Eishockey

Totenstille: Olten und Langenthal trainieren nach Horror-Unfall wieder

«The Show must go on» – SCL-Goalie Marc Eichmann und seine Kollegen empfangen heute Olten zum dritten Playoff-Halbfinalspiel gegen Olten.

«The Show must go on» – SCL-Goalie Marc Eichmann und seine Kollegen empfangen heute Olten zum dritten Playoff-Halbfinalspiel gegen Olten.

Trotz Ronny Kellers schwerer Verletzung geht die Playoff-Halbfinalserie heute weiter. Der EHC Olten trainierte so still wie nie zuvor. Auch beim SC Langenthal ist man konsterniert. «Es war ein Spiel ohne einen einzigen Lacher», so Marc Eichmann.

Es herrschte eine bedrückte Stimmung auf der Oltner Eisbahn am Donnerstag. Dort, wo sich die Spieler des EHC Olten, nach dem gewohnt trainingsfreien Mittwoch, auf das dritte Spiel der Halbfinalserie gegen den SC Langenthal hätten vorbereiten sollen, war es still. Hinter verschlossener Garderobentür tauschten sich Spieler, Trainer, Staff und Klubführung aus – unmittelbar zuvor war die Meldung durchgedrungen, dass Ronny Keller von seinem Sturz in die Bande eine bleibende Querschnittlähmung davontragen wird. Es seien sehr emotionale Momente gewesen, bestätigten Beteiligte danach.

Weg der aktiven Verarbeitung

Es war bereits nach halb zwölf Uhr, als die ersten Spieler den Weg aus der Garderobe aufs Eis fanden. Man habe beschlossen, nicht öffentlich darüber zu sprechen, meinte Captain Sandro Tschuor stellvertretend für die ganze Mannschaft. Es waren denn auch nicht alle Spieler bereit, die Schlittschuhe zu schnüren. Paul Di Pietro (42) etwa, der schon so viel erlebt hat, reagierte besonders bestürzt. Tief bedrückt schlich er der Bande entlang und verschwand in der Trainerkabine. 16 Spieler fanden sich schliesslich auf dem Eis ein. Von einer Trainingseinheit konnte jedoch keine Rede sein, vielmehr war es ein aktives gemeinsames Verarbeiten.

Mit stocktechnischen Übungen oder dem Spiel drei gegen drei. Freilich steht inzwischen fest, dass das dritte Spiel heute um 20 Uhr auf Schoren stattfindet. Die Mannschaft des EHC Olten hat sich so entschieden. Man hat den Weg der aktiven Verarbeitung gewählt. «Wir hätten jede Entscheidung der Mannschaft akzeptiert», so Geschäftsführer Peter Rötheli. Schliesslich sei man aber zur Übereinkunft gekommen, dass eine möglichst schnelle Rückkehr aufs Eis die beste Lösung sei.

Auch beim SC Langenthal ist man konsterniert

«Wir sind gestern mit einem positiven Gefühl gestartet, weil die medizinischen Berichte eher positiv schienen. Danach, als feststand, dass Ronny Keller gelähmt bleibt, war es einfach nur ein harter Schlag», sagt VR-Präsident Stephan Anliker. Es werde heute sicherlich nicht ein Spiel geben, wie die vorausgegangenen. Die erwartungsfrohe Stimmung auf und neben dem Eis werde da sicherlich Betroffenheit weichen. «Wichtig ist einfach, dass die Emotionen auf die richtige Seite gehen. Schuldzuweisungen und das Schüren von Emotionen helfen nicht weiter.» Ähnlich klingt es von Gian Kämpf. Der SCL-Geschäftsführer sagt, man müsse nun wieder den Alltag suchen. «So hart es auch klingen mag, es muss auch nach dieser Hiobsbotschaft weitergehen. Ich gehe davon aus, dass das heutige Spiel unter einem Solidaritätsgedanken für Ronny Keller und seine Angehörigen stattfinden wird.» Ob der SCL sein Sicherheitsdispositiv verstärkt oder andere Vorkehrungen getroffen werden, ist laut Anliker und Kämpf noch nicht entschieden. «Jedes Spiel wird gewöhnlich im Voraus behandelt und das werden wir auch in diesem Falle noch tun.»

Erstmals in solcher Situation

Noch vor der Hiobsbotschaft haben sich die Spieler der ersten SCL-Mannschaft auf das heutige Spiel vorbereitet. Wobei vorbereitet ein fremdes Wort sei, für das Geschehene, sagt Keeper Marc Eichmann. «Es war ein Training ohne ein Lachen und ohne Körperkontakt. Irgendwie war es wirklich sehr, sehr komisch.» Es sei viel diskutiert worden, das Hockey an sich sei in den Hintergrund gerückt. Wie nun das Spiel heute aussehen wird, kann auch Captain Stefan Tschannen nicht sagen. «Wir sind alle zum ersten Mal in einer solchen Situation und auch ich weiss noch nicht, wie wir reagieren werden.» Insbesondere in dem Moment kurz vor der Abfahrt, als «Täter» Schnyder von der Polizei vernommen wurde und der Helikopter «Opfer» Ronny Keller abtransportierte, sei man sehr geschockt gewesen. «Da ist das Resultat in den Hintergrund gerückt.»

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