Tennis

Die ewige Frage nach dem Regendach in Paris

Helfer befreien die Abdeckung auf dem Court Philippe Chatrier vom Regenwasser – solche Probleme gäbe es mit einem Regendach nicht.

Helfer befreien die Abdeckung auf dem Court Philippe Chatrier vom Regenwasser – solche Probleme gäbe es mit einem Regendach nicht.

Stan Wawrinka zieht trotz Regenwetter in die Viertelfinals der French Open ein – sein potenzieller Gegner Roger Federer konnte den Achtelfinal gegen Monfils wegen der Verzögerungen nicht beenden und muss nachsitzen

Es war wieder einer dieser Tage in Roland Garros, an dem sich die Organisatoren der French Open am liebsten ganz tief unter ihren grossen Regenschirmen versteckt hätten. Denn der Tief-Ausläufer, der den gesamten Sonntag über Regenwetter über Boulogne im Südwesten von Paris hinwegschickte, schwemmte auch wieder die leidige Frage auf, die inzwischen zu einer Art Treppenwitz geworden ist: Wo bleibt denn nun endlich das Dach?

Grandioser Flop

Die Antwort auf dieses so unangenehme Dauerthema hätte sich Turnierdirektor Gilbert Ysern gerne erspart, denn mehr als Durchhalteparolen kann er ohnehin nicht bieten. Und eigentlich ist die Frage nach der Überdachung des Stadions sowieso bloss noch rhetorisch. Inzwischen hat auch der willigste Optimist bemerkt, dass das seit einer gefühlten Ewigkeit gross angekündigte Umbauprojekt zu einem grandiosen Flop avanciert ist.

Jedes Jahr verschiebt sich der Beginn der Bauarbeiten, denn immer wieder stoppen Einsprüche verärgerter Nachbarn, Politiker und Umweltschützer das Projekt. Eigentlich hätte der Court Philippe Chatrier längst überdacht sein und ein weiteres, neues Stadion mit einer flexiblen Dachkonstruktion zumindest in der Fertigstellung sein sollen. Stattdessen sagt Ysern nun: «Wir hoffen, dass wir bis 2019 fertig sind. Wenn wir die Baugenehmigung im Juni nicht bekommen, verlieren wir allerdings ein weiteres Jahr.»

Viel Geduld gefordert

Ein Spieler wie Roger Federer wird mit seinen 33 Jahren das Richtfest in Roland Garros sicherlich nicht mehr als Aktiver erleben. Und so war besonders für den Baselbieter an diesem Achtelfinaltag der French Open mal wieder viel Geduld gefordert. Regenpausen am Mittag und zudem ein Match vor seinem auf Court Philippe Chatrier zwischen Tomas Berdych und Jo-Wilfried Tsonga, das in die Verlängerung ging. Und immer wieder drohten für den Abend weitere Schauer auf dem Wetterradar. Zu einer Partie auf den Platz gehen zu müssen, bei der man sicher weiss, sie wohl nicht vor Einbruch der Dunkelheit beenden zu können – das schmeckt keinem Tennisprofi.

Vielleicht hatte es Stan Wawrinka gerade deshalb so eilig. Der Lausanner musste 100 Meter Luftlinie entfernt auf dem Court Suzanne Lenglen ran gegen den Franzosen Gilles Simon. Vielleicht wollte Wawrinka aber auch nur so schnell wie möglich wieder runter vom Platz, denn schon als der 30-Jährige den ersten Fuss ins Stadion setzte, hallten erbitterte Buhrufe von den Rängen. Die französischen Zuschauer hatten den Davis-Cup-Final im letzten Dezember noch nicht vergessen – und den Schweizer Sieg längst nicht verziehen. Umso mehr sank ihre Begeisterung ab, als sich Wawrinka in nur 26 Minuten den ersten Satz mit 6:1 schnappte. Der Weltranglistenneunte spielte druckvoll von der Grundlinie, liess dem nur vier Ränge hinter ihm platzierten Simon keine Chance.

Der Franzose plagte sich im Vorfeld des Sandplatzklassikers mit einer Nackenverletzung, doch die frenetischen «Gillou, Gilliou»-Rufe von den Rängen trieben Simon in lange Rallyes mit Wawrinka. Der lag im zweiten Satz bereits mit dem Break zum 3:2 vorn, doch Simon glich unter tosendem Jubel zum 4:4 aus. Die Freude währte nur kurz, Wawrinka liess sich von den ständigen Buhrufen nicht irritieren und holte sich mit wilder Entschlossenheit den zweiten Durchgang mit 6:4.

Ein Coach für beide Franzosen

Für Simons deutschen Coach Jan de Witt war es eine Zerreissprobe, schliesslich hatte sein zweiter Schützling Gael Monfils gerade ebenfalls seine Partie gegen Federer begonnen. «Wir haben festgelegt, dass ich zu dem Spieler in die Box gehe, der zuerst anfängt», sagte de Witt. Er sollte nach dem souveränen 6:1, 6:4 und 6:2-Sieg Wawrinkas, der zum zweiten Mal in den Viertelfinal einzog, zumindest pünktlich zur 3:0-Führung von Monfils im zweiten Durchgang erscheinen. Auch für den Pariser mit den karibischen Wurzeln war der Start missglückt, Federer lag im ersten Satz schnell mit 4:2 vorne. Ihn hatte auf dem Court Philippe Chatrier niemand ausgepfiffen, im Gegenteil. Bei Breakbällen gegen Monfils hallten sogar «Allez Roger»-Rufe durch die Ränge.

Die letzten beiden Partien – beim Davis-Cup-Final und in Monte Carlo – gewann Monfils. Doch in Lille war Federer am Rücken angeschlagen, im Fürstentum war er gerade erst in die Sandplatzsaison eingestiegen. Monfils ist jedoch überzeugt: «Ich weiss inzwischen, wie ich Roger richtig Probleme machen kann.» Sechs seiner letzten elf Matches in Paris gingen über fünf Sätze – insgesamt zehnmal gewann er in Roland Garros einen Marathon. Allerdings hat der 28-jährige Franzose auch nicht vergessen, dass er im Viertelfinal der US Open mit 2:0 in den Sätzen und zwei Matchbällen gegen Federer geführt und doch verloren hatte. «Tja, manchmal hat mich Roger auch gekillt», gab er zu.

Wie es dieses Mal ausgehen wird, entscheidet sich erst heute. Denn beim Stand von 6:3, 4:6 aus Sicht von Federer musste die Partie am Sonntagabend unterbrochen werden. Unter dem Unmut der Tennisfans. Und Gilbert Ysern wurde einmal mehr bewusst, wie weit sein Turnier den anderen drei Grand Slams hinterherhinkt.

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