Frauenstreik

So erlebe ich Ungleichheit: Drei Schweizer Sportlerinnen sprechen anlässlich des Frauenstreiks über ihre Erfahrung

Tennisspielerin Belinda Bencic setzt eine klare Grenze: «Gleichberechtigung heisst, dass beide Geschlechter gleich behandelt werden.»

Noch immer werden Männer und Frauen in den verschiedensten Sportarten nicht gleich behandelt. Die Sportschützin Heidi Diethelm-Gerber, Tennisspielerin Belinda Bencic und Ex-Handballerin Karin Weigelt sprechen über die Erfahrungen in ihrer jeweiligen Sportart.

Belinda Bencic, Tennis-Spielerin

«Bei den Grand-Slam-Turnieren spielen die Männer manchmal über vier Stunden, während bei uns ein Spiel 6:1, 6:2 endet. Da verstehe ich , dass die Männer nicht so happy sind, dass es dafür das gleiche Preisgeld gibt. Anderseits sind die Preisgelder bei anderen Turnieren bei den Frauen tiefer.

Generell haben viele Top-Athletinnen in den letzten Jahren den Weg geebnet – etwa bei den Sponsoren. Ich finde, man sollte aufpassen mit den Forderungen: Viele Frauen übertreiben es und wollen noch mehr. Ich finde: Gleichberechtigung heisst, dass beide Geschlechter gleich behandelt werden. Dafür stehe ich ein.» (sih)

Heidi Diethelm-Gerber, Sportschützin

Sportschützin Heidi Diethelm-Gerber fühlt sich nicht benachteiligt: «Streiken werde ich heute auf keinen Fall.»

Sportschützin Heidi Diethelm-Gerber fühlt sich nicht benachteiligt: «Streiken werde ich heute auf keinen Fall.»

«Ich fühlte mich als Frau noch nie benachteiligt in meiner Sportart. Wer erst mit 40 zu schiessen beginnt, darf keine Mimose sein. Wir erhalten gleich viel Preisgeld und geben seit 2017 mit der Luftpistole 60 Schuss ab. Bis dahin war das Programm für die Frauen mit 40 Schuss kürzer. Wer will, kann sich nun mit den Männern vergleichen.

Wir Frauen schauen manchmal, wie hoch die Qualifikationshürde für den Männerfinal gewesen wäre. Es fehlt oft nicht viel. Selbst die Schweizer Schützen, die oft als konservativ gelten, begegnen mir mit Respekt. International wurde das Schiessen frauenlastiger mit mehr Disziplinen und gleich grossen Teilnehmerfeldern. Streiken werde ich heute auf keinen Fall.» (dg)

Karin Weigelt, Ex-Handballerin

«Sport ist keine Männerdomäne!», sagt die ehemalige Handballerin Karin Weigelt.

«Sport ist keine Männerdomäne!», sagt die ehemalige Handballerin Karin Weigelt.

«Es ist wichtig, dass auf die Gleichstellung aufmerksam gemacht wird. Anderseits bezweifle ich, dass ein Streik das richtige Mittel ist. Das Thema darf nicht zu einem Kampf «wir gegen Männer» werden. Aber, ja: Die Schweiz ist zu wenig weit, auch im Sport. Ich sehe zwar ein, dass Männersport oft mehr Sponsorengelder generiert.

Und ich finde es daneben, wenn erwartet wird, dass Fussballerinnen gleich viel verdienen sollen wie ihre männlichen Kollegen, die riesige Stadien füllen. Aber: Medien und Sportverbände müssten ein Gleichgewicht schaffen. Es geht nicht, dass Verbände Auswahl-Spielerinnen tiefere Taggelder auszahlen. Es geht auch darum, aufzuzeigen: Sport ist keine Männerdomäne! Ich habe in meinen Jahren in Norwegen eine weit offenere Gesellschaft erlebt.» (rst)

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