Ski alpin
Ist die Schweiz bald eine Slalom-Nation?

Ramon Zenhäusern, Markus Vogel und Marc Gini: Drei Schweizer Slalomfahrer klassieren sich bei Marcel Hirschers Sieg in den Punkten. Zwei vielversprechenden Luca Aerni schied im zweiten Laufen aus: Sind wir bald eine Slalom-Nation?

Martin Probst, Adelboden
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Das sind die Schweizer Slalom-Hoffnungen
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Luca Aerni, in Adelboden im zweiten Lauf ausgeschieden.
Justin Murisier, Junioren-Weltmeister, muss zur Zeit wegen Verletzung pausieren. Er gilt als das grösste Talent von allen.
Luca Aerni
Markus Vogel in Adelboden.
Reto Schmidiger: Das Talent ist zur Zeit Mühe, in die Saison zu finden.

Das sind die Schweizer Slalom-Hoffnungen

Osi Inglin wusste es schon lange. Als als er im Januar 2011 Cheftrainer der Schweizer Männer wurde, war es aber bloss eine Vision. Trotzdem: Die Idee liess ihn nicht los, und so stellte er im Sommer 2012 das Projekt «Der schnelle Schwung» vor. Die Skiklubs sollten in der Nachwuchsarbeit den Fokus vermehrt auf den Slalom legen und damit den Weg verlassen, den technischen Aufbau allein auf dem Riesenslalom zu begründen. Inglin sagte damals: «Der kurze Schwung verlangt von den Jungen ein präzises, aktives und dynamisches Bewegungsverhalten.»

Felix Neureuther, im Riesenslalom am Samstag Dritter, bestätigt die Idee Inglins. Er sagt: «Uns Slalomfahrern ist die Umstellung auf die neuen Ski einfacher gefallen. Man muss den Schwung nun auch im Riesenslalom ähnlich ansetzen.»

Der 20-jährige Ramon Zenhäusern hat seine skitechnische Ausbildung zwar noch nach alter Schule durchlaufen, trotzdem legt er seinen Fokus auf den Slalom. In Adelboden kam er zum fünften Mal im Weltcup zum Einsatz – zum fünften Mal in einem Slalom. Zuvor konnte er sich nie für den zweiten Lauf qualifizieren, doch ausgerechnet am Chuenisbärgli vor 11500 begeisterten Skifans klappte es. Als 28. erreichte er den zweiten Durchgang, am Ende war er als 22. bester Schweizer.

Die neue Slalom-Generation

Zenhäusern steht stellvertretend für eine junge Generation Slalom-Fahrer im Schweizer Team. Er sagt: «Wir pushen uns im Training gegenseitig. Das beflügelt.» Einer, der ihn immer wieder herausfordert, ist Luca Aerni. Gestern rutschte er als 30. in den zweiten Lauf, wo er dann aber nach gutem Start ausschied. «Es ist schön zu sehen, dass wir Jungen mit der erweiterten Weltspitze mithalten», sagt er.

Dabei waren die beiden Medaillengewinner der Junioren-WM 2011 in Crans-Montana gestern gar nicht in Adelboden am Start. Der 21-jährige Justin Murisier, er gilt als Jahrhunderttalent, fällt diese Saison mit einem Kreuzbandriss aus. Der 20-jährige Reto Schmidiger hat Probleme, in die Saison zu finden.

«Das zeigt, welches Potenzial wir im Slalom im Moment haben», sagt Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann. Und auch Markus Vogel, mit 29 Jahren einer der Routiniers im Slalomteam, sagt: «Es ist schon unglaublich, was die Jungen im Moment leisten.» Er selbst ging «übermotiviert» in den zweiten Lauf, verkrampfte sich und musste sich nach dem 13. Rang im ersten Lauf am Ende mit Platz 24 begnügen. Ähnlich erging es Marc Gini, der vom 14. noch auf den 27. Rang zurückfiel.

Die neue Generation lässt hoffen. Zumal sie alle die technischen Voraussetzungen mitbringt, um dereinst auch in anderen Disziplinen zu überzeugen. Zenhäusern sagt zwar: «Eine Abfahrt traue ich mir nicht zu. Ich hätte Angst.» Es bleibt aber auch noch Zeit.

Hirscher in einer eigenen Liga

Aber man muss auf dem Boden bleiben. Die Schweizer zeigen zwar ansprechende Leistungen, mehr aber nicht. Auf die Besten fehlten ihnen gestern wieder über drei Sekunden. Marcel Hirscher zum Beispiel fuhr im zweiten Lauf nahezu perfekt und vom 8. Platz zum Sieg. Der Österreicher ist damit der erste Athlet, der den Slalom in Adelboden zum zweiten Mal gewinnen konnte. Komplettiert wurde das Podest von zwei Fahrern, die schon lange im Weltcup dabei sind. Mario Matt machte den österreichischen Doppelsieg perfekt und der Italiener Manfred Mölgg stieg im 18. Anlauf in Adelboden erstmals auf das Treppchen.