Ski-WM
Irgendwann glaubte sie es selbst: Wie Corinne Suter zur Weltmeisterin wurde

Als erste Schweizerin seit 32 Jahren gewinnt Corinne Suter WM-Gold in der Abfahrt. Die 26-jährige Schwyzerin, die so lange gezweifelt hat, ist nun ganz oben. Es ist das Resultat einer besonderen Entwicklung.

Martin Probst
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Ist sie wirklich echt? Corinne Suter beisst in die Goldmedaille.

Ist sie wirklich echt? Corinne Suter beisst in die Goldmedaille.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Es ist ja schon eine unglaubliche Geschichte. Eine, die zeigt, dass sich alles lernen lässt, wenn man es will. Wenn man dran bleibt und nicht aufgibt. Corinne Suter, seit Samstag Weltmeisterin in der Abfahrt, sagt: «Kämpfen lohnt sich.» Das zeigt ihre Geschichte. Die lange eine des Zweifelns war.

Doch beginnen wir mit der Gegenwart: Die WM-Abfahrt gewinnt Suter vor Kira Weidle aus Deutschland und Lara Gut-Behrami. Suter wird zur ersten Schweizer Weltmeisterin in der Königsdisziplin seit Maria Walliser, die vor 32 Jahren im Vail zum zweiten Mal Abfahrtsweltmeisterin wurde. Aber fast noch erstaunlicher ist: Suter gewinnt ihre vierte WM-Medaille in Serie.

Vor zwei Jahren in Are holte sie Bronze im Super-G und Silber in der Abfahrt. Die WM-Kombi dazwischen bestritt Suter zwar auch, aber nur die Abfahrt als Training. Deshalb kann man schon von einer Serie sprechen, die mit Silber im WM-Super-G von Cortina am Donnerstag und nun mit Gold in der Abfahrt ihre Fortsetzung fand. Das ist umso erstaunlicher, wenn man weiss, wie schwer sich Suter lange mit Druck tat. Und nun ausgerechnet in den wichtigsten Rennen fähig ist, diesen auszuhalten.

Corinne Suter auf ihrer Fahrt zu Gold.

Corinne Suter auf ihrer Fahrt zu Gold.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Rückblende. Corinne Suter galt früh als Talent. Aber auch als Athletin, die sich selbst bremst. Die Tränen flossen damals regelmässig. Nicht, weil sie die Trainer oder andere im Umfeld enttäuscht hätte, sondern nur sich selbst. Noch heute sagt sie: «Den grössten Druck mache ich mir selbst.»

Die regelmässigen Katastrophen, die eigentlich keine waren

Suter wollte schnell sehr viel. Rennen, die zur Entwicklung einer Athletin passen, wurden für sie zu Katastrophen, weil sie mehr wollte. Ende 2015 wurde sie in einer Abfahrt Sechste. Nur zwei Wochen später Fünfte. An diesen Ergebnissen mass sich die damals 21-Jährige in der Folge. Aber den normalen Verlauf einer Karriere können Normalsterbliche nicht beschleunigen. Doch Suter begann an sich und an allem zu zweifeln.

Ihre langjähriger Trainer Dominique Pittet, der nun auch bei den Erfolgen in Cortina dabei ist, sagt: «Sie hatte die Voraussetzungen schon früher.» Aber Suter musste erst lernen, ihre Gedanken zu kanalisieren, nicht immer alles zu hinterfragen. Sie nahm die Hilfe eines Mentaltrainers in Anspruch, arbeitete an sich, scheiterte aber immer wieder und fiel in alte Muster zurück. Die Gespräche mit ihr wiederholten sich. Auch wenn die Resultate mal besser, mal schlechter waren. Das Dauerthema blieb immer das Gleiche: Sie müsse lernen, sich selbst weniger unter Druck zu setzen.

Die Erkenntnis: Zweifel sind kein Drama

Geholfen hat Suter, dass ihr Umfeld ruhig blieb. Und vor allem beständig. Trainer Pittet sagt: «Das Team ist schon lange das Gleiche. Wir sind alle immer ruhig geblieben, wir sind nicht Typen, die Druck ausüben.» Suter sagt, mit der Goldmedaille um den Hals: «Wenn die Leute um mich herum ausstrahlen, dass das alles nichts besonders ist, dass es nur um das Skifahren geht, gibt mir das sehr grosses Vertrauen.» Und irgendwann glaubte sie es selbst. Sie lernte, dass das Zweifeln kein Drama sein muss.

Heute ist sie Weltmeisterin. Was für eine unglaubliche Entwicklung.