Gymnaestrada
Der «Zirkus» geht für die Schaukelring-Gruppe nach der Übung erst richtig los

Eine Solothurner Schaukelring-Gruppe ist an der Gymnaestrada in Helsinki doppelt gefordert. Nach ihrer Übung muss die Schaukelring-Anlage nämlich innert zweieinhalb Minuten abgebaut werden.

Michael Schenk
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Solothurner Schaukelring-Gruppe an Gymnaestrada
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Solothurner Schaukelring-Gruppe an Gymnaestrada

Michael Schenk

Viele von uns erleben ihn irgendwann: Den Moment, wenn sich beim Circus Knie nach der letzten Vorstellung ein Geschwader wuselnder Helfer anschickt, das riesige Zelt binnen wenigen Stunden abzubauen. Ruckzuck zu verladen und abzutransportieren. Alles geht blitzschnell, weil die Kuppel oft noch in derselben Nacht am nächsten Spielort wieder aufgebaut werden muss.

Im Moment, um den es hier geht und der notabene auch irgendwie mit Zirkus zu tun hat, fehlen bloss noch die mit Vollgas «rumblochenden» Traktoren mit ihren Ultra-High-Power-Scheinwerfern, die im Fall des Zirkus jeweils da sind, um ein vollendetes Knie-Feeling zu verspüren.

Die Schaukelring-Turnerinnen und -Turner in der Dreifachhalle zu Biberist stehen den Zirkus-Hochgeschwindigkeits-«Büezern» in nichts nach. Nachdem die während zweier Jahre einstudierte Übung für die beginnende Gymnaestrada in Helsinki am allein in der Schweiz benutzten Gerät ein letztes Mal geprobt ist, heisst es abprotzen. Und das geht rasant.

Nach dem Donnerwetter

Innerhalb kürzester Zeit fällt das sechs, sieben Meter hohe und rund 12 Meter breite Gerüst, an dem die drei Schaukelringe befestigt sind. Flugs werden die mit schwarzem Isolierband eingebundenen Gestänge – das muss aus fernsehübertragungstechnischen Gründen so sein – voneinander geschraubt, geschultert und in den vor der Halle inzwischen parkierten LKW verladen.

Schweizer Abend am TV

Das Schweizer Fernsehen übertrag am Samstag, 11. Juli auf SF2 ab 18:40 einen Zusammenschnitt vom Schweizer Abend an der Gymnaestrada in Helsinki.

Das Material kommt nämlich mit und wird darum jetzt zwecks Fortsetzung seiner Reise nach Freienbach transportiert. Mit der Hauptprobe ist Co-Leiter Nino Weingart zufrieden. «Der erste Umgang war zwar nichts – wir waren unkonzentriert, unpräzis und fehlerhaft. Beim zweiten Mal aber hat alles geklappt.»

Dies nach einem weidlich eingemitteten verbalen Donnerwetter an diesem meteorologisch hitzigen Tag. Man sei zuversichtlich, am finnischen Meerbusen eine gute Figur abzugeben. «Unsere Übung ist mit Sprüngen kombiniert», so Weingart. Insofern sei garantiert, dass der Betrachter ständig etwas zum Zuschauen vorgesetzt bekomme. «Tote Momente gibt es keine.»

180 Sekunden Zeit

Was den Auf- und Abbau ihrer Schaukelring-Anlage angeht, hält Kevin Eggenschwiler – ebenfalls ein Co-Leiter – fest, dass man zu Beginn fast drei Stunden dazu benötigt habe. «Inzwischen haben wir uns deutlich gesteigert.» Tja – das nebst ihrer Übung nicht minder spektakuläre Spektakel der aus dem ganzen Kanton vereinten Solothurner Schaukelring-Flieger wird in Helsinki der Abbau ihrer mächtigen Anlage sein. «Wir haben dazu genau zweieinhalb Minuten Zeit», betont Eggenschwiler.

Der strikte Zeitplan des gigantischen Anlasses, an dem rund 40 000 Aktive aus der ganzen Welt und rund 4000 aus der Schweiz teilnehmen, verlange es so. Wie das gehen soll, bleibt dem Laien ein Rätsel. «Ganz ungefährlich», unterstreicht Eggenschwiler, sei dieses Tempobolzen beim Abbau freilich nicht. «Aber wir haben es schon hingekriegt.» Nun, gefühlte 300 verschraubte Einzelteile innerhalb von 180 Sekunden von der Bühne wegzuräumen – wer das schafft, ist wirklich reif für den Zirkus.