Daniel Yule profitierte nicht zuletzt vom Ausfall von Marcel Hirscher und Henrik Kristoffersen, die nach dem ersten Lauf auf den Plätzen und 1 und 2 gelegen hatten, im zweiten Lauf aber gleich beide mit einem Einfädler ausschieden. So siegte Yule schliesslich 0,34 Sekunden vor dem Österreicher Marco Schwarz. Dritter wurde mit Michael Matt ein weiterer Mann aus dem Austria-Team.

Yule war nach dem ersten Durchgang Vierter, 66 Hundertstel hinter Halbzeit-Leader Hirscher, der seinerseits nur 14 Hundertstel vor Kristoffersen das Feld anführte. Damit schien ein Platz auf dem Podium in Reichweite, aber an den Sieg durfte nicht einmal Yule selber glauben. Letzter Schweizer Gewinner im Slalom war Marc Gini, der im November 2007 auf der Reiteralm - damals ebenfalls völlig überraschend - triumphiert hatte.

Im letzten Winter hatte es Yule erstmals aufs Podium geschafft, als Dritter sowohl in Kitzbühel wie auch in Schladming. Dreimal war er zudem schon Vierter. Zu dieser Saison war der 25-Jährige mit dem 6. Platz in Levi gestartet, Rang 5 resultierte vor zwei Tagen in Saalbach. Zum grossen Schlag konnte er - der konstanteste der sich im Aufschwung befindenden Schweizer - aber noch nie ausholen. Denn an Überflieger Marcel Hirscher oder auch am ewigen Zweiten Henrik Kristoffersen ist eben nur schwer vorbeizukommen.

Yule: "Alles ist irgendwie unrealistisch"

Doch in Madonna sahen gleich beide der Favoriten die Zielflagge nicht. Zunächst scheiterte Kristoffersen mit einem Einfädler am zweiten Tor, danach kam auch Hirscher lediglich vier Tore weit. "Unglaublich", kommentierte Yule den Ausfall der beiden Cracks, "die beiden sind gewöhnlich so sicher, die fädeln ja nie ein. Und jetzt haben es gleich beide getan - das ist irgendwie unrealistisch." Wie aussergewöhnlich der Erfolg von Yule ist, zeigt auch allein die Tatsache, dass es in der gesamten Weltcup-Geschichte erst der 14. Sieg eines Schweizers war.

Weltcuppunkte gab es zudem für den Bündner Sandro Simonet, der als 14. sein zweitbestes Weltcup-Ergebnis realisierte. Der 23-Jährige war mit Nummer 42 ins Rennen gegangen. Seine Bestmarke ist Platz 8, den er letzten März in Kranjska Gora erreichte.

Loïc Meillard dagegen, Fünfter bei Halbzeit, fiel diesmal nach einem schweren Ausrutscher auf Position 19 zurück. Er ging damit den umgekehrten Weg als zwei Tage zuvor in Saalbach, wo er vom 12. auf den 2. Platz vorgestossen war. Der Olympia-Zweite Ramon Zenhäusern und auch Luca Aerni schafften jedoch die Qualifikation für den finalen Durchgang nicht.