Kurz vor zehn Uhr setzt das aus Bad Ragaz kommende Kleinflugzeug auf dem Rollfeld des Flughafens Genf-Cointrin auf. An Bord der Maschine: Roger Federer und seine Entourage. Auf sie wartet bereits ein blauer Mercedes-Benz, G-Klasse, bemalt mit einem Kreis aus 12 goldenen Sternen, dem Symbol der Europaflagge.

Empfangen wird Federer von Björn Borg, dem Captain des Teams Europa, das vom 20. bis 22. September in Genf im dritten Duell mit dem Team Restwelt den dritten Sieg anpeilt. Immer ist eine Kamera dabei, immer lauscht ein Mikrofon mit. Als die beiden später über das Seebecken des Lac Léman fahren, schwebt eine Drohne über dem Boot, welche Bilder davon fast in Echtzeit in die Welt hinausträgt.

Mit einem Ass setzt Federer den Springbrunnen Jet d’Eau, das Genfer Wahrzeichen, in Gang. Die Fontäne schiesst in den von Wolken behangenen Himmel, die Illusion ist perfekt. «In Tat und Wahrheit sass da einer und drückte im richtigen Moment den Knopf», gibt Federer danach zu. «So viel Magie habe auch ich nicht.»

Unbescheidene Ansprüche

Die Episode steht exemplarisch für das perfekt inszenierte Schauspiel, das dieser Laver Cup darstellt. Der Anspruch ist unbescheiden. «Wir wollen den besten und grössten Sportanlass auf die Beine stellen, den die Schweiz je gesehen hat», sagt Federers umtriebiger Manager Tony Godsick danach im kleinen Salon des Palais Eynard im Parc des Bastions zur «Schweiz am Wochenende». Von den Decken des klassizistischen Baus hängen rote Vorhänge, prunkvolle Kronleuchter beleuchten den Raum spärlich.

Der Laver Cup ist in einer Zeit der Umwälzungen im Welttennis nicht unumstritten. Kritiker sagen, das Format sei sportlich ohne Bedeutung, weil es nicht um Punkte für die Weltrangliste gehe. Der Laver Cup bedrohe den Davis Cup, ihm fehle die Tradition und es gehe nur ums Geld. Doch wer die bisherigen Austragungen in Prag und Chicago gesehen hat, findet viele Gründe, warum der Laver Cup eine Zukunft haben dürfte: die Weltbesten nehmen teil, die Hallen sind voll, das Erlebnis einmalig.

Spagat zwischen Tradition und Moderne

Der Laver Cup ist sowohl Hommage an die Legenden des Sports wie auch Bühne für die Generation von morgen. Ein Spagat zwischen Tradition und Moderne. «Es ist ein Tennisfest für alle: Für die Spieler, für die Fans», sagt Federer. Vom Erfolg sei aber auch er überrascht. «Schon Prag war unerwartet ein totaler Erfolg.» Man sei heute viel weiter, als er sich das je habe erträumen lassen. Dann skizziert er noch einmal die Vision, die er verfolgt: «Die Idee war es immer, dass alle zusammenkommen und es für alle stimmt.» Ein Fest für Spieler, Fans und Sponsoren.

Roger Federer, wie er fleissig Autogramme an seine Fans verteilt.

Wer Roger Federer (37) an diesem Tag reden hört, könnte meinen, beim Laver Cup würden längst alle Fäden bei ihm zusammenlaufen. Doch er legt Wert darauf, «Tennisspieler und nicht in der Organisation» zu sein, sagt aber auch: «Ich kann mitreden und meine Meinung sagen, was man anders machen könnte.»

Federer als Taktgeber

Federer ist weit mehr als nur das Aushängeschild, er ist der Taktgeber. Dabei genügt ein Blick auf die Initianten und Geldgeber. Unter ihnen sind auch zwei der wohl mächtigsten Tennisverbände der Welt: Tennis Australia und die USTA, der amerikanische Verband. Als Geldgeber tritt mit Federer-Freund Jorge Paulo Lemann einer der zehn reichsten Menschen der Welt auf. Und wer Federer als Sponsor unterstützt, hat auch beim Laver Cup seine Finger im Spiel: die Credit Suisse, Mercedes-Benz, Rolex, Moët & Chandon. Orchestriert von Tony Godsick und dessen Agentur Team 8, bei der Federer Teilhaber ist.

Die Partner ermöglichen es dem Laver Cup auch, mit dem Charme des Geldes zu locken. 250 000 Franken erhalten die sechs Spieler des Siegerteams, dazu eine Antrittsgage in unbekannter Höhe. Keine schlechte Börse für eine knappe Woche. Das ist sicher mit ein Grund, weshalb die Weltbesten gerne mitmachen, obwohl es keine Verpflichtung und keine Punkte für die Weltrangliste gibt.

Perfekte Symbiose zwischen Sport und Geschäft

Massgebend ist die Weltrangliste, dazu können die beiden Teamcaptains, Björn Borg und John McEnroe, drei weitere Spieler nominieren. Borg sagt: «Ich habe als Erstes mit Roger und Rafa gesprochen. Beide sagten sofort zu.» Eine Garantie, dass Stan Wawrinka, der aus der Region stammt, aus nostalgischen Gründen ein Aufgebot für den Laver Cup vor seiner Haustür erhält, gibt er nicht ab. «Ich will das beste Team haben, es geht um den Sieg.»

Als Borg seine Worte gesprochen hatte, betrat Steve Zacks, Präsident des Laver Cups, noch einmal die Bühne und sagte, die dritte Ausgabe sei bereits ausverkauft, zwei Stunden nach Verkaufsbeginn. Die günstigsten der 17 000 Tickets sind für 250 Franken für die drei Tage erhältlich. Geld wird vor allem mit den Premium-Angeboten verdient: Bis zu 12 000 Franken kosten die teuersten Logen, alles Exklusive inklusive: exklusives Menü, exklusive Getränke, exklusiver Zugang zu den Plätzen.

Tennis ist der Lockstoff. Und auf die global operierenden Unternehmen, die hinter dem Laver Cup stehen, wirken Name, Gesicht und Werte, die Roger Federer verkörpert, wie ein Aphrodisiakum. Der Laver Cup mag im Ruf stehen, ein Schauspiel ohne sportlichen Wert zu sein, doch er ist eben auch: perfekte Symbiose zwischen Sport und Geschäft. «Vielleicht stelle ich Roger im Doppel gar nicht auf», sagte Björn Borg und musste selber lachen. Auch er weiss, dass Federer für den Laver Cup mehr ist als ein Spieler.

Hinweis: TV24 überträgt alle Spiele des Laver Cups LIVE aus Genf!

Trailer LaverCup 2019

Laver Cup 2019