Triathlon
Seine Eltern lernten sich am Ironman in Hawaii kennen

Der Profi-Triathlet Lars Holenweger wurde heuer Dritter bei den Schweizer Meisterschaften der Elite. Sein grosses Ziel heisst Olympia. 2021 wird sein letztes Jahr auf der Stufe U23 und deshalb ein entscheidendes in seiner Karriere.

Raphael Wermelinger
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In seinem letzten Jahr bei der U23 will Lars Holenweger 2021 an der EM und an der WM «gute Resultate» erzielen.

In seinem letzten Jahr bei der U23 will Lars Holenweger 2021 an der EM und an der WM «gute Resultate» erzielen.

zvg

«Die Grenze ist der Verstand. Solange du dir vorstellen kannst, etwas zu erreichen, kannst du das auch schaffen, wenn du nur hundert Prozent daran glaubst.» Dieses Zitat von Arnold Schwarzenegger prangt als Motto auf der Website des Triathleten Lars Holenweger.

Die grossen, längerfristigen Ziele des 22-Jährigen heissen Olympische Spiele 2024 in Paris sowie 2028 in Los Angeles und Ironman in Hawaii. Vom kommenden Jahr erhofft er sich, dass wieder mehr Wettkämpfe stattfinden. «2021 wird mein letztes Jahr auf der Stufe U23», blickt er voraus. «Ich will an der EM und an der WM gute Resultate erzielen – wenn sie denn durchgeführt werden.»

Seit gut 15 Jahren spielt der Triathlonsport in Lars Holenwegers Leben mittlerweile schon eine zentrale Rolle. Seine Eltern lernten sich Mitte der 90er-Jahre am Ironman in Hawaii kennen. «Beide haben viel Sport gemacht, meine Mutter vor allem Triathlon», sagt er. 2005 nahm er als 7-Jähriger an seinem ersten Wettkampf teil.

«Ab diesem Zeitpunkt wurde Triathlon zu meiner grössten Leidenschaft», erinnert er sich. Seine stärkste Disziplin ist das Schwimmen, weil er in Oberdorf, wo er aufwuchs, schon früh die Vorzüge des 15-Meter-Beckens im Hallenbad nutzte. Eigentlich sagen ihm das Laufen und das Radfahren aber mehr zu. «Diese Disziplinen sind abwechslungsreicher und man bekommt mehr von der Umgebung mit als beim Schwimmen.»

Schwimmen sei zwar seine stärkste Disziplin, doch Lars Holenweger ist lieber auf dem Rad oder zu Fuss unterwegs.

Schwimmen sei zwar seine stärkste Disziplin, doch Lars Holenweger ist lieber auf dem Rad oder zu Fuss unterwegs.

zvg

Trainingspensum von 25 bis 30 Stunden pro Woche

Der vierte Platz bei seinem ersten Triathlon war für ihn Motivation genug, schneller zu werden, um es beim nächsten Mal aufs Podest zu schaffen. Er stieg beim Triathlon Club Solothurn ein und steigerte seinen Trainingsaufwand.

«Nebenbei habe noch lange Tennis gespielt und im Winter stand ich viel auf den Skiern. Am Triathlon fasziniert mich einfach die Abwechslung. Dass man nicht jeden Tag das Gleiche trainiert», führt er aus. Begleitet wurde er auf diesem Weg von seinem langjährigen Trainer Simon Luder. Zwischen 2013 und 2018 besuchte er die Sportklasse der Kantonsschule Solothurn. Mittlerweile beträgt sein wöchentliches Trainingspensum 25 bis 30 Stunden.

«Ich bin nicht einfach so nach Zürich gezogen. Das hat sich durch den Sport ergeben», entschuldigt er sich fast für seinen Umzug von Oberdorf nach Dietlikon. «Am Leistungszentrum von Swiss Triathlon in Wallisellen habe ich optimale Trainingsbedingungen. Hier kann ich am meisten Fortschritte machen. Das war der Grund für den Schritt. Ich fühle mich aber nicht als Zürcher. Meine Eltern wohnen immer noch in Oberdorf.» Der Profi-Triathlet studiert Betriebswirtschaftslehre an der Universität in Zürich. Sein grösstes Hobby ist Kochen.

Zum ersten Mal bei der Elite auf dem Podest

2020 hätten eigentlich die U23-EM in der Ukraine, die U23-WM in Kanada sowie diverse weitere wichtige Rennen in Holenwegers Agenda gestanden. Corona durchkreuzte die Pläne. Immerhin fand im August die Duathlon-SM statt – er schaffte es bei der Elite erstmals in seiner Karriere aufs Podest, bei der U23 belegte er den zweiten Platz.

Ende September konnte in Sursee auch die Schweizer Meisterschaft im Triathlon durchgeführt werden. «Es war speziell, weil die SM kurzfristig angesetzt wurde, was die Vorbereitung beeinflusste», sagt Holenweger. «Ausserdem wurden die Rennen im Doppelsprint-Format mit Halbfinals und Final ausgetragen. Und es war sehr kalt an diesem Tag.»

Energieschonend, so wie er sich das vorgestellt hatte, qualifizierte er sich für den Finallauf der besten 16 Athleten. «Beim Schwimmen gab ich im Finallauf richtig Gas. Weil ich auf das Feld Druck ausüben und eine Spitzengruppe auslösen wollte», schildert er den Rennverlauf.

Der Plan ging auf, zu Beginn der Radstrecke bildete sich eine fünfköpfige Leadergruppe. «Wir arbeiteten gut zusammen und konnten so den Vorsprung auf das Feld ausbauen. Beim Laufen hatte ich zuerst Schwierigkeiten, auf der zweiten Streckenhälfte konnte ich aber nochmals aufdrehen.» Am Ende lief er als Zweiter bei der U23 und Dritter bei der Elite im Ziel ein.

Er braucht keine Rennen, um sich zu motivieren

Dieses Resultat sei nebst der Teilnahme an der Junioren-WM in Mexiko 2016 und dem Olympia-Qualifikationsevent in Tokio im vergangenen Jahr der Höhepunkt seiner Karriere. Es ging indes nicht immer nur bergauf. 2012 hatte er wachstumsbedingt Probleme mit den Füssen und verspürte Schmerzen beim Laufen.

«Dieses Defizit musste ich gegenüber der Konkurrenz wieder aufholen am Ende meiner Juniorenzeit.» Auch der Sprung zur U23 war nicht einfach. «Ich fand die Konstanz im Training nicht, weil ich immer wieder von kleinen Verletzungen zurückgebunden wurde.» So habe er sein Potenzial nicht ausschöpfen können. «Die Probleme haben sich bis zum Beginn der Spitzensport-RS im Oktober 2018 hingezogen. Seither hat sich viel verändert.»

Zu Lars Holenwegers Coaching-Team zählen Haupttrainer Gordon Crawford und Pat Flückiger, der für das Krafttraining zuständig ist. «Als ich mit ihnen angefangen habe, war das Hauptziel, im Training Kon­stanz hinzubekommen», erklärt er die Umstellung. «Mit einem sauberen Saisonaufbau soll das Verletzungsrisiko minimiert werden. Wichtig ist auch, dass ich dann abliefern kann, wenn ich leisten muss.»

Mit der Motivation habe er in den vergangenen Wochen nie Mühe gehabt. «Ich habe mir schon früh gesagt, dass sich wegen Corona für mich nichts ändert. Ich brauche keine Wettkämpfe, um mich für diese Sportart zu motivieren», stellt er klar. Er habe die Umstände genutzt, um auch mal neue Sachen, insbesondere längere Strecken zu trainieren. «Wenn dann doch mal ein rarer Wettkampf stattfindet, freue ich mich umso mehr, zu zeigen, was ich im Training geleistet habe.»