Ski alpin

Krise überwunden: Schweizer Riesenslalomfahrer sind längst mehr als nur Lückenbüsser

Ohne Marcel Hirscher wird im Slalom und Riesenslalom ein Platz auf dem Podest frei – aber Swiss Ski braucht diese Hilfe gar nicht mehr. Am Sonntag in Sölden wollen die Athleten ein erstes Mal in dieser Saison zeigen, zu was sie fähig sind.

Dieser Text macht Hoffnung. Aber eigentlich müssen sich die Schweizer Skifahrer nicht mehr daran klammern. Nach Jahren der Krise ist das Männerteam von Swiss Ski auch im Riesenslalom wieder konkurrenzfähig.

Die Ausgangslage für das Rennen am Sonntag in Sölden ist so gut wie seit Jahren nicht mehr. Swiss Ski hat seit dem vergangenen Winter die Gewissheit, den Anschluss an die absolute Weltspitze geschafft zu haben. Vier Podestplätze, zwei von Marco Odermatt und je einer von Loïc Meillard und Thomas Tummler, beweisen dies.

Doch Zusatzmotivation schadet ja nie. Und darum: Statistisch gesehen haben sich die Chancen auf Schweizer Podestplätze im Riesenslalom und Slalom der Männer enorm erhöht.
Dank Marcel Hirscher. Der 30-jährige Österreicher hat im Herbst nach langer Bedenkzeit entschieden, seine Karriere zu beenden. Achtmal in Folge hat er zuvor den Gesamtweltcup gewonnen. In diesem Zeitraum fanden im Weltcup 78 Slaloms und 66 Riesenslaloms statt. In 113 dieser 144 Rennen stand Hirscher auf dem Podest.

Zwei Schweizer in den Rollen der Kronprinzen

Hirscher kommt auf eine Erfolgsquote von fast 80 Prozent. Oder anders gesagt: In gut vier von fünf Rennen stand er auf dem Podest. Dieser fast schon fix vergebene Platz ist nun freigeworden.

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Freude herrscht? Schaden tuts sicher nicht. Man könnte aus Schweizer Optik aber auch sagen: Hirscher hat den Absprung, den viel zitierten Rücktritt auf dem Höhepunkt, geschafft. Denn die Stimmen mehren sich, dass Swiss Ski die dominierenden Riesenslalomfahrer der Zukunft im Team hat. Das prognostizierte selbst Hirscher während seiner Aktivzeit. Auf die Frage, wer ihn dereinst als Dominator im Riesenslalom beerben würde, nannte er wiederholt zwei Athleten: Loïc Meillard und Marco Odermatt.

Anders als im Slalom, wo Sportler von Swiss Ski schon länger mit den Allerbesten mithalten können, wartet das Riesenslalom-Team auf einen Sieg. Daniel Yule und Ramon Zenhäusern wurden in der vergangenen Saison im Slalom zu Siegern. Im Riesenslalom ist Carlo Janka der Letzte, dem ein Weltcupsieg gelang: im März 2011.

Der Gesamtweltcup bleibt in der Hand der Techniker

Gibt es also schon blad einen Nachfolger? Swiss-Ski-Riesenslalom-Trainer Helmut Krug sagte im «Blick»: «Wenn keine Verletzungen dazwischenkommen, werden wir resultatmässig einen Hammer-Winter erleben.»

Und im Slalom? Dort sollte es weiter gut aussehen. Mit Yule und Zenhäusern hat das Team zwei klare Leader. Dahinter wartet Luca Aerni auf den lange erhofften Durchbruch und ist Meillard ebenfalls bereits zum Podestfahrer geworden.

Doch noch einmal zurück zu Hirscher. Er macht nicht nur im Slalom und Riesenslalom Platz. Auch im Gesamtweltcup wird es nach acht Saisons einen neuen Gewinner geben. Der Letzte, der Hirscher wirklich nahe kam, war Beat Feuz. Am Ende der Saison 2011/2012 hatte er nur 25 Punkte weniger auf dem Konto als Hirscher.

Schlägt nun die Stunde des Schweizers? Nein. Der Gesamtweltcup wird mit allergrösster Wahrscheinlichkeit weiterhin fest in der Hand der Techniker bleiben. Weil diese deutlich mehr Rennen haben. Auch ohne Hirscher.

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