Der für die Zuschauer sichtbare Arbeitstag von Thomas Tumler dauert etwas mehr als 40  Sekunden. Die erste Zeitmessung des WM-Super-Gs passiert er mit der fünfbesten Zeit aller gestarteten Athleten. Dann verpasst er ein Tor und aus ist sein Traum vom Exploit, von der Medaille. 40 Sekunden. Es ist eine kurze Fahrt.

Das Klischee, dass Skifahrer wenig zu tun haben, hält sich hartnäckig. Nach Bronze im WM-Super-G sagte Corinne Suter: «Die Leute wissen ja gar nicht, was alles dahintersteckt. Wie oft werde ich gefragt: Was machst du eigentlich im Sommer?»

Ferien? Ja, vielleicht zwei Wochen. Dann beginnt die Vorbereitung für den Winter. Hinter den sichtbaren Sekunden und Minuten auf der Rennpiste stehen Monate harter Arbeit. Auch am Renntag, wie das Beispiel von Thomas Tumler zeigt (siehe Grafik unten).

Für die 40 Sekunden im Rennen oder gut 1,5 Minuten, hätte er es ins Ziel geschafft, steht er um 7.30 Uhr auf. Und das fühlt sich für den 29-Jährigen an wie Ausschlafen. «In der Regel sind wir viel früher unterwegs», sagt Tumler. An den Trainingstagen sind die Athleten oft schon bei Sonnenaufgang oben am Berg.

Da der WM-Super-G gestern erst um 12.30 Uhr startet, gönnt sich Tumler die Extrazeit im Bett. Und die kann er brauchen. Die Anreise nach Åre war strapaziös. Aufgrund des Schneechaos an den Flughäfen strandete er in Zürich und kam erst in der Nacht auf Dienstag um 1.30 Uhr am WM-Ort an. Eigentlich sollte er mehr als 36 Stunden früher in Schweden sein. «Das alles hat sehr viel Energie gekostet.»

Viermal Aufwärmen

Der WM-Tag beginnt mit einem Frühstück. «In der Regel esse ich ein Müesli, Brot und Bananen», sagt Tumler. Danach geht es ins Zimmer zum Aufwärmen. Insgesamt viermal bringt er den Körper in Schwung, bis das Rennen um exakt 12.32 Uhr für ihn startet. Nach dem Stretching am Morgen, «das vor allem dazu dient, den Körper zu wecken», so Tumler, folgt nach der Besichtigung der Rennpiste ein intensives Aufwärmen für die zwei Einfahr-Läufe.

Jeweils am Vorabend definieren die Trainer der Teams zwei Nationen, die zwei Kurse fürs Training setzen. In der Regel werden vor einem Super-G zwei Riesenslalomläufe für das Warm-up ausgeflaggt.

Zurück im Hotel absolviert Tumler weitere Dehnübungen, bevor es für ihn raufgeht zum Start. Rund eine halbe Stunde vor dem Rennen trifft er ein. «Das Handy lasse ich im Zimmer. Ich möchte dann keine Ablenkung von aussen», sagt der Bündner. Stattdessen unterhält er sich mit Beat Feuz. «Wir gehen den Lauf noch einmal gemeinsam durch.» Die beiden Schweizer teilen ihre Eindrücke von der Strecken-Besichtigung. Dann folgt ein weiteres intensives Aufwärmen als letzte Vorbereitung für das Rennen.

An diesem Tag hilft Tumler das alles nichts. Nach dem Verpassen des Tores fährt er enttäuscht ins Ziel, um trotzdem seine Erfahrungen den Teamkollegen oben am Start per Funk mitzuteilen. Erst danach gönnt er sich eine kurze Pause, bevor er mit den Medien spricht. «Die richtige Aufarbeitung des Tages, was passiert ist, was falsch gelaufen ist, passiert erst zurück auf dem Zimmer», sagt er. Das hilft ihm, um nach vorne zu schauen. Genauso der Austausch mit den Trainern am Abend bei der Videoanalyse.

Dazwischen geht es für ihn in den Kraftraum. Manchmal ist der Konditionstrainer lieb. Manchmal nicht. «Ich hoffe, dass er heute nur ein Regenerationstraining plant», sagt Tumler. Von wegen 40 Sekunden Arbeit.

Ein WM-Tag von Thomas Tumler

Ein WM-Tag von Thomas Tumler