Lenzerheide

Mit Geld und Geist zum Biathlon-Weltcup

Auch die Langlaufrennen der Tour de Ski in der Arena Lenzerheide dienen als Argumente für einen Platz im Biathlon-Weltcup. (Bild: PD)

Auch die Langlaufrennen der Tour de Ski in der Arena Lenzerheide dienen als Argumente für einen Platz im Biathlon-Weltcup. (Bild: PD)

Dank Investor Michael Hartweg ist in Lenzerheide das grösste privat finanzierte Wintersportprojekt der Schweiz entstanden.

Es sind zwei, die es gut miteinander können. Urs Lehmann, 50, Aargauer und Präsident von Swiss Ski, auf der einen Seite. Michael Hartweg, 47, Süddeutscher, Multimillionär und Verwaltungsratspräsident der Biathlon Arena Lenzerheide AG auf der anderen Seite. Beide sind Unternehmer, beide haben ein persönliches Interesse am Skisport. Und letztlich bilden sie eine Zweckgemeinschaft. Denn ohne einander sind die gesteckten Ziele nicht zu erreichen.

Wirtschaftsingenieur Hartweg hat als Unternehmer und Investor im Finanzdienstleistungssektor viel Geld verdient. Er will einen Teil davon der ­Gesellschaft und speziell dem Sport, der in seinem Leben stets eine wichtige Rolle spielte, zurückgeben. Deshalb investierte er seit 2016 einen zweistelligen Millionenbetrag in die Biathlon Arena in Lenzerheide und in eine Stiftung zur Förderung des Schweizer Nachwuchses. Es ist die grösste private Initiative im Schweizer Wintersport.

Erstes Weltcuprennen in der Schweiz 2023?

Hartweg, der seit 2007 mit seiner Frau und den drei Kindern in der Schweiz lebt, tut dies nicht ganz uneigennützig. Sohn Niklas ist in den letzten Jahren zum grössten Schweizer Biathlon-Talent herangereift (siehe Kasten). Aber der smarte Unternehmer mit Wurzeln im Südschwarzwald und Wohnsitz in Wollerau und Valbella denkt weiter: «Ich bin überzeugt, dass die Schweiz eine Biathlon-Nation ist. Sie weiss es einfach noch nicht.»

Michael Hartweg Verwaltungsratspräsident Biathlon Arena Lenzerheide AG

Michael Hartweg Verwaltungsratspräsident Biathlon Arena Lenzerheide AG

Neben den Anstrengungen zur Förderung des Nachwuchses und den Investitionen in die beeindruckende Biathlon-Anlage ist eine Massnahme für das Entfachen von Begeisterung und Emotionen zentral: die Durchführung von bedeutenden Wettkämpfen. Auch hier denkt Hartweg visionär. Nach mehreren Rennen des IBU-Cups und der Durchführung der sportpolitisch wichtigen Junioren-WM in diesen Tagen stehen für die nächsten acht Jahre Weltcup-­Veranstaltungen, eine Europameisterschaft und wohl auch eine WM-Bewerbung auf der To-do-Liste. «Mein Traum wäre ein erster Weltcup im Januar 2023», sagt Hartweg.

Es gibt nur einen Haken. Mit Geld allein sind die Pläne nicht umsetzbar. Es braucht die politische Arbeit von Swiss Ski. Und es ist in keiner Wintersportdisziplin so schwierig, einen Platz im Weltcupkalender zu erhalten. Biathlon zieht international ohne Ausnahme. Die insgesamt neun Veranstaltungen locken Unmengen von Zuschauern an, laufen dank deutscher Strahlkraft innerhalb des TV-Programms an Premium-Sendeterminen und interessieren als Folge auch überdurchschnittlich viele Sponsoren.

Ohne Lobbyarbeit keine Grossveranstaltung

Im Herbst 2020 wird der internationale Biathlon-Verband (IBU) an seinem Kongress in Prag die Veranstalter für den nächsten Olympia-Zyklus von 2022 bis 2026 bestimmen. Um sich den Platz im Kalender zu sichern, dürfe man «nichts dem Zufall überlassen, ohne dabei hochnäsig zu erscheinen». Michael Hartweg schwebt vor, dass Lenzerheide in Zukunft alle zwei Jahre im Wechsel mit einer anderen Destination einen Weltcup durchführt. Hoffnungen hat er auch deshalb, weil sich die IBU-Spitze die internationale Verbreitung der Sportart auf die Fahne geschrieben hat. So stehen im aktuellen Zyklus Weltcups in Estland und Weissrussland auf dem Programm. Wieso nicht auch die Schweiz mit ihrer zentralen Lage?

Ohne Lobbyarbeit geht es nicht. In diesem Punkt sind sich Hartweg und Urs Lehmann einig. Der Deutsche lobt die Führung von Swiss Ski für den grossen Aufwand, den sie diesbezüglich betreibt. Gleich zu viert ist Swiss Ski im vergangenen Jahr an den ausserordentlichen IBU-Kongress nach München gereist. Urs Lehmann war auch dabei. Er ist angetan vom Engagement und den Visionen von Hartweg, den er für einen Macher und cleveren Typen hält. Es sei eine «geniale Zusammenarbeit». Lehmann teilt dessen Optimismus punkto Weltcup bis zu einem gewissen Grad. «Wir sind sehr intensiv am Lobbyieren. Trotzdem ist es ein Husarenstück, wenn wir es schaffen.»

Der Swiss-Ski-Präsident blickt aber auch mit einer gewissen Wehmut auf die Situation in den Nachbarländern, «wo der Staat die Infrastruktur für die Biathlon-Wettkämpfe finanziert. So etwas hat in der Schweizer Politik keine Chance.» Deshalb braucht es die Symbiose zwischen einem privaten Millioneninvestor und dem Verband, der gemäss Lehmann das Budget für den Biathlonsport seit seinem Amtsantritt um den Faktor 3,5 erhöht hat. Denn auch der Swiss-Ski-Präsident teilt die Meinung von Michael Hartweg, dass Biathlon innerhalb des Schweizer Wintersports die Sportart mit dem grössten Entwicklungspotenzial ist.

Amy Baserga und Niklas Hartweg: Die zwei Aushängeschilder aus dem Kanton Schwyz gehören auch an der Heim-WM vom 23. Januar bis 2. Februar in Lenzerheide zu den Hoffnungsträgern. (Bild: ZVG)

Amy Baserga und Niklas Hartweg: Die zwei Aushängeschilder aus dem Kanton Schwyz gehören auch an der Heim-WM vom 23. Januar bis 2. Februar in Lenzerheide zu den Hoffnungsträgern. (Bild: ZVG)

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