Der Gewinn einer WM-Medaille blieb Didier Défago in seiner Karriere verwehrt. Nahe dran war er 2007 in der Super-Kombination von Åre. Défago wurde Vierter, 27 Hundertstel hinter Teamkollege Marc Berthod. Berthod holte Bronze, Daniel Albrecht Gold. In der letzten Woche begleitete Défago seinen ehemaligen Ausrüster Rossignol nach Åre. Er hat bei der Skifirma immer noch ein Mandat im Entwicklungsbereich. Zudem ist er für die Winterspiele 2022 als Pistenbauer tätig. Im Interview wagt der 41-jährige Walliser eine Prognose.

Didier Défago, vor 12 Jahren verpassten Sie hier Bronze sehr knapp.

Ich hatte damals ein Problem im Super-G. Beim letzten Sprung ist mir eine Stange gegen den Helm geprallt, danach flog die Brille weg. Bis ins Ziel habe ich nur noch geweint wegen der Kälte. Die Goldmedaille ging an Daniel Albrecht, diese Bilder sind mir sehr präsent.

Kann man die WM 2007 mit der WM 2019 vergleichen?

Die Pisten von damals und heute sind sich relativ ähnlich. Aber ansonsten hat es viele Veränderungen gegeben. Das Material ist anders, es gibt neue Reglemente. Und Temperatur und Wetter können im Skisport immer die Bedingungen ändern. Ein Vergleich ist sehr schwierig.

Heute steht die Kombination der Männer auf dem Programm. Haben die Schweizer Medaillenchancen?

Es braucht eine sehr gute Leistung in der Abfahrt. Der obere Teil ist sehr wellig, danach wird es relativ technisch. Es gibt wenige Passagen, in denen man eine hohe Geschwindigkeit hat. Techniker sind wohl im Vorteil. Aber grundsätzlich ist alles möglich (schmunzelt).

Das heisst, es gibt keinen deutlichen Favoritenkreis?

Ich glaube, in keinem Rennen ist die Ausgangslage offener als in der Kombination. Natürlich muss man die Franzosen Alexis Pinturault und Victor Muffat-Jeandet im Auge behalten. Beide haben in Wengen in der Kombi überzeugt. Aber auch der Österreicher Marco Schwarz, der Sieger von Wengen. Aus Schweizer Sicht ist Sandro Simonet für eine Überraschung gut, sofern es bei ihm im Slalom aufgeht.

Nun wird die Kombination wohl keine Zukunft mehr haben. Ist das Vorhaben klug?

Gut ist, dass überhaupt darüber nachgedacht wird, wie der Skisport attraktiver gemacht werden kann. Man muss ein stabiles Format finden, das über eine längere Zeit gleich ausgetragen wird.

Sind Parallel-Rennen denn das richtige Format?

Das schönste Parallel-Rennen ist aus meiner Sicht Alta Badia. In diesem Jahr haben sie die Abstände zwischen den Toren kürzer gemacht. Es hat viel besser ausgesehen. Ein Wettbewerb zwischen Riesenslalom und Slalom. Ideal wäre ein Zwischending zwischen Show und Skifahren.

Sie sind als Pistenbauer tätig. Wie viel Zeit beansprucht dieser Job?

Ich arbeite momentan mit Bernhard Russi an der Piste für die Olympischen Spiele in Peking 2022. In einem Jahr findet der Weltcup in Peking statt. Bis dahin ist der Aufwand gross. Danach werden nur noch kleinere Anpassungen nötig sein. Ich kann mir vorstellen, den Job von Bernhard Russi zu übernehmen, wenn er eines Tages nicht mehr will. Das wäre womöglich ein 100-Prozent-Pensum.