Olympia-Abschied

Erfolgsmeldung aus der Schweiz – Tim Hug brilliert im Studium – nicht aber bei Olympia

Bestreitet seine letzten Olympischen Spiele: Tim Hug

Bestreitet seine letzten Olympischen Spiele: Tim Hug

Ist Tim Hug kein bisschen weiter als vor vier Jahren in Sotschi? Damals kehrte der 30-Jährige aus Gerlafingen mit den Rängen 27 und 24 von den Olympischen Winterspielen zurück. Jetzt bei seinem olympischen Abschied in Pyeongchang waren es die Plätze . . . 27 und 24!

Im Kopf hatte der einzige international startende Schweizer Nordisch-Kombinierer ganz anderes. Zumindest bis Anfang Dezember. Nach seinem Karriere-Bestresultat an der Weltmeisterschaft in Lahti (14.) wollte Hug in diesem Winter nochmals voll angreifen und Plätze im einstelligen Bereich anpeilen.

Dafür veränderte er das Setting bei seinen Sprungski. Ein aggressiverer Stil auf der Schanze sollte grössere Weiten möglich machen. Allerdings musste er dafür seinen Bewegungsablauf neu lernen und damit rechnen, «dass durch das höhere Risiko auch eine grössere Streuung bei den einzelnen Sprüngen möglich wird». Risiko, um zum Ende seiner Karriere nochmals einen Leistungsschritt zu machen.

Die Umstellung verlief gut, der Weltcup-Auftakt in Finnland (15.) war verheissungsvoll. Dann aber kam in Norwegen diese kuriose Disqualifikation wegen eines zu grossen Sprungschuhs. Ein Vergehen, das alle Schaltjahre einmal sanktioniert wird und das den Solothurner so ziemlich aus dem Tritt brachte, weil er mitten in der Saison seine Schuhe wechseln musste. «Ich verlor das Vertrauen, war verunsichert. Und wenn du zehn Meter weniger weit springst, spült dich das in der Rangliste 20 Ränge nach hinten.»

Tim Hug, of Switzerland, competes during the men's 10km cross-country skiing competition in the nordic combined event at the 2018 Winter Olympics in Pyeongchang, South Korea, Tuesday, Feb. 20, 2018. (AP Photo/Matthias Schrader)

Tim Hug im Einsatz in Pyeongchang.

Tim Hug, of Switzerland, competes during the men's 10km cross-country skiing competition in the nordic combined event at the 2018 Winter Olympics in Pyeongchang, South Korea, Tuesday, Feb. 20, 2018. (AP Photo/Matthias Schrader)

Deshalb muss Tim Hug bei seinem Olympia-Abschied bilanzieren: «Aufgrund des Saisonverlaufs durfte ich hier keine Wunder erwarten. Die Resultate entsprechen den derzeitigen Realitäten.» Ein wenig haderte er gestern beim Wettkampf von der Grossschanze dennoch mit dem Schicksal. «Ich hatte einen wirklich guten Sprung, aber direkt vor mir verkürzte die Jury den Anlauf. Zudem sackte der Wind zusammen. Auf der kleinen Schanze habe ich den Sprung verhauen, hier waren es die Umstände.»

So blieb die grösste Erfolgsmeldung von Tim Hug in Pyeongchang eine E-Mail aus der Schweiz. Am Tag vor dem Abflug nach Asien schrieb er die letzte von mehreren Zwischenprüfungen in seinem Studium der erneuerbaren Energien und Umwelttechnik. «Ich bekam Bescheid, dass ich sämtliche Prüfungen bestanden habe.» Also nur ein berufliches anstatt ein olympisches Diplom.

Ein Jahr anhängen?

Die Entscheidung, ob Ende Saison bereits der Zeitpunkt gekommen ist, ganz auf die Karte Beruf zu setzen, will sich Tim Hug bis in den Frühling offen halten. Die Tendenz weist in Richtung einer letzten Fortsetzung der Karriere als Alleinunterhalter in der Nordischen Kombination. Die Weltmeisterschaft in Seefeld soll zum finalen Ziel des 30Jährigen werden. Noch ist in dieser Saison aber nicht Lichterlöschen. Nach Olympia folgen fünf Weltcup-Veranstaltungen Schlag auf Schlag.

Dort möchte Tim Hug das zurückkehrende Vertrauen auf der Schanze und die ansehnliche Laufform in gute Resultate ummünzen. Dass er sich wieder etwas zutraut, hat der Solothurner in Pyeongchang bewiesen, auch wenn es sich letztlich nicht ausgezahlt hat. Nachdem er im Zuge der Verunsicherung vor den Spielen zurück auf den letztjährigen Sprungstil gewechselt war, wagte er vor dem Wettkampf auf der Grossschanze klammheimlich wieder die Umstellung auf das neue Setting. Aber in seinem Fall hatte das Stichwort «Den Mutigen hilft das Glück» in Südkorea keine Gültigkeit.

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