (7).

Selbst in den Tiebreaks kam nie Spannung auf. Sowohl im zweiten wie im dritten Satz ging Murray in der Kurzentscheidung 6:1 in Führung. Auch am Ende zitterte der 29-jährige nicht und nutzte seinen zweiten Matchball nach einem Rückhand-Fehler des vier Jahre jüngeren Raonic. Der Kanadier machte sich keine Vorwürfe. "Ich war vielleicht zu Beginn etwas zu passiv in seinen Aufschlagspielen", fand er. "Aber ich habe gekämpft und alles gegeben. Er war von der Grundlinie und in den Tiebreaks einfach zu stark." Er werde aber alles tun, um wieder in den Final zu kommen und dann noch stärker zu sein.

Für Murray ist es im elften Grand-Slam-Final erst der dritte Titel, den ersten hatte er am US Open 2012 gewonnen. Er wäre der erste Spieler in der Profiära gewesen, der bei den ersten drei Major-Turnieren jeweils im Endspiel verloren hätte. "Letztes Mal konnte ich den Sieg nicht zu geniessen, weil der Stress zu gross war", gab Murray auf dem Platz zu. Dieses Jahr ist der Erfolg wohl umso süsser.

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