Tennis
1055 zerstörte Schläger: Bad-Boy Marat Safin für seine Wutausbrüche geehrt

Er war der letzte Bad Boy im Tennissport: Aus Frust und Jähzorn zerstörte Marat Safin 1055 Schläger in seiner Karriere. Zum Start seiner zweiten Laufbahn auf der Senioren-Tour ehrte ihn die ATP dafür nun mit einem Preis.

Drucken
Teilen

Zugegeben, es ist eine etwas spezielle Auszeichnung: Doch der ehemalige russische Top-Spieler Marat Safin war berühmt berüchtigt für seine Wutausbrüche. Deshalb wurde er nun von dem Welttennisverband ATP ausgezeichnet.

Ehrgeiz und Jähzorn spielten bei Safins Karriere eine Hauptrolle. Sein aufbrausendes Gemüt sorgte in seiner 12-jährigen Karriere für jede Menge Metallschrott. Insgesamt 1055 Schläger zerhackte und zertrümerte der Russe in seiner Karriere. Die Statistiker hatten genau mitgezählt.

Die ehemalige Nummer eins konnte immer wieder toben
11 Bilder
Safin war auch bekannt, dass er sich hin und wieder mit den Linienrichtern anlegte
...und mit den Schiedsrichtern
Marat Safin zertrümmerte an jedem Turnier etliche Schläger – hier an den French Open
Safin mit vollem Einsatz – oftmals hatte es sich gelohnt – wenn nicht flog mindestens ein Schläger
Safin wütend am Boden
Safin sorgte auch abseits des Platzes für Schlagzeilen Ein blaues Auge nach einer Schlägerei in einer Disco
Marat Safin
Safin war zwischenzeitlich sogar die Nummer eins
Erfolgreiche Geschwister: Marat Safin und DInara Safina
Marat Safin zertrümmerte insgesamt 1055 Schläger in seiner Karriere

Die ehemalige Nummer eins konnte immer wieder toben

Für Mini-Comeback 100 Schläger nachbestellt

Nun darf sich der mittlerweile 32-jährige Russe eine weitere Trophäe neben die Pokale der US Open (2000) und Australian Open (2005) in den Schrank stellen. Die ATP zeichnete Safin für sein rüpelhaftes Verhalten aus.

Die Vereinigung der professionellen Tennisspieler drückte damit ihren Respekt für einen Spieler aus, der nie unumstritten war.

Dabei hatte Safin an der Spitze der Weltrangliste gestanden und im Finale von New York den damals überragenden Pete Sampras bezwungen. «Es ist eine Karriere der verpassten Chancen», sagte sein Manager Ion Tiriac einst und Safin erklärte: «Ich bin ein Typ, der in keine Schablone passt. Und Tennis konnte nie mein ganzes Leben sein.»

«Die Tour braucht Safin»

Die Diskussion um fehlende Charaktere auf der Tennis-Tour reisst trotz der faszinierenden Duelle zwischen Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic nicht ab. Safins Trainer, der Schwede Peter Lundgren, wusste um die Vorzüge seines Schützlings: «Die ATP-Tour braucht ihn eigentlich. Er ist eine sehr spezielle Persönlichkeit und kann in der richtigen Stimmung ein echter Künstler auf dem Platz sein.»

Die Wutausbrüche und knallharten Grundschläge waren jedoch nur ein Teil dieser Persönlichkeit. Als Partykönig mit dicken Zigarren, Champagner und einer Entourage von ansehnlichen Blondinen schrieb Safin immer wieder Schlagzeilen.

Im letzten Jahr seiner Karriere tauchte er nach einer wüsten Disco-Schlägerei in Moskau mit blau unterlaufenen Augen beim Hopman-Cup auf. «Ihr hättet mal den anderen Typen sehen sollen», rief Safin gutgelaunt in die Menge.

Nun ist Marat Safin zurück auf der Tour – auf der ATP-Champions-Tour, dem Rentner-Zirkus der ATP, sozusagen. Hier ist Safin nun einer von vielen Typen. Gemeinsam mit Sampras, Carlos Moya aus Spanien und dem Australier Mark Philippoussis ist er der Star der Chengdu Open.

Ab und an schwingen sogar John McEnroe, Michael Stich und Mats Wilander die Schläger - zumeist vor beeindruckenden Kulissen. «Ich werde sicherlich nicht am Strand auf meinem Arsch sitzen und für den Rest meines Lebens nichts tun», hatte Safin bei seinem Abschied gesagt und Wort gehalten.

Seine Senioren-Laufbahn startete Marat Safin vorerst mit genau zwei Schlägern. Derart karg ausgestattet wurde es dem letzten Bad Boy des Tennis wohl etwas mulmig. Beim Turnier seines Mini-Comebacks im chinesischen Chengdu bestellte Safin 100 Rackets nach - man kann ja nie wissen.

Antritt bei Parlamentswahl in Russland

Da sein Leben jedoch nicht ausschliesslich auf dem Tennisplatz stattfindet, überraschte er in China mit einer neuen Idee. «Ich trete bei der Parlamentswahl in Russland an», sagte Safin und erläuterte: «Die Wahlen sind am 4. Dezember. Es ist eine neue Herausforderung. Ich denke, ich bin ein intelligenter Typ und bringe viele Ideen mit.»

Wie es sich für den Bad Boy des Profitennis gehört, garnierte er seine Bewerbung mit einem markigen Spruch: «Ich wäre der bestaussehende Kerl in der Duma - aber nur, weil alle anderen über 60 sind.» (sha/si)

Aktuelle Nachrichten