Die Schweiz hat an den Ski-Weltmeisterschaften in Vail/Beaver Creek die erste Medaille. Lara Gut holte in der Abfahrt Bronze. Tina Maze siegte knapp vor Anna Fenninger. Lindsey Vonn wurde Fünfte.

Lara Gut konnte sich gegenüber dem Super-G steigern, diesmal mischte sie an der Spitze mit, zufrieden stellen konnte sie die Medaille allerdings nicht. Wie schon an den Olympischen Spielen in Sotschi löste Bronze bei der Tessinerin keine Glücksgefühle aus. Im SRF-Interview war sie alles andere als enthusiastisch: «Es nervt mich. Ich weiss, es hätte mehr sein können. Im oberen Teil hatte ich einen dummen Fehler begangen.» Sie musste sich überwinden, um über die Lippen zu bringen, dass eine Medaille «cool» und «lustig» sei.

Sie hatte sich für diese Speed-Wettbewerbe in Beaver Creek mehr ausgerechnet als einen 3. und einen 7. Rang, nachdem sie vor 14 Monaten auf diesem Hang noch die dominierende Figur gewesen war. Zu gerne wäre sie die erste Schweizer Ski-Weltmeisterin seit Sonja Nef 2001 (im Riesenslalom) geworden. Das Warten auf die nächste helvetische Abfahrts-Weltmeisterin geht nach 26 Jahren weiter. 1989 hatte Maria Walliser triumphiert - notabene in Vail. Nach dreimal Silber ist für Gut nun erstmals an Weltmeisterschaften Bronze abgefallen.

Erinnerungen an Kjus

Diesmal war das Hundertstel-Glück auf der Seite von Tina Maze. Drei Tage nachdem sie sich im WM-Super-G Fenninger um drei Hundertstel hatte geschlagen geben müssen, drehte sie im Duell mit der Österreicherin den Spiess um und rettete sie eine Mini-Reserve von zwei Hundertsteln ins Ziel. Maze bescherte Slowenien mit ihrem Gold die erste Abfahrts-Medaille in der WM-Geschichte.

Die 31-Jährige war in dieser Disziplin an Weltmeisterschaften bisher noch nie besser als Fünfte gewesen. An Grossanlässen hatte sie ihr erstes Ausrufezeichen in der Abfahrt vor einem Jahr gesetzt, als sie in Sotschi zeitgleich mit Dominique Gisin als Olympiasiegerin ausgezeichnet wurde. Stöckli-Fahrerin Maze steht nun bei internationalen Titelkämpfen bei zwölf Medaillen, bei 5x Gold und 7x Silber!

Und der Hunger der Gesamtweltcup-Leaderin ist noch nicht gestellt. Ist für die Super-Allrounderin gar das Kunststück möglich, an diesen Weltmeisterschaften in allen Einzel-Disziplinen aufs Podest zu steigen? Vor 16 Jahren hatte es in Vail/Beaver Creek einen Lasse Kjus gegeben, der in zwei Wochen fünf WM-Medaillen abräumte.

Lange Gesichter im Vonn-Lager

Der Renn-Ausgang hat nicht nur Lara Gut aufs Gemüt geschlagen, sondern auch Lindsey Vonn. Die Lokalmatadorin, die mit dem Ziel angetreten war, sich vor dem Heim-Publikum zur Speed-Queen dieser WM zu küren, musste sich mit Rang 5 begnügen. Es hat sich herausgestellt, dass diese Piste für Vonn gestern technisch zu schwierig war, um die Konkurrenz hinter sich lassen zu können. Ihren Anhängern blieben nur lange Gesichter. In einer ersten Stellungnahme meinte sie, sie sei nicht so skigefahren wie sie es eigentlich könne.

Möglicherweise lastet an diesen Titelkämpfen doch ein grösserer Druck auf den amerikanischen Athleten als es diese zugeben mögen. Vielleicht braucht Vonn auch noch mehr Zeit, um auf technisch anforderungsreichen Abfahrten wieder eine bessere Rolle spielen zu können. Bei ihren Saison-Siegen in Lake Louise, Val d'Isère und Cortina hatte sie ein Terrain vorgefunden, wo ihre Gleiter-Fähigkeiten mehr gefragt waren.

Jnglin-Kamer überrascht positiv

Als zweitbeste Schweizerin klassierte sich nicht etwa die mitfavorisierte Fabienne Suter (9.), sondern die überraschende Nadja Jnglin-Kamer (7.). Jnglin-Kamer, die nach ihren Knie-Problemen erst vor drei Wochen in Cortina ihr Comeback im Weltcup gegeben hatte, landete einen Exploit. Dass ihr solch ein Resultat gelang, überraschte auch sie selber. «Ich bin eigentlich völlig neben der Linie gewesen», meinte Jnglin-Kamer. Wahrscheinlich sei es aber nicht das schlechteste Rezept gewesen, die Ski einfach laufen zu lassen.

Fabienne Suter: «Ich habe überbissen»

Fabienne Suter erlebte die nächste Enttäuschung, und diesmal konnte sie die Verhältnisse nicht als Entschuldigung anführen. Die Bedingungen auf der «Raptor»-Piste hätten ihr diesmal eigentlich entgegenkommen müssen. Suter beging unter anderem im Mittelteil nach rund 70 Fahrsekunden einen zeitraubenden Fehler. In der gleichen Passage war auch die Liechtensteinerin Tina Weirather (11.) zu tief geraten. Suter gab sich selbstkritisch: «Ich habe wieder einmal an einem Grossanlass zu viel gewollt. Ich habe überbissen. Das hat sich negativ ausgewirkt.»

Beaver Creek (USA). Weltcup-Abfahrt der Frauen (nach 30 Fahrerinnen): 1. Tina Maze (Sln) 1:45,89. 2. Anna Fenninger (Ö) 0,02 zurück. 3. Lara Gut (Sz) 0,34. 4. Nicole Schmidhofer (Ö) 1,03. 5. Lindsey Vonn (USA) 1,05. 6. Elisabeth Görgl (Ö) 1,06. 7. Nadja Jnglin-Kamer (Sz) 1,08. 8. Daniela Merighetti (It) 1,25. 9. Fabienne Suter (Sz) 1,29. 10. Viktoria Rebensburg (De) 1,35. 11. Tina Weirather (Lie) 1,38. Ferner: 29. Marianne Abderhalden (Sz) 2,93.