Früh zeichnete sich ab, dass Federer ein grosses Sporttalent ist. Sein Fitnesstrainer Pierre Paganini ist überzeugt, dass Federer auch als Fussballer eine glänzende Karriere hätte hinlegen können.

Doch mit zwölf Jahren entschied er sich, ganz auf die Karte Tennis zu setzen. Er war immerhin Schweizer Meister der Kategorie U12 geworden. Ein Selbstläufer waren diese Erfolge damals nicht. Federer hatte harte Konkurrenz – nicht nur im eigenen Land, sogar in der eigenen Region.

Da ist Danny Schnyder, der Bruder von Patty. Der ist ein halbes Jahr älter, wohnt in Bottmingen, dem Nachbardorf von Münchenstein, wo Roger zu Hause ist. «Wir spielten im Alter zwischen acht und zwölf Jahren 17-mal gegeneinander, die ersten achtmal gewann ich, danach setzte sich immer Roger durch», erinnert sich Schnyder.

«Meine ersten Siege waren logisch, da er die Rückhand einhändig spielte und deshalb dort noch schwächer war», sagt Schnyder. «Ich habe ihm immer nur auf die Backhand gespielt, weil er dort viele Fehler machte.» Sein Vorteil sei auch gewesen, dass er etwas früher angefangen habe.

Sie wurden sehr gute Freunde, sahen sich dreimal die Woche. «1995 wurden wir im Doppel Schweizer Meister, im Einzelfinal hat er mich geschlagen», weiss Schnyder. Danach seien die Unterschiede immer deutlicher geworden.

«Er entschied sich, nach Ecublens zu gehen, in die Akademie, ich blieb in Basel auf der öffentlichen Schule.» Noch, zwei-, dreimal trainierte er pro Woche, die Schule wurde immer wichtiger. «Wäre ich auch zu Swiss Tennis, hätte ich es vielleicht unter die besten 500 der Welt schaffen können, aber nie so weit wie Roger», denkt Schnyder.

Um ein grosser Tennisspieler zu werden, brauche es Talent und Hingabe, beides vereinige Roger. Rogers Talent habe er früh bemerkt, dass er allerdings mal die Nummer eins der Welt werde, daran glaubte er nicht.

«Aber ich kenne niemanden, der so viel Genialität, Gefühl, ein Händchen und vor allem eine solche Liebe zum Tennis mitbringt», zählt Schnyder Gründe auf, weshalb Federer solch eine Karriere hinlegt.

Eine solche Liebe zum Tennis brachte er nicht mit. «Aber ich bin glücklich, wie ich meinen Weg gegangen bin.» Inzwischen ist der 30-Jährige Abteilungsleiter einer Firma im Risikomanagement in Mexiko. Die Freundschaft mit Roger ist geblieben. «Ich treffe ihn nicht oft, aber wenn, dann freue ich mich und ich fiebere bei allen seinen Matches mit», erzählt er.

Federer sei eine treue Seele, ehrgeizig, aber nicht vergiftet. Schnyder: «Wir spielten ein Match, er gewann den ersten Satz, mir lief es nicht. Da baute er mich beim Seitenwechsel auf, ermunterte mich. Tatsächlich gewann ich den zweiten Satz. Danach liefs genau umgekehrt, er haderte mit seinem Spiel, nun half ich ihm und er gewann.»

Training in Jeans

Wie Federer und Schnyder ist auch der in Thun geborene und heute im Aargau lebende Sven Swinnen 1981 geboren. «In der Juniorenzeit habe ich Roger tatsächlich ein paar Mal geschlagen, vor allem in der Kategorie U14», weiss er.

«Allerdings habe ich im Final der Schweizer Meisterschaften in Nyon eine bittere Niederlage kassiert. Roger war schon damals nervenstark, machte einen 1:5-Rückstand im dritten Satz wett und wehrte Matchbälle ab.»

Dafür habe er bei den Zentralschweizer Meisterschaften zweimal im Final gewonnen. «Und meinen klarsten Sieg feierte ich in Baden-Baregg bei einem nationalen Turnier mit 6:0, 6:4», sagt Swinnen.

Nach dem U14-Bereich habe Federer das Zepter übernommen und seine Bilanz gegen ihn langsam verbessert. In Mexiko trafen sie sogar in der letzten Qualifikationsrunde eines U18-Turniers aufeinander.

«Gemeinsam durften wir mit 14 Jahren nach Ecublens in die Akademie von Swiss Tennis», erzählt Swinnen. Sie waren in der gleichen Klasse, trainierten viel miteinander. «Manchmal schwänzten wir auch ein Training, gingen zum Gamen in den Toys'R'Us oder kauften Schleckzeug.»

Obwohl Roger im ersten Jahr viel unter Heimweh gelitten habe, sei es eine gute Zeit gewesen. Ehrgeizig waren sie, nicht nur beim Tennis, auch beim Basketball oder Tischtennis. «Ich war in der Schule ehrgeiziger als Roger», erinnert sich Swinnen.

«Als wir französische Wörtli lernten, hatte er plötzlich genug, lief auf den Tennisplatz und übte ganz allein Aufschläge – in Jeans. Ich denke, dass sich Roger schon in jungen Jahren wirklich nur als Tennisspieler sah und dieses Ziel unbedingt erreichen wollte. Mit viel Biss ging er diese Aufgabe ab und machte enorme Fortschritte», sagt Swinnen.

«Ich dagegen entschied mich für die Schule, machte die Matura, absolvierte nachher das College in Amerika und versuchte mich nachher noch als Profi», schildert Swinnen seine Laufbahn. Die brachte ihm zwei Turniersiege auf der Future-Tour, der dritthöchsten Profikategorie. Im Mai 2007 kletterte er auf Platz 451 der Weltrangliste. Wenig später beendete er seine Karriere, seither ist er Nationaltrainer bei Swiss Tennis.

Die strenge Mutter

«Ich habe Roger vor ein paar Jahren in Tokio getroffen und war überrascht, dass er immer noch derselbe geblieben ist», sagt Jun Kato, der knapp ein Jahr älter ist als Federer und damals in Basel wohnte. Das finde er sehr stark und Federer solle sich bei seiner Mutter bedanken, die sehr streng gewesen sei. «Im Final U14 der Schweizer Meisterschaft habe ich ihn geschlagen, seine Mutter wollte Fotos machen, aber Roger lehnte ab, weil er zu enttäuscht war», erinnert sich Kato.

Doch 20 Minuten später habe er bereits wieder Witze gemacht und mit ihm dann das Doppel gewonnen. «Kurz darauf waren wir in Belgien an einem Turnier, wohnten bei einer Familie. Die wollte uns nach drei Tagen rauswerfen, weil wir uns so schlecht benommen hatten. Zum Glück kam mein Vater, wir konnten ins Hotel», erzählt Kato. Er freue sich für Roger, der fast alles gewonnen habe, aber nicht mehr normal leben könne.

«Mir aber gefällt mein Leben hier, ich bin mit dem Studium fast fertig und trainiere einen jungen Tennisspieler, der sehr motiviert ist. Ausserdem ist das Leben in Tokio viel spannender als in Genf.» Kato beendete vor sechs Jahren seine Profikarriere, die ihn Mitte des Jahres 2003, zum Zeitpunkt von Federers erstem Wimbledonsieg, auf Platz 367 führte.