Eishockey
Spektakel mit dem Alleinunterhalter

Timo Helbling hatte massgeblichen Anteil am Überraschungscoup des SC Bern im ersten Playoff-Duell mit den ZSC Lions.

Marcel Kuchta
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Die Bären haben nach dem 4:3-Sieg gegen die Löwen wieder allen Grund zum Jubeln.

Die Bären haben nach dem 4:3-Sieg gegen die Löwen wieder allen Grund zum Jubeln.

Keystone

Timo Helbling musste selber lachen, als er an seine Performance im ersten Playoff-Viertelfinal zwischen den ZSC Lions und den SC Bern dachte. Der SCB-Verteidiger hatte mit seinen Aktionen auf beiden Seiten des Eisfelds für Spektakel gesorgt. Erst freiwillig, als er mit einem wuchtigen Weitschuss den wichtigen Ausgleich zum 1:1 erzielt hatte. Dann unfreiwillig, als er beim Stand von 2:1 für seine Mannschaft als hinterster Mann stürzte und Pius Suter an sich vorbeiziehen lassen musste. Der folgende Stockwurf führte zu einem Penalty, den Suter souverän zum 2:2 verwandelte. «Ich war das Spiegelbild der Leistung unserer Mannschaft», kommentierte Helbling seine Darbietung, die bisweilen an einen Alleinunterhalter gemahnte. «Wir haben phasenweise sehr gut gespielt, dann aber auch wieder Pech gehabt. Es war ein turbulentes Spiel, welches auch viele Nerven gekostet hat.» Für den Hägendorfer war der Sieg nach Penaltyschiessen eminent wichtig, «weil wir so viel investiert haben. Wir wurden für unseren Aufwand belohnt. Jetzt ist die Serie lanciert».

Timo Helbling nahm den Penalty, den Pius Suter (im Bild) zum 2:2 verwertete, in Kauf.

Timo Helbling nahm den Penalty, den Pius Suter (im Bild) zum 2:2 verwertete, in Kauf.

Keystone

Der absichtliche Penalty

Seine Slapstick-Einlage vor dem 2:2 durch Pius Suter beschrieb der 34-Jährige als «unglücklichen Zufall. Ich fahre gut Schlittschuh. So ein Sturz passiert mir in 1000 Fällen 999-mal nicht.» Den folgenden Stockwurf hatte er mit Kalkül produziert. «Ich wusste, dass ich einen Penalty verursachen würde, dachte mir aber, dass die Chancen des Goalies so besser sind, das Gegentor zu verhindern.»

Die nächsten Partien

Bern - ZSC Lions (Heute, 20.15, Live SRF 2)

Kloten - Davos (Heute, 19.45)

Fribourg - Servette (Heute, 19.45)

Lugano - Zug (Heute, 20.15, Live TSI 2)

Am Ende waren Helblings Qualitäten als Alleinunterhalter nicht matchentscheidend. Vielmehr drängte sich gegen Ende der regulären Spielzeit ein anderer Berner Akteur in den Vordergrund, den man bis zum Donnerstagabend gar nicht auf Rechnung gehabt hatte: Sandro Wiedmer. Der Verteidiger war erst am Spieltag zu den Bernern gestossen, nachdem er am letzten Dienstag noch mit dem EHC Visp im entscheidenden siebten Spiel der NLB-Viertelfinalserie gegen den EHC Olten im Einsatz gestanden hatte. Wiedmer traf bei seiner Premiere in der 55. Minute zum 3:2-Führungstreffer der Berner. Der 27-Jährige musste das bittere Aus mit seinem Stammklub Visp möglichst schnell abhaken. «Dieser fliegende Wechsel ist schon speziell. Ich habe versucht, die Gedanken an das Ausscheiden möglichst zu verdrängen und mich auf meine Aufgaben beim SCB zu konzentrieren.»

Sandro Wiedmer (rechts) brachte die Berner mit 3:2 in Front. Vor wenigen Tagen absolvierte er mit Visp noch die "Belle" gegen Olten.

Sandro Wiedmer (rechts) brachte die Berner mit 3:2 in Front. Vor wenigen Tagen absolvierte er mit Visp noch die "Belle" gegen Olten.

Keystone

Die Berner hatten Wiedmer, der zusammen mit Stürmer Julian Schmutz und Goalie Matthias Schoder aus dem Wallis mittels B-Lizenz zum SCB gestossen ist, nach dem Ausscheiden in Olten einen Tag Verschnaufpause gewährt. Am Donnerstagmorgen traf er in Bern ein – am Abend hatte er massgeblichen Anteil daran, dass der SCB als Aussenseiter eine erste, markante Duftmarke gesetzt hat.

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