Lauberhornrennen

Der grosse Tag der Sorgenkinder

Niels Hintermann freut sich über seinen Erfolg in der Lauberhornabfahrt.

Niels Hintermann freut sich über seinen Erfolg in der Lauberhornabfahrt.

Niels Hintermann und Ralph Weber sind beim Sieg von Beat Feuz in der Lauberhornabfahrt ebenfalls Gewinner. Eine Geschichte von Eintagsfliegen und Zukunftshoffnungen, die in Wengen ihren grossen Tag erlebten.

Niels Hintermann hat vor drei Jahren in Wengen die Kombination gewonnen. Und er kann es kaum noch hören. Weil der kuriose Sieg, tatkräftig unterstützt durch Wetterglückt, ihn zur Eintagsfliege machte. Zu einem Sieger, der im Rückblick selbst nicht so richtig stolz darauf sein kann und will.

Nachdem er Ende 2019 in der Abfahrt von Bormio auf Rang sechs fuhr, und damit – den Sieg in Wengen ausgenommen – erstmals in seiner Karriere in die Top 10 eines Weltcuprennens, sagte er, dass ihm dieses Resultat viel mehr bedeute als der Sieg. Weil er es unter gleichen Bedingungen für alle erarbeitet hat. Es war ein erstes Happy End für einen Mann, der ausgerechnet durch einen Sieg zurückgeworfen wurde. Der 24-Jährige hatte nach schwierigen Jahren zu den Besten aufgeschlossen.

Das Schreckensszenario im Kopf

Und trotzdem war da die Angst, „dass ich wieder zur Eintagsfliege werde.“ Dass der Top-10-Platz in der Abfahrt ein Ausreisser bleibt. Am Start des Rennens in Wengen war er darum nervös, hatte das Schreckensszenario im Kopf. Doch der Zürcher blieb cool, fuhr auf Rang acht und ist die Sorgen los.

Hintermann war im Zielraum in Wengen aber nicht der einzige Athlet von Swiss-Ski, der sich neben Sieger Beat Feuz als Gewinner fühlte. Ralph Weber, 26, hat Jahre zum Vergessen hinter sich. Der St. Galler, der früh als Hoffnung in der Abfahrt gehandelt wurde, nachdem er bereits Ende 2014 in Santa Catarina auf Rang 10 eines Weltcuprennens fuhr, hat ernsthaft an sich und seinen Plänen gezweifelt. Seit jenem Ausrufezeichen vor sechs Jahren fuhr er nie mehr in die Top 10. Zum letzten Mal gepunktet hat er in der Abfahrt, in der er einmal die Zukunft darstellen sollte, vor drei Jahren.

Ralph Weber auf dem Weg zu Rang 10 in Wenge.

Ralph Weber auf dem Weg zu Rang 10 in Wenge.

In Wengen verliert er bei der Zieldurchfahrt „eine gewaltige Last, die auf meinen Schultern lag“. Rang 10. „Endlich, endlich, endlich.“ Mit Startnummer 34 Mitten ins Glück. Ein vorläufiges Ende seiner Zweifel. Nach einer Schulterverletzung im vergangenen Jahr, eine Parallele zu Hintermann, der die Saison nach seinem Sieg in Wengen mit einer solchen Verletzung verpasste, trainierte er so gut wie nie. „Ich war zu Beginn dieser Saison körperlich fitter denn je. Und doch wollte es einfach nicht klappen.“ Bis zur Lauberhornabfahrt. Es wurde der grosse Tag der Schweizer Sorgenkinder.

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