Zürich

Das Freestyle.ch: Ist es mehr Show- oder eher doch Sport-Event?

Die Schweden Oscar Wester (l.) und Jesper Tjäder mit einem Synchron-Sprung während der Crossover Session am Freestyle.ch.

Die Schweden Oscar Wester (l.) und Jesper Tjäder mit einem Synchron-Sprung während der Crossover Session am Freestyle.ch.

Das Actionspektakel Freestyle.ch auf der Zürcher Landiwiese feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Es ist wie jedes Jahr eine gigantische Show und beeindruckender Sport, der von hochkarätigen Athletinnen und Athleten geboten wird.

Es ist ein riesiges Spektakel, das sich am Samstag auf der Landiwiese in Zürich abspielte. Snowboarder und Freeskier stürzen sich die 32 Meter hohe und 100 Meter lange BigAir-Schanze hinunter. Nicht etwa schön gesittet nacheinander, sondern alle zusammen. Im Sekundentakt fliegen sie über die Rampe, vollführen Drehungen und Salti. Und schaffen es spielend leicht, sich bei der Landung nicht gegenseitig über den Haufen zu fahren.

Und als ob dem nicht schon genug wäre, springen die FMX-Fahrer auf ihren Motorrädern quer über die Landung der Schneeschanze. Selbes Prozedere, im Sekundentakt hintereinander, waghalsige Tricks in der Luft inklusive. Und um das Ganze noch abzurunden, dürfen auch die Mountainbiker nicht fehlen. Sie springen neben der Schneeschanze gleichzeitig wie die Ski- und Snowboarder über ihre Rampe und drehen sich und ihr Velo in alle nur erdenkliche Richtungen.

Am Samstag Show, am Sonntag Wettkampf

Der Samstag am Freestyle.ch, dem grössten Freestyle-Event Europas steht ganz im Zeichen der Show, bevor am Sonntag in den sportlichen Wettkämpfen um den Sieg gefahren wird. Es ist dies eine Rückkehr zu den Wurzeln des Sports, der immer noch den Ruf hat mehr Show denn seriöser Sport zu sein. Das Bild der wild feiernden, extrovertierten, in den Tag hineinlebenden Freestyle-Sportler hält sich hartnäckig.

Elias Ambühl, Schweizer Freeski-Star und Publikumsliebling auf der Landiwiese widerspricht dem: «Der Freestyle Sport ist viel professioneller geworden. Er hat zwar immer noch diesen Ruf, alles etwas lockerer zu nehmen, aber in der Weltspitze kommt man nirgends mehr hin, wenn man alles nur locker nimmt. Die ist mittlerweile so dicht, dass einfach jemand anderes deinen Platz übernimmt.» Längst machen auch Freestyler ein seriöses Sommertraining, trainieren Ausdauer und Kraft.

Freestyle.ch 2014

Freestyle.ch 2014

Die Party gehört einfach dazu

Gian Simmen, früherer Snowboard-Olympiasieger in der Halfpipe stimmt dem zu: «Partymachen und feiern ist ein Teil der ganzen Freestyle-Kultur.» Es werde aber sicher nicht mehr so exzessiv gemacht, wie das früher der Fall war. «Es ist mittlerweile ein professioneller Sport, man kann das gar nicht mehr. Die Leistung, die man als Athlet bringen muss, ist viel zu hoch, als dass man sich jeden Abend abschiessen könnte.» Simmen sagt aber auch, dass die Show immer ein Teil des Freestyle Sports sein werde.

Style-Session und Crossover Session heissen die beiden Formate am Samstag. Hier geht es um Stil, nicht um möglichst viele Rotationen und Schrauben. Um Freestyle im ursprünglichen Sinn also. Das kommt gut an, bei den Fahrern wie bei den Zuschauern, welche durch die Lautstärke ihres Applauses den «Sieger» küren. Crossover Champ heisst er, bekommt eine Krone aufgesetzt und wird auf einem Thron durch die Menge getragen. Pure Show. «Man kann sich selbst inszenieren, möchte, dass die Zuschauer einen anfeuern. Das ist das, was den Freestyle-Sport ausmacht», beschreibt es Simmen. Er weiss: «Die Leute wollen diese Charakteren, die Show. Sie wollen mitgerissen werden.»

Der Lifestyle-Ruf

Dazu kommt, dass sich der Freestyle Sport auch zu einem grossen Teil durch seinen Ruf, durch seinen Lifestyle definiert. Von Sport, über Kleidung, Musik und Slang – Freestyler haben ihren eigenen Lifestyle entwickelt und sind stolz darauf. Ambühl beschreibt es wie folgt: «Der Lifestyle ist auch ein riesiges Aushängeschild für den Sport. Viele Leute kennen den Sport, von diesem Lifestyle.» Den typischen Freestyler beschreibt er als «etwas abgedreht, abgespunnen». Er ist sich sicher, dass dieser Lifestyle auch immer bleiben wird, egal wie professionell der Sport in Zukunft noch werden wird.

Nachdem Ambühl in diesem Sommer so viel wie noch nie ins Training investiert hatte, will er sich dieses Jahr mehr auf den Wettkampf von heute konzentrieren. In früheren Jahren war er jeweils in ausgeflippten Kostümen über die Schanze gesprungen und vom Publikum zum Crossover Champ gewählt beziehungsweise geklatscht worden.

Und so liess er es sich auch gestern nicht nehmen an der Crossover Session teilzunehmen. Dazu sagt er: «Die Show wird bei mir immer ein Thema sein, ich mache das gerne fürs Publikum, das zahlreich erscheint und dies verdient hat». Auf die AfterBurner Party im Anschluss verzichtete er dann aber doch. Denn heute steht ja noch der eigentliche Wettkampf an. Sport und Show, es muss sich nicht gegenseitig ausschliessen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1