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Alle guten Dinge sind drei beim FC Sion: Das gute Gefühl mit Tramezzani

Für den italienischen Trainer beginnt die dritte Amtszeit beim FC Sion – der 51-Jährige ist getrieben vom Ehrgeiz, mit den Wallisern für Aufsehen zu sorgen.

Peter Birrer
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Der neue, alte Trainer des FC Sion: Paolo Tramezzani.

Der neue, alte Trainer des FC Sion: Paolo Tramezzani.

Pascal Muller/Freshfocus

Im Tal scheint die Sonne. Und drinnen, im engen Container, wird gute Stimmung verbreitet. An den Wänden hängen ein paar Bilder, die an schöne Momente erinnern, an Erfolge im Cup, an emotionale Kapitel in der Geschichte des Clubs aus dem Wallis. Normalerweise gibt in diesem Raum der Trainer drei Tage vor einem Match im kleinen Kreis Auskunft. Aber für einmal ist alles ein bisschen anders in Riddes. Es herrscht Andrang.

Am Rand des Dorfes, hinter einem grossen Baumarkt und nahe der Autobahn, liegt das Trainingszentrum des FC Sion. An diesem Donnerstag stellt der Verein seinen nächsten neuen Coach vor, wobei: So neu ist dieser Neue, der Marco Walker ersetzt, gar nicht. Paolo Tramezzani ist ein Rückkehrer - 2017 verbrachte der Italiener seine ersten knapp vier Monate hier, 2020 dauerte sein Aufenthalt gut zwölf Wochen.

Die Trainingsstätte des FC Sion in Riddes.

Die Trainingsstätte des FC Sion in Riddes.

Laurent Gillieron / KEYSTONE

Jetzt sitzt der 51-Jährige an einem Tisch, flankiert von Sportchef Barthélemy Constantin und Vizepräsident Gelson Fernandes, der auch als Dolmetscher fungiert. Tramezzani schaut in die Runde und sagt zufrieden: «Es fühlt sich an, als wäre ich wieder nach Hause gekommen.»

Die Reue von Tramezzani: «Mein Fehler»

Nun könnte man denken, dass dem mächtigen Präsidenten Christian Constantin die Ideen ausgehen. Es gäbe wohl originellere Lösungen, als einen anzustellen, der im August 2020 die Trennung provozierte, weil er den Chef mit überrissenen Lohnvorstellungen vor den Kopf stiess. Aber darüber sieht Constantin grosszügig hinweg, und Tramezzani zeigt ja Reue: «Es war mein Fehler, dass es nicht weiterging.» Alles gut.

Constantin beschreibt Tramezzani als Wettkämpfer, er sei einer wie damals der Argentinier Enzo Trossero. Dieses Feurige, Leidenschaftliche, das trägt Tramezzani in sich, aber er eckt oft auch an. «Mein Charakter ist nicht einfach», gibt er zu, was Teil der Erklärung dafür ist, dass er sich im Klubfussball bislang nirgends lange hielt. Im Sommer 2017 kam er von Lugano nach Sion, zog weiter zu Apoel Nikosia und via Livorno, Sion, Hajduk Split nach Saudi-Arabien zu Al-Faisaly. 31 Partien an einer Station bedeuten für ihn schon Rekord.

Er war der Arbeiter neben Künstlern

Fussball prägt seit je den Alltag von Tramezzani. Er wächst in der Emilia-Romagna auf, wird Profi in der Serie A, wechselt 1998 zu Tottenham und absolviert unter Christian Gross einige Einsätze. Der Verteidiger steht für solides Handwerk, das Künstlerische übernehmen andere, der Holländer Dennis Bergkamp zum Beispiel, einst Teamkollege bei Inter Mailand. Einmal sagte Tramezzani: «Ich musste jeden Tag mehr Aufwand betreiben als die anderen.»

Sion Vize-Präsident Gelson Fernandes: «Wir haben ein Anforderungsprofil erstellt und sind auf Tramezzani gestossen.»

Sion Vize-Präsident Gelson Fernandes: «Wir haben ein Anforderungsprofil erstellt und sind auf Tramezzani gestossen.»

Keystone

Mit 38 beginnt er mit der Trainerausbildung, und er reist viel in fremde Länder, um sich inspirieren zu lassen, in Europa, aber auch in Südamerika und Australien. Im italienischen Fernsehen tritt er regelmässig als eloquenter Experte in der populären Sendung «La Domenica Sportiva» auf. Sein Credo: «Fussball ist wie das richtige Leben: Du musst kreativ sein. Wenn eine Strasse plötzlich aufhört, ist es wichtig, sich einen nächsten Weg bahnen zu können.»

Ab 2011 assistiert Tramezzani während fünf Jahren seinen Landsmann Gianni De Biasi in der albanischen Nationalmannschaft. Der Höhepunkt des Schaffens: die Qualifikation für die EM 2016. Danach wagt er sich in den Klubfussball, den ersten Halt legt er in Lugano ein. Dort besucht er einmal mit seiner Mannschaft frühmorgens eine Fabrik, um ihnen aufzuzeigen, wie die Angestellten für ihren Lohn schuften müssen, während die Fussballer Privilegien geniessen und gut entlöhnt werden. Tramezzani kostete das Scheinwerferlicht früher auch aus, merkte aber: Das wahre Leben findet nicht unter dieser Glasglocke statt.

Tramezzani als Trainer von Lugano, seine erste Cheftrainerstelle.

Tramezzani als Trainer von Lugano, seine erste Cheftrainerstelle.

Keystone

Jetzt ist er also zurück bei Sion. Allerdings versichert Gelson Fernandes eines: «Es war nicht so, dass wir sagten: ‹So, jetzt rufen wir Paolo an und holen ihn.› Wir haben ein Anforderungsprofil erstellt, diskutiert, wer die Kriterien am ehesten erfüllen könnte und sind auf Tramezzani gestossen. Und er hatte grosse Lust auf diese Aufgabe.» Seine Zusage gibt den Verantwortlichen ein gutes Gefühl.

Fernandes sichert dem Coach Unterstützung zu

Morgen Sonntag gibt Tramezzani seinen Einstand im Tourbillon gegen den FC Basel. Für ihn ist das eine willkommene Gelegenheit, um einen Eindruck zu erhalten, wie weit die beiden Teams qualitativ auseinanderliegen: «Wir haben nichts zu verlieren, aber viel zu gewinnen.» Der Trainer hat Ziele, auch Träume mit dem FC Sion. Wie die aussehen, behält er lieber für sich. «Wichtig ist, dass man nie die Bodenhaftung verliert und bereit ist, viel zu investieren, um besser zu werden.»

Sagt's und macht sich an die Arbeit auf dem Platz.

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