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Sorgen um den Schweizer Handballgoalie Nikola Portner – doch er sagt: «Wir werden uns an der EM nicht verstecken»

Der Schweizer Nationalgoalie Nikola Portner.

Der Schweizer Nationalgoalie Nikola Portner.

Nikola Portner ist Champions-League-Sieger und Sohn einer Legende. Bald spielt er mit der Schweiz an der Handball-EM.

Als Nikola Portner mit Anfang zwanzig seine zukünftige Frau kennen lernt, will er ehrlich sein. Also sagt er ihr lieber gleich, dass er in zwei Jahren die Schweiz verlassen und im Ausland Handball spielen wolle. Damit sie von Anfang an weiss, worauf sie sich einlässt.

Die junge Frau hat noch zwei Jahre Schule vor sich. Und ohne zu wissen, wohin die Reise gehen wird, sagt sie: «Das ist perfekt, ich komme einfach mit.»

Eine paar Jahre und eine Hochzeit später erzählt Nikola Portner die Anekdote am Telefon. Bald wird der 26-Jährige für die Weihnachtsfeier zur Familie nach Hause fahren, aber noch ist er in Montpellier, am Mittelmeer in Frankreichs Süden. Seit Sommer 2016 spielt er beim französischen Rekordmeister, Montpellier hat die Liga 14-mal gewonnen, zuletzt 2012.

Zweimal Meister mit den Kadetten Schaffhausen

Zu diesem Zeitpunkt ist Portner 19-jährig und spielt beim BSV Bern. Mit 17 Jahren debütiert er in der NLA, kurz danach wird er Nationalspieler. Schon da hat sich der 1,94 m grosse Torhüter in den Kopf gesetzt, einer der besten Goalies der Welt zu werden und die grossen Titel zu gewinnen. Mit den Kadetten Schaffhausen wird er zweimal Schweizer Meister. Doch das reicht ihm nicht. Nicht ihm, dem Sohn einer der grössten Handballlegenden des früheren Jugoslawiens.

Also wagt Portner als Profi den Schritt nach Frankreich. Wobei das für einen wie ihn kein Wagnis ist. Denn der junge Mann serbischer Abstammung zweifelt selten. Und wenn er einmal das Wort «Angst» gebraucht, dann kann man sicher sein, dass er im nächsten Satz sagt:

Ein bisschen ­erschrocken ist er allerdings schon, als vor vier Jahren sein Fuss anschwoll. Ohne ersichtlichen Grund, immer und immer wieder, bis er nach dem Aufwärmen vor einem Länderspiel sagte: «So geht das nicht weiter. » Er trifft mehrere Ärzte, doch noch immer weiss Portner nicht, was er hat. «Es gibt inzwischen etwa tausend Hypothesen», sagt er.

Wegen seines Fusses stuft ihn die Armee als untauglich ein. Doch seiner Handballkarriere schadet es nicht. Vor einem Jahr gewinnt er mit Montpellier die Champions League, als Stammspieler. Mehr kann ein Profi in Europas Klubhandball nicht erreichen. Mit diesem ­Titel zieht Portner mit seinem Vater gleich.

Der Vater war einer der besten Rückraumspieler

Zlatko Portner war in den 1980er-Jahren einer der besten Rückraumspieler, er gewann den wichtigsten Klubwettbewerb dreimal: zweimal mit Metaloplastika Šabac, später mit dem FC Barcelona. Zlatko Portner zog weiter nach Frankreich, wo Nikola geboren wurde, und später in die Schweiz. Dort beendete der Vater 2002 die Karriere beim BSV Bern.

Eigentlich wollte die Familie maximal vier Jahre in der Schweiz bleiben und dann in die serbische Heimat zurückkehren. 2008 liess sich die Familie einbürgern. Vater, Mutter und Tochter sind noch immer dort. Fast 100-mal spielte Zlatko Portner für die jugoslawische Nationalmannschaft.

Diese Zahl wird auch Sohn Nikola bald erreichen, mit der Schweiz, allerdings kaum die gleichen Erfolge feiern wie der Vater, der 1988 an den Olympischen Spielen in Seoul Bronze gewann. Für Nikola ist der Vater die prägende Figur seines Lebens. Der Sohn sagt:

Den Helden seines Lebens hat er unlängst stolz gemacht. Portner hat sich mit der Schweizer Nationalmannschaft für die EM qualifiziert, zum ersten Mal seit 13 Jahren nimmt die Schweiz wieder an einem Turnier teil. In der Gruppe mit Co-Gastgeber Schweden, Polen und Slowenien sind die Schweizer auf dem Papier Aussenseiter.

Dass Portner in dieser Saison den Stammplatz verlor, weil ihm sein Arbeitgeber Montpellier den kroatischen Nationalgoalie Marin Šego vor die Nase gesetzt hat, ist für das Team von Nationaltrainer Michael Suter problematisch. Denn der Goalie reist mit weniger Spielpraxis an als üblich. Die Schweiz braucht eine herausragende Torhüterleistung, will sie die Gruppenphase überstehen.

Im Nationalteam ein Botschafter

Aber Nikola Portner wäre nicht Nikola Portner, sagte er nicht: «Wir haben extrem viel Qualität und fahren nicht dorthin, um uns zu verstecken.» Er, der gebürtige Serbe, wird dann wieder die Nationalhymne singen, mit Hingabe und Berner Färbung, und er hat wenig Verständnis für jene, die nicht mitsingen. «Wir sind die ersten Botschafter für den Handball und unser Land», sagt er.

Als Botschafter nutzt er seit kurzem auch die sozialen Medien. Und als zukünftiger Geschäftsmann sowieso, weil er glaubt, dass diese Plattformen Türen öffnen. Portner studiert nach dem Gymnasium ein knappes Jahr lang Soziologie und Soziale Arbeit, weil er das Verhalten der Menschen verstehen will. Inzwischen macht er in Grenoble ein Fernstudium in Management. Portner, der Mann mit Weitblick, will die Zukunft eben nicht dem Zufall überlassen. Er sagt: «Das ist meine Schweizer Mentalität.»

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