Unihockey-WM
Mirjam Hintermann über Silbermedaille: «Diese Erinnerungen werden in zehn Jahren noch präsent sein»

Die aus Feldbrunnen stammende Unihockeyspielerin zieht nach dem Gewinn der Silbermedaille an der Heim-Weltmeisterschaft Bilanz. Sie spricht über die Enttäuschung über den verlorenen Final, ihr erstes WM-Tor und die beeindruckende Kulisse in Neuenburg.

Larissa Gassmann
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Die Unihockeyspielerin Mirjam Hintermann (l.) erlebt ein bedeutsames Debüt: Ihre erste WM-Teilnahme findet auf heimischem Boden statt.
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Gleich bei ihrem ersten Auftritt auf der ganz grossen Bühne schafft sie es mit der Schweiz bis ins Final.
Mirjam Hintermann, Unihockey-WM 2 (16.12.2019)
Gleich in ihrem ersten Gruppenspiel konnte Hintermann einnetzen. Im Spiel gegen Deutschland darf sie ihr erstes WM-Tor bejubeln.
"Mit dem Schweizerkreuz auf der Brust ein Tor zu erzielen, ist einmalig", sagt sie im Nachhinein über diesen Treffer.
Obwohl Hintermann erst seit drei Jahren für die Nati spielt, war ihr Selbstbewusstein von Anfang an gross.
Sie glaubte an ihre Mannschaft und wollte mit ihr den Final erreichen. Dieser Wunsch hat sich nun erfülllt.
Immer wieder durfte die Spielerin der Wizards Burgdorf Bern dabei auch auf das tragende Heimpublikum zählen.

Die Unihockeyspielerin Mirjam Hintermann (l.) erlebt ein bedeutsames Debüt: Ihre erste WM-Teilnahme findet auf heimischem Boden statt.

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Die Schweiz hat im Final nur knapp gegen Schweden verloren. Ist dies ein Trost oder verstärkt das die ­Enttäuschung zusätzlich?

Es ist sicherlich nie einfach, in so einem entscheidenden Spiel knapp zu verlieren. Aber auf der anderen Seite ist es auch schön, dass wir mithalten konnten. Dass die Schwedinnen schlagbar gewesen wären, ärgert einem natürlich, weil man haarscharf am Weltmeistertitel vorbeigeschrammt ist. Es ist sicher bitter, ist es so herausgekommen, aber für uns hätte der Traum auch schon am Samstag platzen können. So relativiert sich das Ganze wieder.

Ist euch der Kräfteverschleiss in diesem Halbfinal letztlich zum Verhängnis geworden? Oder hat euch die Aufholjagd gegen Tschechien einen Push verschafft?

Es war sicherlich kein einfaches Spiel, eine emotionale Achterbahnfahrt, die mental viel Energie geraubt hat. Aber ich glaube davon hat man am Sonntag nicht mehr viel gemerkt. Da ist das Team professionell genug. Wir haben das mit dem Staff relativ schnell abgehakt, waren am Samstag auch nicht feiern. Wir mussten unsere Emotionen relativ schnell wieder im Griff haben.

Grosse Teile dieser aufreibenden Spiele haben Sie nur von der Bank aus erlebt, konnten das Spielgeschehen nicht immer aktiv beeinflussen. Wie war das für Sie?

Es war auch auf der Bank sehr emotional, wir hatten eine super Stimmung, waren sehr unterstützend. Wir haben einander immer angefeuert, alle haben sich gegenseitig gepusht. Du kannst es dir nicht erlauben, auf der Bank auch nur eine Sekunde abzuschalten. Ich habe auch nicht einmal erlebt, dass negative Emotionen verbreitet wurden. Das war extrem wichtig für den Teamspirit. Klar willst du als Spielerin immer spielen, aber ich wusste, wie meine Aufgabe aussehen wird.

Wie zufrieden sind Sie der Mannschaftsleistung, aber auch mit Ihrem eigenen Auftreten?

Ich bin sehr zufrieden mit unserer Teamleistung und unglaublich stolz auf dieses Team. Das Halbfinalspiel war sicherlich nicht optimal, das haben wir uns alle anders vorgestellt. Dass wir am Schluss trotzdem noch so aufdrehen konnte, grenzt an ein Wunder. Mit meiner persönliche Leistung bin ich ebenfalls zufrieden. Ich kannte meine Aufgabe, das hilft mental natürlich viel. So konnte ich mich optimal vorbereiten und auf dem Feld die erwartete Leistung abrufen.

Sie haben im ersten Gruppenspiel gegen Deutschland Ihr erstes Tor erzielt. Was ist Ihnen dabei durch den Kopf gegangen und wie fühlt sich das mittlerweile an?

Es fühlt sich noch immer super an. Als Nationalspielerin ist das etwa vom Schönsten. Mit dem Schweizer Kreuz auf der Brust ein Tor zu erzielen, ist einmalig. In diesen Momenten belohnst du dich für alles, was du in diesen Sport investiert hast. Das war für mich ein extrem schöner und emotionaler Moment. Das ganze Team drehte in diesem Augenblick ebenfalls kurz durch und freute sich mit mir.

Vor dem Turnier wurde oft über den Heimvorteil ­geredet. Gab es den tatsächlich?

Die Fans waren unglaublich. Als Spielerin in dieser Sportart hat man nicht an jedem Tag so viele Zuschauer. Manchmal hat es sich angefühlt, als hätte eine Spielerin mehr auf dem Feld gestanden. Sie haben uns getragen. Es war jedes Mal ein Hühnerhautmoment, als wir in die Halle eingelaufen sind, die Hymne erklungen ist und alle mitgesungen haben. Das kann man sich kaum vorstellen. Besonders in den wichtigen Momenten haben sie uns extra angefeuert. Ich glaube schon, dass wir diesen Vorteil nutzen konnten.

Wie haben Sie die WM allgemein erlebt und was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Die Organisation war extrem gut. Sie haben eine gute Arena aufgebaut. Respekt und riesiges Dankeschön an alle, die mitgearbeitet haben! Der Event war gelungen, es wurde viel Werbung gemacht, viel auf Social Media gepostet. Die WM hat der Unihockey-Schweiz extrem gut getan, geholfen, die Sportart voranzubringen und Werbung in eigener Sache zu machen.

Die Schweizer Unihockeyannerinnen stehen nach einer dramatischen Wende im WM-Final.
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Nach einem schwachen Spielstart drehen sie die Partie und besiegen die Tschechinnen mit 7:6.
Einmal mehr stehen die Schweizerinnen somit im Final, wo sie auf die Schwedinnen treffen werden.
Den alles entscheidenden Treffer erzielte Michelle Wiki. Sie zeichnet sich nicht nur für das Golden Goal, sondern auch für das 6:6 verantwortlich.
Die Hoffnung lebt. Nach dem 5:6 liegen sich Torhütertrainer Jakob Lieske und Seraina Ulber schon in den Armen.
Die Schweiz lässt sich nicht so leicht abschreiben. Spielführerin Flurina Marti kann es kaum fassen, als ihr Team das 3:6 erzielt.
Auf einmal herrscht wieder Hoffnung. Lisa Liechti (l.) bejubelt den zweiten Treffer der Schweizerinnen.
Margrit Scheidegger bejubelt den Treffer zum 4:6. Zu diesem Zeitpunkt ist die Aufholjagd bereits in vollem Gange.
Die Freude dringt auch zu ihr durch: Goalie Lara Heini reckt ihre Fäuste befreit in Richtung Himmel.
Michelle Wiki (l.) und Tschechiens Denisa Ratajova legen rasant los. Doch die Schweiz findet von Anfang an nicht richtig ins Spiel.
Tschechien startet fulminant. Früh fällt das 1:0 für die Gäste. Die Schweizer Torhüterin Lara Heini (l.) ist wenig begeistert.
Da sieht alles noch gut aus. Doch Goalie Lara Heini muss nach dem frühen Treffer der Tschechinnen auch noch per Penalty das 0:2 verkraften.
Die Eidgenossin Julia Suter (l.) wird grob zu Fall gebracht. Ähnlich ergeht es dem Rest ihrer Mannschaft.
Tschechien hat auch im zweiten Drittel die Nase vorne. Nach sechs Minuten fällt das 4:0. Die Schweiz hat wenig zu melden.
Überfliegerin Denisa Ratajova: Die Tschechin schwebt mit ihrem Team auf rosa Wolken. Als das 5:0 für ihr Team fällt ist eigentlich alles schon klar.
Auch im zweiten Drittel hat die Schweiz Mühe, doch immerhin ist der erste Treffer realisiert. Mit einem 1:5 geht es in die Pause.
Da ging es so richtig los: Nadia Reinhard erzielt den ersten Treffer für die Schweiz, Tschechien muss auf einmal zittern.
Da freut sich zum ersten Mal an diesem Abend auch Schweiz-Trainer Rolf Kern. Ist seine Mannschaft auf einmal doch wieder im Spiel?
Lange lief es gegen die Schweiz: Tschechiens Trainer Sascha Rhyner machte alles richtig. Nach dem ersten Schweizer Treffer meldet sich seine Mannschaft mit dem 6:1 zurück.
Alles ist angerichtet für das Spektakel an der Heim-WM. Die Schweizer Unihockeyspielerinnen vor dem Halbfinal gegen Tschechien.

Die Schweizer Unihockeyannerinnen stehen nach einer dramatischen Wende im WM-Final.

KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI

Wie schwer fällt es Ihnen, nach all diesem Trubel in den Alltag zurückzukehren?

Was wir in den letzten drei Wochen erreicht haben, ist nur mit positiven Emotionen verbunden. Diese werde ich mitnehmen. Es ist total komisch, jetzt zurück im Alltag zu sein und ich glaube, ich brauche noch eine Weile, um die Emotionen und das Erlebte verarbeiten zu können. Vom Profisportlerleben wieder zur Normalität zurückzukehren, ist sicherlich nicht einfach.

Was nehmen Sie aus dieser Heim-WM mit?

Im Moment wirklich die Emotionen, das erlebt man nur im Sport. Solche Geschichten kann nichts anders auf der Welt schreiben. Was wir in diesem Team erlebt haben, ist mega schön. In diesen drei Wochen ging dir keine einzige auf die Nerven. Bis am Schluss hat es funktioniert und alles zusammengepasst. Ich glaube so etwas vergisst man als Sportlerin nie. Wenn wir in zehn Jahren als Gruppe wieder einmal zusammenkommen, werden diese Emotionen und Erinnerungen noch voll präsent sein.